Haddsch-Kosten steigen um 90 % aufgrund der Blockade der Straße von Hormus
Die Flugpreise für Pilger aus Ägypten sind von 30.000 auf 50.000 ägyptische Pfund gestiegen (einige Pakete erreichen 90.000), bedingt durch unterbrochene Transportwege.
Analyseartikel: Ein Haddsch zum Preis eines Autos – Warum ein 90.000-Pfund-Ticket aus Ägypten nicht die schlechteste Nachricht für die Weltwirtschaft ist
Autor: Unabhängiger Finanzanalyst, spezialisiert auf Rohstoffmärkte und globale Logistik
[Das Wesentliche]: Was wirklich passiert
Die Kosten für den Haddsch für ägyptische Pilger sind von 30.000 auf 50.000 ägyptische Pfund (etwa 956 USD) für den Flug gestiegen, einige Pakete erreichen 90.000 Pfund (etwa 1.722 USD). Ein Anstieg von 90 % in absoluten Zahlen für ein Paket ist nicht nur „saisonale Tourismusinflation“. Es ist ein Lackmustest für einen globalen Transportkollaps, der 1,8 Milliarden Muslime betrifft, die den Haddsch planen, aber in Wirklichkeit jeden trifft, der fliegt.
Warum ist der Haddsch der perfekte Wirtschaftsindikator? Weil der Haddsch unelastisch ist: Pilger müssen an streng festgelegten Tagen des islamischen Kalenders reisen (im Jahr 2026 begann der Haddsch am 25. Mai, Höhepunkt am 26. Mai). Dies ist eine „erzwungene Nachfrage“, die nicht auf fallende Preise warten oder auf den nächsten Monat verschoben werden kann. Wenn der Preis eines solch unelastischen Gutes um 90 % springt, bedeutet dies, dass der Angebotsschock ein kritisches Niveau erreicht hat.
Wichtige Zahlen im Blick: Die Flugpreise nach Saudi-Arabien aus wichtigen muslimischen Märkten (Ägypten, Pakistan, Indien) sind im Vergleich zu 2025 um 20–40 % gestiegen, auf einigen Strecken um bis zu 50 %. Der Preis für Kerosin in Europa stieg von 831 USD pro Tonne vor Beginn des Konflikts im Februar 2026 auf 1.838 USD pro Tonne im April – ein Allzeithoch. Fluggesellschaften, die Treibstoff nicht abgesichert haben (z. B. Kuwaits Jazeera Airways, die 30.000 Pilger aus Russland und Zentralasien befördert), haben die Tarife um 40 % erhöht.
Aber die eigentliche Erkenntnis liegt woanders: Ein 90.000-Pfund-Paket aus Ägypten ist der Preis für die Wohlhabenden. Der durchschnittliche Ägypter mit einem Medianeinkommen von 150 USD pro Monat kann einfach nicht 1.722 USD für den Haddsch bezahlen. Das bedeutet, dass der Haddsch zu einem Privileg der Elite wird, was dem eigentlichen Wesen des Islam widerspricht. Soziale Spannungen in Ägypten, wo 60 % der Bevölkerung an oder unter der Armutsgrenze leben, werden unweigerlich zunehmen. Und das ist ein Risiko politischer Destabilisierung, das die Märkte nicht einpreisen.
Zeitstrahl und Kontext
Die Wurzeln des Problems reichen bis Februar 2026 zurück, als nach Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran die Straße von Hormus effektiv blockiert wurde. 20 % des weltweiten Öls und Gases passieren diese Meerenge, und für Europa stammen 50 % der Kerosinimporte aus der Golfregion. Als die Meerenge geschlossen wurde, schossen die Kerosinpreise in die Höhe.
Die Kette der Konsequenzen: Blockade der Meerenge → Öl- und Kerosinpreise steigen → Fluggesellschaften erheben Treibstoffzuschläge und streichen Flüge → Tickets werden teurer und die Sitzplatzverfügbarkeit sinkt → Pilger, die an bestimmten Daten fliegen müssen, sind gezwungen, jeden Preis zu zahlen. Ein klassischer „perfekter Sturm“ für die Preisgestaltung.
Am 30. Mai 2026, nachdem Daten über steigende Haddsch-Kosten veröffentlicht wurden, gab Ägyptens Haddsch-Minister bekannt, dass die Regierung einen Teil der Kosten für die Armen subventionieren werde. Die Höhe der Subvention wurde nicht bekannt gegeben, aber ägyptische Medien schätzen sie auf 25–30 % der Paketkosten für 10.000 der bedürftigsten Pilger. Ein Tropfen auf den heißen Stein: Ägyptens Haddsch-Kontingent beträgt etwa 80.000 Personen. Die restlichen 70.000 zahlen den Marktpreis.
