Value vs. Growth Investing: Welche Strategie passt besser zu Ihnen?
Value vs. Growth Investing: Welche Strategie passt besser zu Ihnen?
Wenn Sie jemals ein Aktienportfolio aufgebaut oder einfach nur Finanznachrichten verfolgt haben, sind Sie sicherlich auf die uralte Debatte gestoßen: Value-Investing vs. Growth-Investing – was ist besser? Die Antwort ist selten eindeutig, denn die beiden Strategien unterscheiden sich grundlegend in ihrer Philosophie, ihrem Risikoprofil und ihren Performance-Zyklen. Während Growth-Investing auf schnelle Kapitalzuwächse durch innovative Unternehmen setzt, konzentriert sich Value-Investing darauf, unterbewertete Perlen zu finden, um stetige, langfristige Renditen zu erzielen. Dieser Artikel analysiert beide Ansätze anhand historischer Daten und Expertenmeinungen, um Ihnen zu helfen, den für Ihre finanziellen Ziele richtigen Weg zu finden.
Was Sie lernen werden
Am Ende dieses Artikels verstehen Sie die Kernphilosophien von Value- und Growth-Investing, können deren historische Performance und Risikoprofile analysieren und haben einen klaren Rahmen, um zu entscheiden, welche Strategie – oder eine Mischung aus beiden – am besten zu Ihren finanziellen Zielen und Ihrer Risikotoleranz passt. Sie werden erkennen, dass die Wahl oft weniger von der Strategie selbst abhängt, sondern vielmehr von Ihrem persönlichen finanziellen Zeithorizont und Ihrem Temperament.
Auf einen Blick
Die folgende Tabelle bietet einen schnellen Vergleich der wichtigsten Merkmale, die Growth- und Value-Investing unterscheiden.
| Kriterium | Growth-Investing | Value-Investing |
|---|---|---|
| Kernphilosophie | Investition in Unternehmen, von denen ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum erwartet wird. | Investition in „günstige“ Aktien, die unter ihrem vermeintlichen inneren Wert gehandelt werden. |
| Bewertung | Aktien haben typischerweise hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV), die zukünftiges Potenzial widerspiegeln. | Aktien haben niedrige KGVs und andere Wertkennzahlen, wirken wie Schnäppchen. |
| Risikoprofil | Höheres Risiko und höhere Volatilität aufgrund hoher Erwartungen und Sensitivität gegenüber Marktveränderungen. | Geringeres Risiko und geringere Volatilität, bieten eine „Sicherheitsmarge“. |
| Dividendenertrag | Unternehmen reinvestieren Gewinne typischerweise, daher sind Dividenden niedrig oder nicht vorhanden. | Unternehmen sind oft etabliert und zahlen regelmäßige und höhere Dividenden. |
| Marktbedingungen | Tendiert zu Überperformance in Niedrigzinsphasen und Zeiten starker wirtschaftlicher Expansion. | Überperformer in Phasen steigender Zinsen und konjunktureller Erholungszyklen. |
| Anlagehorizont | Oft attraktiv für jüngere Anleger mit einem längeren Zeithorizont, um Volatilität auszusitzen. | Geeignet für geduldige Anleger mit langfristiger Perspektive, die auf spezifische Ziele hinarbeiten. |
| Schlüsselfaktoren | Innovation, technologische Disruption und schnelles Umsatzwachstum. | Fundamentaldaten: stabile Cashflows, niedrige Verschuldung und starke Rentabilität. |
| Hauptrisiko | „Umsetzungsrisiko“: Das Unternehmen erfüllt die hohen Wachstumserwartungen nicht. | Die „Wertfalle“: Eine Aktie erscheint günstig, fällt aber aufgrund zugrunde liegender Probleme weiter. |
Growth-Investing im Detail
Growth-Investing ist eine Strategie, die sich auf Unternehmen konzentriert, die ein überdurchschnittliches Gewinnwachstum erzielen sollen, oft in innovativen Sektoren wie Technologie und Biotechnologie. Anleger sind bereit, einen Aufschlag für diese Aktien zu zahlen, was sich in hohen Bewertungskennzahlen widerspiegelt, da sie glauben, dass diese Unternehmen ihre Branchen in Zukunft dominieren werden. Der kometenhafte Aufstieg von Unternehmen wie Nvidia, Alphabet und Amazon zeigt, wie Growth-Investing massive Gewinne generieren kann. Diese Strategie ist oft attraktiv für jüngere Anleger mit einem langen Zeithorizont, die kurzfristige Markteinbrüche zugunsten des Potenzials für erhebliche langfristige Kapitalzuwächse tolerieren können.
