Warum eine gesperrte Schifffahrtsroute Ihre Lebensmittel bald teurer machen könnte
Eine wichtige Schifffahrtsroute im Nahen Osten ist seit Monaten gesperrt, und obwohl Ihre Lebensmittelrechnung noch nicht in die Höhe geschnellt ist, warnen Experten, dass der eigentliche Druck noch kommt. Das ist entscheidend, weil die Kosten für die Lebensmittelproduktion – Treibstoff und Dünger – bereits explodiert sind und diese höheren Kosten bald auf den globalen Teller treffen.
Wie ein Engpass zu Preiserhöhungen führt
Die Strasse von Hormus ist wie eine Hauptverkehrsader für die weltweite Agrarversorgung. Normalerweise passieren etwa ein Drittel aller seeverkehrsabhängigen Düngemittel und ein Viertel des Seeöls diesen schmalen Kanal. Seit die Route gesperrt ist, sind die Preise für diese essenziellen Rohstoffe gestiegen. Dünger ist die Nährstoffmischung, die Pflanzen wachsen lässt, und Öl wird gebraucht, um Landmaschinen anzutreiben und Lebensmittel zu transportieren.
Es gibt jedoch eine Verzögerung zwischen dem Moment, in dem ein Landwirt mehr für Dünger zahlt, und dem Punkt, an dem Sie mehr für Brot bezahlen. Die meisten Lebensmittel, die wir derzeit essen, wurden vor Ausbruch dieser Krise angebaut. Außerdem befinden sich die globalen Getreidevorräte – der Pufferbestand an Körnern wie Weizen und Mais – auf Rekordhöhe. Dieser Puffer dämpft den ersten Schlag ab.
Die tickende Uhr für die nächste Ernte
Die eigentliche Sorge gilt der kommenden Wachstumsperiode. Die Landwirtschaft folgt einer biologischen Uhr: Im Frühling wird gesät, im Herbst geerntet. Die Märkte für Dünger und Schifffahrt hingegen können Preise innerhalb von Tagen umstellen. Bleibt die Strasse gesperrt, könnten Landwirte mit deutlich höheren Kosten zu folgendem greifen:
- Weniger Dünger einzusetzen, was zu geringeren Erträgen führen könnte.
- Weniger Flächen zu bepflanzen.
- Mit höheren Treibstoffkosten für Traktoren und Transport auszukommen.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnt, dass eine anhaltende Lage zu einer globalen Lebensmittel-„Katastrophe“ führen könnte. Sie schätzen, dass fast 45 Millionen Menschen zusätzlich akute Ernährungsnot leiden könnten, falls der Konflikt andauert.
Warum das einige Länder besonders hart trifft
Ein steigender globaler Preisindex erzählt nicht die ganze Geschichte. In vielen einkommensschwachen Ländern machen Transportkosten einen viel größeren Anteil am Endpreis der Lebensmittel aus. Schon vor einer Missernte spüren Menschen in Städten wie Dhaka, Kairo und Lagos die höheren Treibstoffpreise in ihrem wöchentlichen Einkauf.
Steigen die Preise, greifen Familien oft zu weniger nährstoffreichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse und Proteinen und wählen stattdessen günstigere, kalorienreiche Grundnahrungsmittel wie Reis oder Brot. Dieser Wechsel kann langfristige gesundheitliche Folgen haben, vor allem für Kinder.
Laut Analysten am stärksten gefährdete Länder:
- Indien
- Bangladesch
- Sri Lanka
- Somalia
- Sudan
- Tansania
- Kenia
- Ägypten
Was das für den Alltag bedeutet
Für die meisten bedeutet das: Rechnen Sie mit allmählich steigenden Lebensmittelpreisen in den nächsten Monaten, nicht mit einem plötzlichen Schock. Die großen weltweiten Getrevorräte bieten etwas Polster. Für Millionen in ärmeren Ländern, die den Großteil ihres Einkommens für Essen ausgeben, könnte das jedoch den Unterschied zwischen Sattwerden und Hunger ausmachen. Die Dauer dieser Schifffahrtsstörung ist der entscheidende Faktor für die Schwere der Folgen.
— Editorial Team