Bank of England wird Zins wohl halten, ebnet aber Weg für Erhöhung im September
Die Bank of England wird voraussichtlich am 18. Juni die Zinsen unverändert lassen, die Signale der Währungshüter werden jedoch hawkish ausfallen. TD Economics-Analysten glauben, dass die britische Zentralbank aufgrund der hohen Dienstleistungsinflation und des anhaltenden Lohnwachstums bereits im September mit Zinserhöhungen beginnen wird, falls der Energieschock weiterhin auf die Preise drückt.
'Aktive' Untätigkeit: Warum die Bank of England dem Markt 'Nein' sagt, aber einen Schock für den Herbst vorbereitet
Autor: Unabhängiger Finanzanalyst
Die Märkte haben bereits eingepreist, dass die Bank of England die Zinsen am 18. Juni bei 3,75 % belassen wird – keiner der 65 von Reuters befragten Ökonomen erwartet etwas anderes. Doch das eigentliche Drama verbirgt sich hinter diesem einhelligen Konsens. Der MPC ist gespalten, und zwar nicht nur in 'Falken vs. Tauben', sondern es gibt eine grundlegende Divergenz bei der Einschätzung, ob wir es mit einem temporären Energieschock oder einer strukturellen Verschiebung der Inflationserwartungen zu tun haben.
Ich werde aufschlüsseln, warum Andrew Bailey das Halten des Zinses als 'aktive' Entscheidung bezeichnet, was der Stimmungswandel wirklich verbirgt, und einen Einblick in den öffentlichen Sektor geben, der der Auslöser für eine Zinserhöhung im September sein könnte.
[Der Kern]: Was wirklich passiert
Die Bank of England ist in Unentschlossenheit erstarrt, aber ihre 'aktive Untätigkeit' ist bereits Politik. Bailey hat direkt erklärt, dass die Zentralbank die Politik 'substanziell gestrafft' habe, indem sie lediglich erwartete Zinssenkungen vom Tisch genommen habe. Vor dem Iran-Konflikt hatten Händler zwei Senkungen um jeweils 25 Basispunkte im Jahr 2026 eingepreist. Jetzt preisen sie stattdessen eine Erhöhung ein. Diese Änderung der Erwartungen hat die finanziellen Bedingungen mehr gestrafft als jede tatsächliche Zinserhöhung.
Dies ist der entscheidende Punkt, den die Nachrichten übersehen. Bailey verwendet den Begriff 'aktives Halten'. Das bedeutet, dass der MPC den Status quo nicht als passives Abwarten betrachtet, sondern als bewusste Wahl für eine Straffung, weil die Alternative eine Lockerung wäre. Mit anderen Worten: 'Nichts tun' ist unter den gegenwärtigen Bedingungen 'viel tun' im Vergleich zu dem, was ohne den Krieg gewesen wäre.
Die Zahlen bestätigen dies. Die Rendite 10-jähriger britischer Staatsanleihen ist auf Höchststände seit 2008 gesprungen, und die Renditen 2-jähriger Anleihen sind seit Beginn des Konflikts um 40-50 Basispunkte gestiegen. Die Hypothekenzinsen sind gestiegen, ohne auf die MPC-Entscheidung zu warten. Bailey sagt dem Markt im Wesentlichen: 'Wir rühren den Zins nicht an, aber ihr habt unsere Arbeit bereits für uns erledigt.'
Zeitplan und Kontext
Die Situation hat sich rasant entwickelt. Noch Ende April erwarteten die Märkte drei Zinserhöhungen im Jahr 2026. Dann gab Bailey in Reykjavik ein 'taubenhaftes' Signal, und die Erwartungen schrumpften auf nur eine Erhöhung. Jetzt, nach den Mai-Verbraucherpreisdaten (2,8 %, besser als die Prognose von 3,0 %) und CFO-Umfragen, bezweifeln einige am Markt, ob überhaupt Erhöhungen nötig sind.