Die hohen Erwartungen, die in den Kursen von Growth-Aktien eingepreist sind, bergen jedoch ein erhebliches Risiko. Ihre Bewertungen reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen der Anlegerstimmung, der Zinssätze und auf Gewinnüberraschungen, was zu einer höheren Volatilität führt. Die Abhängigkeit vom zukünftigen Erfolg, manchmal ohne konstante Rentabilität, bedeutet, dass der Aktienkurs eines Growth-Unternehmens bei Scheitern des Geschäftsplans ebenso schnell einbrechen kann, wie er gestiegen ist. J.P. Morgan merkt an, dass Growth zwar immer noch gewinnen kann, wenn „die Gewinnentwicklung stark genug ist“, die Strategie jedoch inhärent empfindlich auf makroökonomische Faktoren wie Zinssätze reagiert, die die Finanzierung von Expansion verteuern können.
Value-Investing im Detail
Value-Investing, eine von Benjamin Graham begründete und von Warren Buffett berühmt praktizierte Philosophie, zielt darauf ab, Aktien zu identifizieren und zu kaufen, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Value-Investoren sind wie Schnäppchenjäger, die die Fundamentaldaten eines Unternehmens – wie stabile Cashflows, Gewinne und niedrige Verschuldung – akribisch analysieren, um seinen wahren Wert zu ermitteln. Sie konzentrieren sich auf reife, etablierte Unternehmen, die vorübergehend in Ungnade gefallen sein könnten, und streben nach konsistenten Renditen mit geringerer Volatilität. Der Erfolg von Buffetts Berkshire Hathaway, das seit 1965 eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 20 % erzielt hat, ist ein Beleg für die Kraft dieses geduldigen, disziplinierten Ansatzes.
Der Hauptvorteil des Value-Investings ist die „Sicherheitsmarge“, die es bietet und die Anleger vor Abwärtsrisiken schützt. Diese Aktien bieten oft auch Dividendeneinkünfte, die einen stetigen Ertragsstrom liefern. Allerdings ist Value-Investing nicht ohne Tücken. Das größte Risiko ist die „Wertfalle“, bei der eine Aktie aus gutem Grund günstig erscheint, etwa aufgrund eines rückläufigen Geschäftsmodells, schlechtem Management oder struktureller Gegenwinde in der Branche. Es kann auch beträchtliche Zeit dauern, bis der Markt den inneren Wert einer Aktie erkennt, was Geduld und eine langfristige Perspektive erfordert. Wie Courtiers, eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, betont, geht es beim Value-Investing darum, sicherzustellen, dass ein Vermögenswert „überleben und gedeihen“ kann, wobei Sicherheit und stetiger Fortschritt über risikoreiche Wetten mit hohen Renditen gestellt werden.
