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Fed verzögert Zinssenkungen, EZB bereitet Erhöhung wegen Öl vor

Der Anstieg der Energiepreise auf 106 Dollar pro Barrel zwang die Fed und die EZB zu unterschiedlichem Handeln: Die Fed machte eine Pause und wird wahrscheinlich die Zinssenkungen 2026 aufgeben, während die EZB bereits im Juni ihre Bereitschaft zu einer Zinserhöhung signalisiert, um die verfestigte Inflation zu bekämpfen. Dies schafft eine einzigartige Situation geldpolitischer Asynchronität, die die Volatilität an den globalen Märkten erhöht.

Fed wartet, EZB bereitet Schlag vor: Zinskrieg beginnt
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Fed verzögert Zinssenkungen, da Inflation durch teures Öl anzieht, während EZB sich auf Erhöhung vorbereitet

Der Anstieg der Energiepreise im Zuge des Krieges heizt die Inflation auf beiden Seiten des Atlantiks an. Die Märkte haben eine Zinssenkung der Fed im Jahr 2026 praktisch ausgeschlossen und die Erwartungen weiter nach hinten verschoben, während die Europäische Zentralbank im Gegenteil bereits im Juni die Zinsen anheben könnte, um die Preise zu bremsen.


Analyse: „180-Grad-Wende“ – Warum Fed und EZB in derselben Krise in entgegengesetzte Richtungen steuern

Zu Beginn des Jahres 2026 gingen die meisten Analysten von einem nahezu einhelligen Konsens aus: Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) würden einen Zinssenkungszyklus einleiten, um die schwächelnde Wirtschaft nach mehreren Jahren hoher Zinsen zu stützen. Der Krieg am Persischen Golf und die Blockade der Straße von Hormus haben diese Pläne zunichte gemacht. Der Sprung der Energiepreise auf 106 Dollar pro Barrel und mehr heizt die Inflation auf beiden Seiten des Atlantiks an, doch die Zentralbanken reagieren auf denselben Schock in diametral entgegengesetzter Weise. Die Märkte haben eine Zinssenkung der Fed im Jahr 2026 praktisch ausgeschlossen und die Erwartungen auf 2027 verschoben, während die EZB im Gegenteil bereits im Juni die Zinsen anheben könnte. Diese geldpolitische Asynchronität verspricht Währungskriege, divergierende Kapitalströme und eine noch stärkere Fragmentierung der Weltwirtschaft.

Ereignisse im Detail und Zeitplan

Vor dem Ausbruch des Krieges am Persischen Golf im März 2026 hatten die Märkte drei Zinssenkungen der Fed im Jahr 2026 eingepreist – jeweils 25 Basispunkte, die den Leitzins von aktuell 5,25–5,50 % bis Jahresende auf 4,50–4,75 % gesenkt hätten. Von der EZB, die sich auf ihrem Höchststand von 4,00 % befand (nach Erhöhungen von 2022–2025), wurde erwartet, dass sie in der zweiten Jahreshälfte mit einer allmählichen Lockerung beginnt.

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Der Krieg und die Blockade der Meerenge haben diese Berechnungen über den Haufen geworfen:

  • Ölschock, März–April 2026: Der Preis für Brent-Rohöl stieg von 75–80 auf über 106 Dollar pro Barrel. Dies wirkte sich sofort auf die Verbraucherpreise aus. Die US-Inflation, die im Februar auf 2,8 % gesunken war, schnellte im März auf 3,9 % und nach vorläufigen April-Daten auf 4,5–5,0 % hoch. Im Euroraum, wo die Wirtschaft energieintensiver ist (insbesondere in Deutschland und Italien), schoss die Inflation innerhalb eines Monats von 2,4 % auf 4,2 %.
  • Fed-Erklärung (April): Auf ihrer April-Sitzung verabschiedete das FOMC (Federal Open Market Committee) eine „hawkish pause“. Die Sprache änderte sich von „wir sehen Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation“ zu „die Inflationsrisiken bleiben erhöht, wir werden handeln, wie es die Umstände erfordern“. Die Märkte passten ihre Erwartungen sofort an: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung auf der Juni-Sitzung fiel von 70 % auf 5 %. Das nächste „Zeitfenster“ ist November–Dezember, aber selbst das ist unsicher.
  • Signal der EZB (Ende April): EZB-Präsidentin Christine Lagarde ließ in einem Interview mit der Financial Times durchblicken, dass „wenn die Inflationserwartungen über dem 2%-Ziel verankert sind, der EZB-Rat alle Instrumente in Betracht ziehen wird, einschließlich weiterer Zinserhöhungen“. Dies war der erste Hinweis auf eine „dovish reversal“ (eigentlich eine Umkehr zurück zu einer restriktiven Politik) seit Jahresbeginn. Analysten von Barclays und Deutsche Bank diskutieren ernsthaft über eine Erhöhung um 25 Basispunkte auf 4,25 % im Juni.

Auswirkungen und Bedeutung

Für die Weltwirtschaft: Eine divergierende Geldpolitik der beiden größten Zentralbanken der Welt ist selten. Normalerweise bewegen sie sich mit einer Verzögerung von 3–6 Monaten im Gleichschritt. Jetzt ist die Fed eingefroren (weder rauf noch runter), während die EZB eine Erhöhung vorbereitet. Das bedeutet, dass der US-Dollar gegenüber dem Euro schwächer werden sollte (ceteris paribus), da die Euro-Renditen steigen und Kapital anziehen. In Wirklichkeit wird der Dollar jedoch wahrscheinlich aufgrund von „Flucht in sichere Anlagen“ (die USA gelten in Krisen als sicherer Hafen) stärker werden. Es entsteht eine komplexe und widersprüchliche Dynamik.

