# Euro und Dollar schlagen Rekorde gegenüber der Hrywnja: Was bedeutet das für Sie?
Stellen Sie sich vor, Sie könnten sich mit Ihrem Gehalt jetzt 30 % weniger Lebensmittel kaufen. So fühlen sich Ukrainerinnen und Ukrainer, wenn Euro und Dollar neue historische Höchststände gegenüber der Hrywnja erreichen. Das ist nicht nur ein lokales Problem – eine schwache Hrywnja wirkt sich direkt auf die Brotpreise in Ihrem Supermarkt und die Tankkosten an der Zapfsäule aus.
Am Montag, den 20. April, legte die Nationalbank der Ukraine den offiziellen Wechselkurs fest: 1 Euro = 51,76 UAH (neuer Rekord), 1 US-Dollar = 43,89 UAH. Innerhalb einer Woche verteuerte sich der Euro um fast 70 Kopeken, der Dollar um 50 Kopeken. Zum Vergleich: Vor einem Jahr kostete der Euro noch 40 UAH, der Dollar 36 UAH. Solche Kursschwankungen sind vergleichbar mit dem plötzlichen Sprung des Kraftstoffverbrauchs Ihres Autos um 50 % auf derselben Strecke.
Warum verliert die Hrywnja an Wert?
Der Krieg hat die ukrainische Wirtschaft grundlegend verändert. Drei Hauptgründe erklären den Kursverfall der Hrywnja:
- Zerstörte Produktionskapazitäten: Fabriken und Anbauflächen in frontnahen Gebieten liegen brach, wodurch Ukraine weniger Waren exportiert und weniger Devisen erwirtschaftet.
- Importabhängigkeit: Kraftstoffe, Medikamente und Maschinen werden fast ausschließlich ins Land geholt, was dem Staat Dollar und Euro entzieht.
- Hilfe in Fremdwährungen: Der Großteil der internationalen Unterstützung kommt in Dollar oder Euro. Bei der Umrechnung in Hrywnja für Auszahlungen entsteht zusätzlicher Druck auf den Wechselkurs.
Das erinnert an ein Aquarium mit einem Loch im Boden: Solange die Schäden (die Infrastruktur) nicht behoben sind, fließt die Währung (das Wasser) weiter ab. Interessant ist, dass die Nationalbank der Ukraine (NBU) den Kurs durch Interventionen künstlich stützt – ähnlich wie man ein Leck vorübergehend mit einem Lappen stopft.
Die globalen Auswirkungen
Eine schwache Hrywnja ist kein rein ukrainisches Problem. Das Land gehört zu den fünf größten Exporteuren von Weizen und Mais. Sinkt der Wert der Hrywnja, erhalten ukrainische Landwirte für denselben Dollar-Betrag beim Getreideverkauf mehr Hrywnja. Das ermöglicht es ihnen, die Preise für Abnehmer in Europa, Afrika und Asien zu senken. Ein einfaches Beispiel: Wurde ein Sack Weizen früher für 200 US-Dollar verkauft, erhält der Bauer heute für dieselben 200 Dollar 8.700 Hrywnja statt der 7.200 Hrywnja von vor einem Jahr. Dadurch kann er den Verkaufspreis leicht anpassen, ohne am Einkommen zu verlieren.
Doch es gibt auch eine Kehrseite. Ukraine importiert 90 % seiner Kraftstoffe. Eine schwächere Hrywnja verteuert Diesel und Gas für die landwirtschaftlichen Betriebe, was den Vorteil des günstigen Exports in Zukunft zunichtemachen könnte. Stellen Sie sich vor, Sie verkaufen Äpfel günstiger, aber der Treibstoff für Ihren Transporter verdoppelt sich – am Ende sinkt Ihr Gewinn.
Was ist wichtig zu wissen?
- Rekordwechselkurse sind ein Symptom, keine Ursache: Das eigentliche Problem ist die kriegszerstörte Wirtschaft, nicht die Politik der NBU.
- Für den Weltmarkt: Günstige ukrainische Agrarprodukte dämpfen vorübergehend die globale Lebensmittelinflation.
- Risiken: Fällt die Hrywnja weiter, wird Ukraine kritische Importe wie Medikamente nicht mehr bezahlen können.
- Energiezusammenhang: Eine schwache Währung macht ukrainische Energieträger (z. B. Getreide als Biokraftstoff) für Europa attraktiver.
Was bedeutet das für den Durchschnittsbürger? Wenn Sie außerhalb der Ukraine leben, könnten Sie in Geschäften leicht niedrigere Preise für Brot und Sonnenblumenöl bemerken – dank des günstigen ukrainischen Exports. Gleichzeitig hält die Instabilität in der Region die Energiepreise hoch, da Ukraine ein wichtiger Transitkorridor für Gas ist. Für die Bevölkerung vor Ort hingegen bedeutet jeder weitere Verlust an Wechselkurswert, dass Medikamente und Kraftstoff immer schwerer erschwinglich werden und die Gehälter an Kaufkraft verlieren.
— Editorial Team