Kosten & Zugänglichkeit
Für die meisten Anleger ist der einfachste und kostengünstigste Weg, diese Strategien umzusetzen, der über börsengehandelte Fonds (ETFs).
| Ansatz | Beispielstrategie | Typische Kostenquote | Zugänglichkeit |
|---|---|---|---|
| Passiver ETF | S&P 500 Growth ETF, S&P 500 Value ETF | ~0,04 % – 0,20 % | Sehr hoch; bei jedem größeren Broker erhältlich. Bietet sofortige Diversifikation. |
| Aktiver Investmentfonds | Aktiv gemanagter Growth- oder Value-Fonds | ~0,50 % – 1,50 %+ | Hoch; oft über Broker oder Fondsgesellschaften erhältlich. Ziel ist es, einen Index zu übertreffen. |
| Aktives Management | JPMorgan American Investment Trust (JAM) | 0,34 % | Mittel; ein geschlossener Fonds mit einem einzigartigen Ansatz, beide Stile zu kombinieren. |
So treffen Sie Ihre Entscheidung
Die Wahl zwischen diesen Anlagestilen ist eine persönliche Entscheidung, die von Ihrer individuellen finanziellen Situation bestimmt wird. Nutzen Sie das folgende Schema, um Ihre Entscheidung zu leiten.
Wählen Sie Growth-Investing, wenn:
- Sie einen langen Anlagehorizont (10+ Jahre) haben und kurzfristige Volatilität für die Chance auf höhere Renditen tolerieren können.
- Sie optimistisch in die Zukunft innovativer Sektoren wie Technologie und künstliche Intelligenz blicken.
- Sie jünger sind und Zeit haben, sich von möglichen Markteinbrüchen zu erholen.
- Ihnen unmittelbare Dividendenerträge weniger wichtig sind und Sie Unternehmen bevorzugen, die für zukünftiges Wachstum reinvestieren.
Wählen Sie Value-Investing, wenn:
- Sie eine geringere Risikotoleranz haben und Kapitalerhalt sowie Absicherung gegen Verluste priorisieren.
- Sie einen stetigen Einkommensstrom durch Dividenden anstreben.
- Sie ein geduldiger Anleger sind, der bereit ist zu warten, bis der Markt eine Fehlbewertung korrigiert.
- Sie einen zielorientierten Ansatz verfolgen, z. B. die Finanzierung des Ruhestands oder der Ausbildung eines Kindes, bei dem stetiges Wachstum gegenüber risikoreichen Wetten bevorzugt wird.
Fazit
Basierend auf den Erkenntnissen und Expertenanalysen gibt es keine einzelne „bessere“ Strategie. Der umsichtigste Ansatz für viele Anleger ist ein gemischtes oder flexibles Portfolio. Während eine reine Value-Strategie historisch gesehen starke langfristige Renditen bei geringerem Risiko geboten hat, gibt es Phasen wie 2023 und 2024, in denen Growth Value deutlich übertrifft.
Ein anspruchsvoller Ansatz ist die Überlegung einer ausgewogenen Allokation. Die Forschung von MSCI zeigt, dass eine simulierte 50/50-Mischung aus einem US-Growth-Index und einem internationalen Value-Index in bestimmten Marktumfeldern historisch gesehen „höhere durchschnittliche Renditen, geringere Volatilität und ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis“ geliefert hat. Für diejenigen, die einen einzelnen Fonds bevorzugen, gibt es Optionen wie den JPMorgan American Investment Trust, der darauf abzielt, das Beste aus beiden Welten zu vereinen, indem er je nach Marktlage flexibel zwischen Growth- und Value-Strategien wechselt. Letztendlich, ob Sie sich für Value, Growth oder eine Mischung entscheiden, der Schlüssel zum Erfolg ist konsequentes Investieren, Diversifikation und die Ausrichtung an Ihren persönlichen finanziellen Zielen.
Quellen
- Bankrate. „Growth ETF Vs. Value ETF: What's The Difference?“
- J.P. Morgan. „Value vs. Growth: Value to shine?“
- Courtiers. „Value vs Growth“
- Bora Capital Advisors. „Growth Investing vs Value Investing“
- J.P. Morgan. „JPMorgan American Investment Trust: Where growth meets value“
- MSCI. „International Value Has Outshone US Growth“
- Advisor Perspectives. „Is It Time to Give Value Investing Another Look?“
- Roundhill Investments. „Roundhill Roundup - Growth vs. Value or AI vs. HALO?“
— Editorial Team