Wie Gazprom Sanktionen umgeht und LNG nach China liefert
Im Januar 2025 verhängten die USA Sanktionen gegen die russische Anlage "Portovaya" – ein kleiner, aber strategisch wichtiger Standort am Baltischen Meer. Mit einer jährlichen Kapazität von nur 1,5 Millionen Tonnen LNG (im Vergleich zu den weltweit größten Anlagen, die zehnmal mehr produzieren) sollte die Anlage vom globalen Markt abgeschnitten werden, um Russlands Einnahmen aus Gasexporten zu unterbinden.
Doch bereits im März und April 2025 gelang es zwei Tankern, darunter dem Schiff "Waleri", erfolgreich LNG von Portovaya in den chinesischen Hafen Beihai zu transportieren. Dies zeigt: Die Sanktionen funktionieren nicht so, wie ihre Urheber erwartet haben.
Wie die Umgehung funktioniert
Früher wurden die meisten Ladungen von Portovaya in Europa versandt – nach Türkei, Griechenland, Spanien und Italien. Doch nach der Einführung der Beschränkungen verlagerte sich der Fokus auf den Osten. China wurde zum zentralen Abnehmer und nimmt nun nicht nur Gas von Portovaya, sondern auch von einem weiteren sanktionsbelasteten Projekt: Arctic LNG-2.
Es ist vergleichbar mit einem Wasserrohr, das an einer Stelle abgedichtet wird – die Flüssigkeit fließt dann durch einen anderen Hahn. Sanktionen blockieren bestimmte Kanäle, öffnen aber andere, besonders wenn ein Käufer bereit ist, auf westlichen Druck zu ignorieren.
So hat sich die Lieferstruktur verändert:
- Vor den Sanktionen (Winter): ca. 2 Auslieferungen pro Monat, hauptsächlich nach Europa.
- Nach den Sanktionen (seit März 2025): 1 Auslieferung pro Monat nach Kaliningrad + 2 bestätigte Lieferungen nach China.
China agiert hier nicht nur als Kunde, sondern als geopolitischer Partner, der Russland hilft, Zugang zum Weltmarkt zu behalten.
Was ist LNG – und warum ist es wichtig?
LNG ist Erdgas, das auf -162°C gekühlt wird, um es flüssig zu machen. In dieser Form kann es per Tanker über Ozeane transportiert werden – nicht nur über Rohrleitungen. Damit wird Erdgas zu einem mobilen Gut, vergleichbar mit Öl.
Für Länder ohne eigene Vorkommen ist LNG lebenswichtig. Für Exporteure wie Russland ist es ein Mittel, Einkünfte zu generieren, selbst wenn die Pipeline-Nachfrage in Europa fast eingestellt ist.
Was bedeutet das für die globale Wirtschaft?
Russland passt sich an. Es verliert den europäischen Markt, baut aber enge Verbindungen mit Asien aus. Dies beschleunigt die Umgestaltung globaler Energieflüsse: Statt von Osten nach Westen (Russland → Europa) fließt der Gasstrom nun von Norden nach Süden (Arktis → China).
Solche Verschiebungen beeinflussen Preise, Schifffahrtsrouten, Investitionen in Infrastruktur und sogar Klimaverpflichtungen – denn die Transportierung von LNG benötigt mehr Energie und führt zu höheren Emissionen als der Pipeline-Transport.
Wichtige Punkte
- Sanktionen stoppen den Export nicht: Trotz Einschränkungen lieferte Gazprom mindestens zweimal LNG nach China ab Januar 2025.
- China ist Schlüsselpartner: Es nimmt Gas von sanktionsbelasteten russischen Anlagen wie Portovaya und Arctic LNG-2 entgegen.
- Routen haben sich verändert: Statt Europa fließt der Gasstrom nun nach Asien – was die globale Energielandschaft neu definiert.
- LNG ist flexibel: Im Gegensatz zu Pipelines lässt sich LNG überallhin schicken, solange ein Käufer da ist.
- Wirtschaftliche Überlebensfähigkeit: Die Erlöse aus LNG helfen Russland, seinen Haushalt auch unter Sanktionen aufrechtzuerhalten.
Was bedeutet das für gewöhnliche Menschen?
Wenn Russland weiterhin mit Energieträgern Geld verdient, verlängert sich seine wirtschaftliche Stabilität – und möglicherweise auch Konflikte, die mit seiner Außenpolitik verbunden sind. Zudem könnte die Umverteilung von Gasströmen die Energiepreise in Asien beeinflussen – und sogar in Europa, wo der Mangel an russischem Gas noch spürbar ist. Schließlich zeigen solche Deals: In der Welt gibt es immer weniger gemeinsame Regeln – Länder entscheiden selbst, welche Sanktionen sie befolgen und welche sie ignorieren.
— Editorial Team