Erster Tanker durchbricht Blockade der Straße von Hormus: Was bedeutet das für die weltweiten Ölpreise?
Seit Beginn der amerikanischen Blockade ist erstmals wieder ein Öltanker durch die Straße von Hormus gesegelt – den engen Flaschenhals, über den ein Fünftel des weltweit per Schiff transportierten Öls fließt. Sollte es hier zu Staus kommen, könnten sich die Spritpreise innerhalb kürzester Zeit in die Höhe schießen.
Der pakistanische Tanker Shalamar hat 450.000 Barrel Öl aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geliefert und dabei die von den USA errichteten Hindernisse überwunden. Diese Meerenge zwischen dem Iran und Oman ist die Hauptader der globalen Energieversorgung; Störungen hier wirken sich sofort auf Tankstellen von New York bis Sydney aus. Warum betrifft das Sie, auch wenn Sie tausende Kilometer entfernt leben? Weil Öl das Blut der globalen Wirtschaft ist und jede Verletzung dieser Route schmerzhaft überall spürbar wird.
Warum diese Meerenge wichtiger ist, als man denkt?
Stellen Sie sich einen Gartenschlauch vor, der ein ganzes Viertel mit Wasser versorgt. Wenn man ihn abknickt, sinkt der Druck bei allen. So verhält es sich mit der Straße von Hormus: Durch diesen 30 Kilometer langen Abschnitt fließen 20 % des per Schiff transportierten Öls. Zum Vergleich: Der gesamte russische Ölexport liegt bei etwa 7 Millionen Barrel pro Tag, während früher bis zu 21 Millionen Barrel täglich durch die Meerenge strömten.
Im März verließen täglich 1,7 Millionen Barrel iranisches Öl diesen Weg. Jetzt ist dieser Strom fast zum Erliegen gekommen. Die USA haben am 12. April eine Blockade verhängt und angekündigt, Schiffe festzuhalten, die Abgaben an den Iran zahlen. Für die Ausfahrt aus dem Persischen Golf sind nun Genehmigungen sowohl aus Teheran als auch aus Washington erforderlich – ähnlich, als müssten Sie zwei Genehmigungen von feindseligen Nachbarn einholen, um eine Ladung aus Ihrem Hof zu bringen.
Diese beispiellose Anforderung lähmt die Logistik. Vor der Blockade passierten täglich 30 bis 40 Tanker die Meerenge, heute sind es nur noch wenige. Der Iran, der vor März 1,7 Millionen Barrel pro Tag exportierte, muss sein Öl nun in den Häfen halten. Für den Weltmarkt bedeutet dies so etwas wie das plötzliche Verschwinden mehrerer Ölfelder in der Größe Kanadas.
Wie wird die Blockade auf die Probe gestellt?
In der vergangenen Woche haben mehrere Tanker die Einschränkungen herausgefordert und versucht nachzuweisen, dass die Meerenge weiterhin für „sauberes“ Öl offen steht:
- 14. April: Drei Schiffe, die zuvor in iranischen Häfen lagen, durchquerten die Meerenge trotz der Blockadeankündigung
- 15. April: Der Tanker Agios Fanourios I, auf dem Weg in den Irak, meisterte die Passage nach einem gescheiterten Versuch am Wochenende
- 17. April: Auch die sanktionierten Tanker Alicia und RHN (von den USA der Beförderung iranischen Öls beschuldigt) gelangten hindurch
Doch diese Erfolge sind selten und unberechenbar. Der pakistanische Tanker Shalamar drehte zunächst am Sonntag nach dem Scheitern der Friedensgespräche ab, fuhr jedoch wenige Stunden später doch weiter zur Insel Das in den VAE.
Experten weisen darauf hin, dass sich selbst nicht-iranisches Öl derzeit nur schwerfällig bewegt. Die Anforderung einer doppelten Genehmigung schafft eine juristische Falle: Weigert sich der Iran, die Erlaubnis zu erteilen, können die USA das Schiff wegen fehlender US-Zustimmung festhalten, und umgekehrt. Versicherungsunternehmen haben die Prämien für Schiffe in dieser Region bereits erhöht, was die Ölpreise zusätzlich um 50 Cent pro Barrel treibt.
Was ist wichtig?
- Globale Verwundbarkeit: Jeder fünfte Barrel Öl weltweit ist von dieser 30 Kilometer langen Meerenge abhängig
- Preise unter Druck: Der Ausfall von 1,7 Millionen Barrel pro Tag entspricht dem Verlust der monatlichen Ölproduktion Norwegens
- Doppelte Genehmigungen – eine beispiellose Forderung, die die Logistik lähmt und Lieferzeiten verlängert
- Verhandlungen pausiert: Nach dem Scheitern des Treffens am 16. April hat sich die Lage verschärft, doch beide Seiten bleiben gesprächsbereit
- Öl aus den VAE mildert die Lage: Wie beim Fall Shalamar fließt weiterhin nicht-russisches Öl und dämpft so die Krise
Was bedeutet das für den Durchschnittsbürger? Solange die Spannungen in der Meerenge anhalten, könnten die Spritpreise in Europa und Asien in den kommenden Wochen um 5 bis 10 % steigen. Das trifft die Budgets von Autofahrern und treibt die Transportkosten in die Höhe – von Ihren Einkäufen im Supermarkt bis zur Pizza-Lieferung. Die gute Nachricht: Solange das Öl aus den VAE und Saudi-Arabien weiterfließt, bleibt ein vollständiger Krisenausbruch aus, doch jeder neue Vorfall in der Meerenge wird die Preise erneut ins Wanken bringen.
— Editorial Team