# Japans privates Raumschiff untersucht tote Satelliten – Warum das für alle wichtig ist
Im Jahr 2027 wird ein japanisches Unternehmen ein Raumschiff schicken, um zwei tote Satelliten, die die Erde umkreisen, aus der Nähe zu untersuchen – eine Weltpremiere, die bestimmen könnte, wie wir mit Weltraummüll umgehen. Wenn Sie sich je Gedanken darüber gemacht haben, dass Satelliten kollidieren oder zukünftige Missionen behindern könnten, ist das ein großer Schritt, um den Weltraum sicher und nutzbar zu halten.
Warum tote Satelliten untersuchen?
Stellen Sie sich vor, Ihr Auto geht auf der Autobahn kaputt und steht einfach da, rostet vor sich hin. Stellen Sie sich nun Dutzende – dann Tausende – defekte Autos vor, die sich auf jeder Spur türmen und mit 27.000 km/h unterwegs sind. Genau das passiert in etwa im Orbit: über 5000 defekte Satelliten und Raketenteile rasen mit extremen Geschwindigkeiten um die Erde und bergen Kollisionsrisiken für funktionierende Satelliten, die GPS, Wettervorhersagen und sogar die Karten-App in Ihrem Smartphone antreiben.
Astroscale, ein privates japanisches Unternehmen, plant den Start seines ISSA-J1-Raumschiffs im Jahr 2027, um zwei außer Dienst gestellte Erdbeobachtungssatelliten aus der Nähe zu begutachten: ALOS (gestartet 2006) und ADEOS-II (2002). Beide sind vor Jahren ausgefallen, kreisen aber weiter wie schweigende, treibende Wracks.
So funktioniert die Untersuchung
Das ISSA-J1-Raumschiff wiegt etwa so viel wie ein Kleinwagen (650 kg) und ist mit hochauflösenden Kameras und Sensoren ausgestattet. Es wird die toten Satelliten nicht berühren – stattdessen nähert es sich langsam jedem, umkreist es vorsichtig und macht detaillierte Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln.
Dieses „Rendezvous and proximity operation“ ist vergleichbar mit einem Drohnenflug um ein gestrandetes Schiff auf See, um Schäden zu prüfen, ohne an Bord zu gehen. Ziel? Herausfinden, warum diese Satelliten ausgefallen sind und ob sie später sicher bewegt oder entfernt werden können.
Wichtige Schritte der Mission:
- Start 2027 in einen niedrigeren Orbit nahe ALOS (ca. 690 km Höhe)
- Allmähliche Annäherung an ALOS, Beobachtungen aus sicherer Entfernung
- Näher heran für detaillierte Aufnahmen über mehrere Tage
- Triebwerke zünden, um in den höheren Orbit von ADEOS-II aufzusteigen (ca. 800 km Höhe)
- Untersuchungsvorgang mit dem zweiten Satelliten wiederholen
Warum es nicht nur um altes Metall geht
Der Weltraum mag weit weg wirken, doch er beeinflusst den Alltag direkt. Ihre Wetter-App, Notfallalarme und sogar Finanztransaktionen hängen von Satelliten ab. Wenn Trümmer eine Kettenreaktion von Kollisionen auslösen – das sogenannte Kessler-Syndrom –, könnten ganze Satellitennetze für Jahrzehnte ausfallen.
Durch die Untersuchung toter Satelliten testet Astroscale Technologien für zukünftige „Weltraum-Abschlepper“, die Müll in sicherere Orbits lenken oder ihn komplett aus dem Orbit bringen könnten. Die japanische Regierung unterstützt das Vorhaben als Teil eines größeren Engagements für Nachhaltigkeit im Weltraum.
Was bedeutet das für normale Menschen?
Sicherere Himmel da oben bedeuten zuverlässigere Dienste hier unten – von präzisen Sturmwarnungen bis hin zu stabilem Internet in abgelegenen Gebieten. Diese Mission zeigt zudem, dass Weltraumreinigung nicht nur Sache der Regierungen ist; private Unternehmen können eine Schlüsselrolle spielen. Bei Erfolg könnte sie globale Standards setzen, wie Nationen orbitalen Müll bewältigen, bevor er zum unlösbaren Problem wird.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Astroscales ISSA-J1 wird die erste Mission sein, die mehrere tote Satelliten in unterschiedlichen Orbits untersucht.
- Die Ziele – ALOS und ADEOS-II – sind busgroße, nicht mehr funktionsfähige Satelliten, die weiter um die Erde kreisen.
- Nahaufnahmen helfen Ingenieuren, bessere Entsorgungssysteme zu entwickeln und zukünftige Weltraumstaus zu verhindern.
- Japan positioniert sich durch öffentlich-private Partnerschaften als Vorreiter in der Weltraumnachhaltigkeit.
- Erfolg könnte den Weg für Routinewartung und Trümmerbeseitigung von Satelliten in den 2030er-Jahren ebnen.
— Editorial Team