| Datum | Ereignis | Schlüsselsignal |
|---|---|---|
| April 2026 | Energiepreisspitze aufgrund des Krieges | Markt preist 3 Zinserhöhungen bis Jahresende ein |
| 29. Mai 2026 | Bailey spricht in Reykjavik | 'Taubenhaftes' Signal: Zentralbank könnte vorübergehendes Überschießen der Inflation für die Wirtschaft tolerieren |
| Anfang Juni 2026 | Greene und Pill äußern Erhöhungsbedarf | Falkenhafte Tendenz innerhalb des MPC |
| 12. Juni 2026 | Reuters-Umfrage: alle 65 Ökonomen erwarten Zinshalt am 18. Juni | Einhelliger Konsens über die Maßnahme, Spaltung über die Rhetorik |
| 17. Juni 2026 | Mai-Verbraucherpreisdaten veröffentlicht (Prognose 3,0 %) | Letzter Schliff vor dem Treffen |
In diesem Kaleidoskop der Meinungen gibt es zwei stabile Kerne. Erstens Megan Greene, die kürzlich erklärte, dass 'die Argumente für eine Zinserhöhung stärker werden', je länger der Konflikt andauert. Zweitens Huw Pill, der bereits im April für eine Erhöhung um 25 Basispunkte gestimmt hat. Es wird erwartet, dass Greene sich Pill am 18. Juni anschließt, die übrigen acht MPC-Mitglieder jedoch den Status quo beibehalten.
Wer gewinnt und wer verliert
Gewinner:
Inhaber kurzfristiger britischer Staatsanleihen. Die Renditen 2-jähriger Anleihen sind im Gleichschritt mit den Zinserwartungen gestiegen. Anleger, die sich am kurzen Ende der Kurve positioniert haben, sichern Gewinne und erzielen Renditen von 4,0-4,2 %.
Banken mit hohen Nettozinsmargen. Barclays, Lloyds, NatWest – ihre Margen weiten sich, wenn die Zinsen steigen, selbst wenn der Zins formell nicht ändert, sondern nur die Erwartungen steigen. Hypotheken und Kredite sind an Swap-Sätze gebunden, die bereits gestiegen sind.
Hedgefonds, die auf GBP-Volatilität setzen. Meinungsverschiedenheiten innerhalb des MPC und die Unsicherheit über den Energieschock schaffen ideale Bedingungen für Optionsstrategien. Die GBP/USD-Volatilität ist seit Anfang Juni auf 8-9 % gestiegen.
Verlierer:
Kreditnehmer mit variablen Hypothekenzinsen. Selbst ohne Zinserhöhung der BoE sind die Swap-Sätze in die Höhe geschossen, und die Banken haben bereits die Zinsen für neue Hypotheken erhöht. Ein typischer zweijähriger Festzins ist in den letzten sechs Wochen von 4,5 % auf 5,2 % gestiegen.
Einzelhandelsketten und Konsumgüterunternehmen. Höhere Zinserwartungen bedeuten ein stärkeres Pfund (GBP ist seit Anfang Juni um 1,5 % gegenüber einem Währungskorb gestiegen), was Importe verbilligt, aber auf wirtschaftliche Schwäche hindeutet. Der UK Services PMI fiel im Mai auf 51,2 – den niedrigsten Stand seit November 2024.
Die Regierung von Keir Starmer. Hohe Anleiherenditen erhöhen die Kosten des Schuldendienstes. Jeder Anstieg der durchschnittlichen Rendite um einen Prozentpunkt erhöht die jährlichen Zinsaufwendungen um 20-25 Milliarden Pfund. Das bedeutet weniger Geld für versprochene Sozialprogramme.
Was die Medien nicht sagen
Einblick, der es nicht in die Schlagzeilen zu den Zinserwartungen geschafft hat:
Der Bank of England bereitet vor allem die Kluft zwischen den Löhnen im öffentlichen und privaten Sektor Sorgen. Bailey hat persönlich eingeräumt, dass dies 'einen Keil' in traditionelle Modelle treibt.
Seit Anfang 2025 sind die Löhne im öffentlichen Sektor im Jahresvergleich um 4,8 % gestiegen, während die Löhne im privaten Sektor nur um 3,0 % gewachsen sind. Dies ist die größte Kluft seit 2021. Historisch konzentrierte sich die BoE auf den privaten Sektor – er reagiert empfindlicher auf den Konjunkturzyklus und wirkt sich direkt auf die von Unternehmen festgesetzten Preise aus. Aber wenn der öffentliche Sektor, der etwa 17 % der gesamten britischen Beschäftigung ausmacht, aggressiv die Löhne erhöht, entstehen zwei Risiken.
Das erste ist direkt: Steuerzahler (sprich: Verbraucher) erhalten mehr Geld, von dem ein Teil in den Konsum fließt. Das zweite ist indirekt und gefährlicher: Der private Sektor beginnt, den Wettbewerb um Talente zu verlieren, und ist gezwungen, die Löhne zu erhöhen, um Mitarbeiter zu halten. Dies ist ein klassischer Spiraleneffekt, der die Inflation weiter anheizen könnte, selbst wenn die Energiepreise stabil bleiben.