Für die Finanzmärkte: Technologieaktien (sehr zinsempfindlich) werden doppelt getroffen. In den USA bleiben die Zinsen hoch, was die Bewertungen unter Druck hält. In Europa schaden steigende Zinsen den ohnehin schwachen europäischen Technologiegiganten (ASML, SAP, Spotify). Die Aktienindizes zeigen eine erhöhte Volatilität: Der S&P 500 schwankt zwischen 4800 und 5200 Punkten, der Euro Stoxx 50 zwischen 4200 und 4600.

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Für Verbraucher und Unternehmen: Hohe Zinsen in den USA bedeuten, dass Hypotheken (bei 6,5–7,5 %) und Autokredite für die Mittelschicht unerschwinglich bleiben. In Europa wird eine weitere Erhöhung die Rezession verschärfen, insbesondere im verarbeitenden Gewerbe (Deutschland, Polen, Tschechien). Europäische Unternehmen, die bereits mit teurer Energie zu kämpfen haben, bekommen nun auch teure Kredite – eine tödliche Kombination.

Reaktionen der wichtigsten Akteure

  • US-Notenbank: Ein wachsender Riss innerhalb des Ausschusses. Die „Tauben“-Gruppe, angeführt von Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee, argumentiert, dass der Ölschock vorübergehend sei (ein Angebotsschock) und ignoriert werden sollte, sonst töte die Fed die Wirtschaft. Die „Falken“ (Minneapolis-Fed-Präsident Neel Kashkari) bestehen darauf, dass Sekundäreffekte (Lohnwachstum, Inflationserwartungen) bereits ausgelöst wurden und Zinserhöhungen unvermeidlich sind. Derzeit neigt sich die Waage zu einer „Pause“ ohne Erhöhung, aber auch ohne Senkung.
  • EZB: Die Lage ist komplexer. Südeuropa (Italien, Spanien, Griechenland) lehnt eine Erhöhung entschieden ab – die Schuldenlast ist hoch, und hohe Zinsen würden eine Staatsanleihenkrise auslösen. Nordeuropa (Deutschland, Niederlande, Finnland) unterstützt die „falkenhafte“ Haltung aus Angst vor unkontrollierter Inflation. Lagarde sucht wie üblich einen Kompromiss, aber die Zeit läuft davon: Die Inflationserwartungen in Deutschland haben für fünf Jahre bereits die 3 % überschritten.
  • Märkte und Investoren: Hedgefonds shorten aktiv langfristige US- und europäische Anleihen (die Zinsen werden steigen, die Anleihekurse fallen). Das Währungspaar EUR/USD handelt in einer breiten Spanne von 1,05–1,10, abwechselnd unter Druck durch einen starken Euro (aufgrund erwarteter EZB-Erhöhungen) und einen starken Dollar (als sicherer Hafen).

Prognose und Schlussfolgerungen

Wir stehen vor einem beispiellosen geldpolitischen Experiment. Zwei Zentralbanken betrachten denselben Schock und sehen unterschiedliche Bedrohungen.

Prognose für Q2–Q3 2026:

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  • Fed wird den Leitzins mindestens bis September bei 5,25–5,50 % belassen. Eine Zinssenkung im Jahr 2026 steht nicht zur Debatte. Nur eine tiefe Rezession (Arbeitslosigkeit über 5 %) könnte die Fed zum Umdenken bewegen.
  • EZB wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 % die Zinsen im Juni um 25 Basispunkte anheben. Sollte die Inflation im Euroraum im Mai 4,5 % übersteigen, wird die Erhöhung erfolgen. Damit wäre die EZB die einzige große Zentralbank der entwickelten Welt, die während eines Krieges und eines wirtschaftlichen Abschwungs die Zinsen anhebt – praktisch „geldpolitischer Selbstmord“, aber aus Sicht der EZB „Bekämpfung der verfestigten Inflation“.
  • Märkte werden turbulent bleiben. Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen wird auf 4,8–5,0 % steigen, die der deutschen Bundesanleihen auf 2,8–3,0 %.

Fazit: Die politischen Entscheidungsträger sitzen in der Falle und haben keinen sauberen Ausweg. Wenn sie nicht auf den Ölschock reagieren, gerät die Inflation außer Kontrolle. Wenn sie reagieren (Zinsen erhöhen), zerstören sie eine ohnehin fragile Wirtschaft. Die Fed hat eine „Abwarten-und-Teetrinken“-Haltung gewählt und riskiert, zu spät zu kommen, falls sich die Inflation als hartnäckig erweist. Die EZB bereitet eine Erhöhung vor und riskiert eine doppelte Rezession (Abschwung + hohe Zinsen). Für Anleger bleibt nur, sich auf hohe Volatilität vorzubereiten und Zuflucht in kurzfristigen Anleihen, Gold und Rohstoffwährungen (CAD, AUD) zu suchen. Die Ära des billigen Geldes ist nicht nur vorbei – die Ära der hohen Zinsen wird dauerhaft.

— Editorial Team

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