UniCredit spaltet Russland-Geschäft auf und verkauft Teil an Investor aus den VAE
Die italienische Gruppe UniCredit hat angekündigt, einen Teil ihres Russland-Geschäfts in eine neue rechtliche Einheit auszugliedern und anschließend an einen privaten Investor aus den VAE zu verkaufen; der Deal wird für 2027 erwartet
Der Plan der italienischen Gruppe, einen Teil ihres Russland-Geschäfts an einen privaten Investor aus den VAE zu verkaufen, ist nicht nur ein „Marktaustritt“, sondern eine komplexe chirurgische Operation, die darauf abzielt, einen „toxischen“ Vermögenswert für die westliche Bilanz in eine funktionierende Brücke für internationale Zahlungen zu verwandeln. Orcel hat einen Weg gefunden, die Kontrolle über das lukrativste Stück – den Transaktionsverkehr – zu behalten, während er Sanktionsrisiken und regulatorischen Druck der EZB abwirft.
Das Wesentliche: Was wirklich passiert
UniCredit verlässt Russland nicht im klassischen Sinne. Die Gruppe strukturiert den Deal so, dass ihr Russland-Geschäft in zwei Teile aufgespalten wird: „Neue Bank“ (100 % verbleiben bei der italienischen Gruppe) und „Restbank“, die an einen Investor aus den VAE verkauft wird.
Das entscheidende Detail, das bei oberflächlicher Lektüre oft übersehen wird: Die „Neue Bank“, die unter der Kontrolle von UniCredit bleibt, wird sich speziell auf internationale Zahlungen in Euro und Dollar für Firmenkunden konzentrieren. Das bedeutet, dass die Italiener das profitabelste Segment behalten – die Abwicklung von Außenhandelsströmen, die stabile Provisionserträge generieren. Der Käufer aus den VAE erhält das Retail- und lokale Firmenkundenportfolio – Vermögenswerte mit höherem Sanktionsrisiko, aber auch einer deutlich niedrigeren Bewertung.
Zeitplan und Kontext
Seit 2022 steht UniCredit unter immensem Druck der Europäischen Zentralbank, die von europäischen Banken den Abbau ihrer Russland-Aktivitäten fordert. Anders als viele Wettbewerber hat die Gruppe von Andrea Orcel jedoch eine Strategie der verlängerten Verteidigung gewählt. 2023 schränkte die Bank bereits einige Operationen ein, und 2025 setzte sie grenzüberschreitende Überweisungen für Privatkunden aus und stellte die Aufnahme neuer Nutzer ein.
Dennoch erwirtschaftete das Russland-Geschäft weiterhin Gewinne. Ende 2025 entfielen auf Russland etwa 4,5 % der Konzernerlöse. Ein vollständiger Ausstieg hätte nicht nur den Verlust dieser Einnahmen bedeutet, sondern auch einen massiven einmaligen Verlust.
Am 7. Mai 2026 gab UniCredit die Unterzeichnung einer unverbindlichen Vereinbarung (Term-Sheet) bekannt. Der Abschluss des Deals ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Die angekündigte negative Gesamtauswirkung auf die Gewinn- und Verlustrechnung liegt zwischen 3,0 und 3,3 Milliarden Euro, davon 1,6–1,8 Milliarden Euro als nicht zahlungswirksamer Verlust aus der Abschreibung der Währungsreserve.
Wer gewinnt und wer verliert
UniCredit als Gruppe gewinnt. Die Deal-Struktur ermöglicht es, den verbleibenden extremen Verlustindikator von 93 Basispunkten auf 30–40 Basispunkte zu senken. Der gesamte Kapitalgewinn wird bei etwa 35 Basispunkten liegen, unter Berücksichtigung der Kompensation des negativen Effekts bei Abschluss von 20–25 Basispunkten. Die Gruppe behält das profitable Zahlungsgeschäft und entkommt dem Sanktionsdruck.
Der Käufer aus den VAE gewinnt. Er erhält eine funktionierende Bank mit Lizenz, Kundenstamm und Infrastruktur. Der Verkaufspreis ist nicht bekannt, aber angesichts des regulatorischen Drucks auf den Verkäufer dürfte der Abschlag auf den fairen Wert mindestens 40–50 % betragen. Dies ist eine klassische Käufermarktsituation.
Firmenkunden gewinnen. Für Unternehmen, die im Außenhandel tätig sind, bleibt der Zugang zu internationalen Abwicklungen über die „Neue Bank“ von UniCredit erhalten. Das Schema ist speziell darauf ausgelegt, dass Kunden, die die Zahlungslösungen der Bank nutzen, während des gesamten Restrukturierungsprozesses „Zugang zum aktuellen Operationsumfang behalten“.