Der Markt übersieht diesen Faktor völlig. Alle reden über den Energieschock, Hormus, den Nahen Osten. Aber wenn die Lohndaten für das dritte Quartal im September veröffentlicht werden und die Kluft bestehen bleibt, könnte Bailey, der jetzt wie eine 'Taube' aussieht, zum Handeln gezwungen sein. Deshalb schätze ich die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September nicht auf 40 %, sondern auf 55-60 %.
Prognose: Nächste 30 Tage und nächste 90 Tage
Nächste 30 Tage (bis Mitte Juli 2026):
Am 18. Juni wird der Zins bei 3,75 % bleiben, aber die Stimmen von Greene und Pill für eine Erhöhung werden im Protokoll vermerkt sein. Der Markt wird dies als Signal werten: 'Die Falken gewinnen an Gewicht.'
Der entscheidende Termin ist die Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls (zwei Wochen nach der Sitzung). Wenn darin ein Satz wie 'einige Mitglieder glauben, dass eine Straffung früher als erwartet erforderlich sein könnte' steht, wird das Pfund um 0,5-1,0 % zulegen, und die Renditen 2-jähriger Anleihen werden um 10-15 Basispunkte steigen.
Der Haupttreiber in den nächsten 30 Tagen ist nicht der Zins, sondern das Öl. Bleibt Brent über 90 $, werden die Inflationserwartungen weiter steigen, und eine Zinserhöhung im September wird zum Basisszenario.
Nächste 90 Tage (bis Mitte September 2026):
Die September-Sitzung (die erste nach der Sommerpause) wird entscheidend sein. Bis dahin wird die BoE Inflationsdaten für Juni und Juli sowie frische Lohnschätzungen haben.
Mein Basisszenario (60 % Wahrscheinlichkeit) ist eine Zinserhöhung auf 4,0 % im September. Gründe:
- Die Dienstleistungsinflation (derzeit bei etwa 4,3 %) wird hartnäckig hoch bleiben. Bailey hat bereits gesagt, dass der Energieschock beginnt, auf Dienstleistungen überzugreifen, und zwar durch Transport und Versorger.
- Die Lohnlücke zwischen öffentlichem und privatem Sektor wird sich nicht schließen. Im Gegenteil, die Gewerkschaften der Lehrer und Ärzte fordern bereits neue Erhöhungen.
- Die BoE wird handeln wollen, bevor sich die Lohn-Preis-Spirale beschleunigt, nicht danach.
Alternativszenario (30 % Wahrscheinlichkeit): Die Zinsen bleiben bis 2027 bei 3,75 %, wenn das Öl aufgrund von Frieden im Nahen Osten auf 70-75 $ fällt. Aber selbst dann bleibt das 'aktive Halten' bestehen: Bailey wird den Markt nicht entspannen lassen.
Was das für Vermögenswerte bedeutet:
- GBP/USD: Spanne 1,25-1,31 in den nächsten drei Monaten. Eine Zinserhöhung im September würde das Pfund am oberen Ende der Spanne stützen.
- FTSE 100: Schwache negative Korrelation. Grundsätzlich sind hohe Zinsen schlecht für den Index, da etwa 70 % der Gewinne der FTSE-100-Unternehmen im Ausland erzielt und in Pfund umgerechnet werden. Ein starkes Pfund = niedrigere ausgewiesene Gewinne.
- Langlaufende Staatsanleihen (10 Jahre): Die Renditen könnten bis September auf 4,6-4,8 % steigen, wenn der Markt eine Zinserhöhung einpreist. Der Rückgang der Kurse langlaufender Anleihen wird anhalten.
Redaktionsprognose
Vermögenswert: GBP/USD Richtung: moderater Anstieg in den nächsten 24-72 Stunden (vor der Sitzung am 18. Juni) aufgrund der Erwartung eines 'falkenhaften Haltens' Schlüsselniveaus: aktuell ~1,2780; Widerstand 1,2850 (Mai-Hoch), Unterstützung 1,2700 (50-Tage-Durchschnitt). Bei falkenhaften Signalen ist ein Ausbruch auf 1,2900 möglich Vertrauensniveau: mittel Hauptrisiko: Falls Bailey auf der Pressekonferenz am 18. Juni ein unerwartet 'taubenhaftes' Signal gibt (z. B. 'wir sehen keine Gründe für eine Erhöhung in absehbarer Zukunft'), könnte das Pfund innerhalb von Stunden auf 1,2650-1,2680 fallen. Ich schätze die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios auf 15-20 %, da Bailey seit Ende Mai konsequent an der Rhetorik des 'aktiven Haltens' festgehalten hat.
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— Editorial Team