Bitcoin vs. Quantencomputer: Wie Entwickler Satoshis Coins retten wollen
Was wäre, wenn jemand in Zukunft Bitcoins von Satoshi Nakamoto – dem Schöpfer von Bitcoin – stehlen könnte? Das ist keine Science-Fiction; es ist eine reale Bedrohung, die Quantencomputer darstellen könnten. Der Entwickler Jameson Lopp hat eine radikale Lösung vorgeschlagen: Etwa 1,7 Millionen BTC, die derzeit solchen Angriffen ausgesetzt sind, vorübergehend „einzufrieren“. Es handelt sich um eine proaktive Maßnahme – das Netzwerk zu sichern, bevor die Gefahr real wird.
Warum ältere Bitcoins gefährdet sind
Nicht alle Adressen auf der Bitcoin-Blockchain sind gleichermaßen sicher. In den frühen Jahren von Bitcoin wurden sogenannte P2PK-Adressen (Pay-to-Public-Key) verwendet. Diese weisen eine entscheidende Eigenheit auf: Der öffentliche Schlüssel – also der Teil der Informationen, der zum Zugriff auf die Wallet erforderlich ist – wird öffentlich preisgegeben. Moderne Standardadressen tun dies nicht.
Heute ist das kein Problem, denn das Berechnen des privaten Schlüssels (des eigentlichen „Passworts“ der Wallet) aus dem öffentlichen Schlüssel ist rechnerisch unmöglich – selbst für die leistungsfähigsten Supercomputer. Quantencomputer – die derzeit noch nicht im erforderlichen Maßstab existieren – könnten dies theoretisch jedoch bewerkstelligen. Und dann könnte jeder mit einer solchen Maschine Coins von diesen Adressen stehlen.
Zu diesen gefährdeten Coins gehören etwa 1 Million BTC, die wahrscheinlich Satoshi Nakamoto selbst gehören. Das entspricht rund 5 % des gesamten Bitcoin-Angebots – und hat heute einen Wert von mehreren zehn Milliarden Dollar.
So funktioniert BIP-361
Jameson Lopp und sein Team von Entwicklern haben einen neuen Bitcoin-Standard vorgeschlagen: BIP-361. Er führt eine zweistufige Schutzstrategie ein:
- Veraltete Adressen isolieren – das Senden neuer BTC an P2PK-Adressen verbieten und sie damit für Standardtransaktionen unbrauchbar machen.
- Die Mittel selbst einfrieren – die Ausgabe von BTC von diesen Adressen blockieren, bis der Besitzer seine Identität mittels seiner Seed Phrase (einem geheimen Wiederherstellungscode) nachweist.
Das bedeutet nicht, dass die Coins verschwinden. Die Besitzer können sie später wieder freigeben – aber nur, wenn sie nachweisen können, dass sie die rechtmäßigen Wallet-Inhaber sind. Dieser Ansatz verhindert Diebstahl und bewahrt gleichzeitig das rechtmäßige Eigentum.
Die Quantenbedrohung ist nicht morgen – doch die Vorbereitung muss jetzt beginnen
Quantencomputer, die in der Lage wären, die Kryptografie von Bitcoin zu brechen, existieren noch nicht. Experten schätzen, dass dies 10–15 Jahre dauern könnte – oder vielleicht niemals eintreten wird. Doch wie Lopp betont, ist es viel zu riskant, abzuwarten, bis die Bedrohung konkret wird – besonders, wenn ein Angreifer nicht aus Gewinnsucht, sondern um das Vertrauen in Bitcoin zu untergraben, handelt.
„Ein Angriff auf Bitcoin könnte nicht wirtschaftlich motiviert sein, sondern politisch oder aus Boshaftigkeit – wobei der Angreifer Bitcoin’s Wert und Glaubwürdigkeit zerstören möchte, statt finanziellen Gewinn zu erzielen“, erklärt er.
Kürzlich forderte auch der Analyst Nic Carter die Community auf, die Arbeit an quantensicheren Lösungen zu beschleunigen, und warnte davor, dass Ethereum Bitcoin an Widerstandsfähigkeit überholen könnte, falls die Entwickler nicht handeln.
Wichtige Erkenntnisse
- Rund 1,7 Millionen BTC befinden sich auf veralteten Adressen, die künftigen Quantenangriffen ausgesetzt sind.
- Darunter: ca. 1 Million BTC, die wahrscheinlich Satoshi Nakamoto gehören.
- Der Vorschlag BIP-361 empfiehlt, diese Mittel vorübergehend einzufrieren, um sie zu schützen.
- Besitzer können die Coins wieder freigeben, indem sie ihr Eigentum nachweisen.
- Dies ist eine präventive Maßnahme – Quantencomputer sind derzeit noch nicht in der Lage, solche Angriffe durchzuführen.
Was das für gewöhnliche Nutzer bedeutet
Wenn Sie Bitcoin in einer modernen Wallet (SegWit oder Taproot) aufbewahren, sind Ihre Mittel sicher – diese Bedrohung betrifft Sie nicht. Falls Sie jedoch eine sehr alte Wallet nutzen oder vor 2012 BTC erhalten haben, sollten Sie Ihren Adresstyp prüfen und gegebenenfalls Ihre Mittel in eine neuere Wallet verschieben. Vor allem: Keine Panik. Dies ist keine akute Bedrohung – es handelt sich um eine langfristige Sicherheitsstrategie auf Netzwerkebene. Bitcoin entwickelt sich kontinuierlich weiter, um auch angesichts zukünftiger Technologien vertrauenswürdig zu bleiben.
— Editorial Team