Der Retail-Sektor verliert. Die „Restbank“, die an den Käufer geht, wird wahrscheinlich mit ernsthaften Einschränkungen bei Korrespondenzbeziehungen und dem Zugang zu Devisen konfrontiert sein. Die Servicequalität für Privatkunden und kleine Unternehmen wird zwangsläufig sinken.
Was die Medien nicht sagen
Die erste nicht offensichtliche Erkenntnis betrifft die Art der Verluste. Der angekündigte Verlust von 3,0–3,3 Milliarden Euro sieht in den Schlagzeilen katastrophal aus, aber in Wirklichkeit handelt es sich bei einem erheblichen Teil – etwa 1,6–1,8 Milliarden Euro – um einen nicht zahlungswirksamen Effekt aus dem „Recycling“ der Währungsreserve über die GuV. Mit anderen Worten, es handelt sich um eine buchhalterische Abschreibung, die weder den Cashflow noch das Kapital beeinflusst. Die tatsächlichen Barverluste der Gruppe sind deutlich geringer als die Zahl in der Pressemitteilung.
Die zweite Erkenntnis: Orcels erklärtes Ziel ist es, die Nettogewinnziele für 2028–2030 zu schützen und die Ausschüttungen an die Aktionäre unverändert zu lassen. Dies deutet darauf hin, dass der Deal tief in den strategischen Plan UniCredit Unlimited integriert ist. Indem die Gruppe jetzt die „Restbank“ verkauft, verbucht sie einen Verlust, eliminiert aber gleichzeitig den größten Unsicherheitsfaktor für zukünftige Perioden. Investoren sollten dies als Signal lesen: Das Management ist zuversichtlich, die Verluste durch andere Geschäftsbereiche kompensieren zu können.
Der dritte Punkt ist die Wahl der Gerichtsbarkeit des Käufers. Die VAE bleiben einer der wenigen Knotenpunkte, die konstruktive Beziehungen sowohl zum Westen als auch zu Russland unterhalten. Dies verringert das Risiko, dass der Deal von Regulierungsbehörden blockiert wird. Darüber hinaus deutet der Satz „gut etablierter privater Investor mit langjährigen Verbindungen zur lokalen institutionellen und geschäftlichen Gemeinschaft“ auf eine Person hin, die den herrschenden Kreisen der Emirate nahesteht, was zusätzliche politische Garantien bietet.
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
Nächste 30 Tage (bis 7. Juni 2026). Wir werden eine Konkretisierung der Deal-Struktur sehen. Die entscheidende Frage ist, wie genau die Vermögenswerte zwischen „Neuer Bank“ und „Restbank“ aufgeteilt werden. Die Parteien werden mit der Due Diligence beginnen und verbindliche Dokumente vorbereiten. Die Aktien von UniCredit an der Mailänder Börse könnten kurzfristig um 3–5 % steigen, da der Markt die Beseitigung der „Russland-Unsicherheit“ positiv aufnimmt. Die Aktien russischer Wettbewerber hingegen bleiben unter Druck: Der Präzedenzfall eines Niedrigpreisverkaufs belastet die Bewertungen des gesamten Sektors.
Nächste 90 Tage (bis 7. August 2026). Der Prozess der Einholung regulatorischer Genehmigungen wird beginnen. Hier stellt sich die Hauptfrage: Werden die Zentralbank der Russischen Föderation und die Regierungskommission für ausländische Investitionen den Deal genehmigen? Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja, da der russische Regulator daran interessiert ist, den Kanal für internationale Abwicklungen zu erhalten. Parallel dazu beginnen die technischen Arbeiten zur Ausgliederung der „Neuen Bank“. Ich erwarte, dass wir bis Ende des Sommers den Namen des konkreten Käufers aus den VAE und die Deal-Summe erfahren. Wenn sie 1 Milliarde Euro übersteigt, wäre dies ein positives Signal für den Markt.
Strategisch gesehen ist dieser Deal eine Vorlage für andere europäische Banken, die noch in Russland präsent sind. Orcel hat gezeigt, wie man den gordischen Knoten durchtrennt, ohne vor der EZB das Gesicht zu verlieren und ohne den Aktionärswert durch einen vollständigen Marktaustritt zu zerstören. 2027 werden wir wahrscheinlich ähnliche Strukturen von anderen Akteuren sehen.
— Editorial Team