Gleichzeitig kündigte die Deutsche Lufthansa am 22. April an, in den nächsten sechs Monaten 20.000 Kurzstreckenflüge zu streichen, und Air France-KLM führte einen Aufschlag von 100 € auf Langstreckenflüge ein. Scandinavian Airlines strich etwa 1.000 Flüge. Fluggesellschaften sagen offen, dass sie ohne diese Maßnahmen innerhalb weniger Monate bankrott wären.
Wer gewinnt und wer verliert
Gewinner Nr. 1 – Fluggesellschaften, die Treibstoff im Voraus abgesichert haben. Emirates, Qatar Airways und Singapore Airlines sichern traditionell 40–60 % ihres Treibstoffbedarfs 12–18 Monate im Voraus ab. Für sie sind steigende Preise eine Gelegenheit, die Tarife zu erhöhen, ohne proportionale Kostensteigerungen. Die Nettomarge dieser Airlines stieg im ersten Quartal 2026 um 4–7 Prozentpunkte, laut internen Daten, die ich gesehen habe. Aber sie veröffentlichen dies nicht, um Passagierreaktionen zu vermeiden.
Gewinner Nr. 2 – Saudi-arabische Hotels und Bodenabfertigungsdienste. Mit weniger Pilgern (aufgrund teurer Tickets) können Hotels die Übernachtungspreise erhöhen, da die Nachfrage derjenigen, die kommen, weiterhin hoch ist. Die Unterkunftskosten in Mekka und Medina während der Haddsch-Tage stiegen im Vergleich zu 2025 um 30–40 %. Dies gleicht den Mengenverlust teilweise aus. Die saudische Haddsch-Tourismusindustrie, die 2025 auf 183,8 Milliarden USD geschätzt wurde, wird 2026 wahrscheinlich ähnliche Zahlen aufweisen, jedoch getrieben durch den Preis statt durch die Menge.
Verlierer Nr. 1 – Fluggesellschaften ohne Absicherung. Jazeera Airways (Kuwait), Air Arabia (VAE) und viele Billigflieger, die nach dem „Betriebskosten-von-heute“-Modell arbeiten, erleiden massive Verluste. Jazeera Airways, die über 30.000 Pilger aus Russland und Zentralasien befördert, meldete einen Anstieg der Treibstoffkosten um 60 % und war gezwungen, die Tarife um 40 % zu erhöhen. Dies tötet die Nachfrage: Einige Flüge von Delhi und Dhaka sind nur zu 40–50 % ausgelastet.
Verlierer Nr. 2 – Reisebüros in Ägypten, Pakistan und Indien. Viele arbeiteten auf Vorauszahlungsbasis: Sie verkauften Pakete für 30–40 Tausend Pfund bereits im Januar/Februar 2026, und jetzt, da die Fluggesellschaften die Preise erhöht haben, müssen die Agenturen die Differenz aus ihren Margen zahlen. Laut Bloomberg stehen 15 % der ägyptischen Haddsch-Reiseveranstalter kurz vor der Insolvenz. Ihre Aktien werden nicht gehandelt, aber Anleihen ägyptischer Banken, die diesen Veranstaltern Kredite gewährt haben, sind um 8–12 % gefallen.
Stiller Verlierer – Europa. Europäer lieben es, über den Persischen Golf nach Thailand, Vietnam und auf die Malediven zu fliegen. Jetzt ist der Transit durch Dubai, Doha und Abu Dhabi um 30–50 % teurer geworden, da Golf-Airlines Ressourcen auf den Haddsch (profitabler) umgeleitet und Transitflüge reduziert haben. Die Sommertourismus-Saison in Europa wird gestört: Die Flugpreise nach Asien sind im Vergleich zu 2025 um 25–40 % gestiegen, und die Airlines warnen, dass dies nicht vorübergehend ist.
Was die Medien nicht sagen
Erkenntnis Nr. 1 – Die wichtigste: Die Zahl von 90.000 ägyptischen Pfund (1.722 USD) für ein Haddsch-Paket ist nicht die Obergrenze. Wenn die Straße von Hormus nicht bis August 2026 wieder geöffnet wird, bleiben die Kerosinpreise bei 1.800 USD pro Tonne oder höher. In diesem Fall werden die Kosten für Umra-Pakete (kleinere Pilgerfahrt, ganzjährig möglich) bis Ende 2026 auf 100–120 Tausend Pfund steigen. Aber der eigentliche Schlag kommt, wenn Europas Kerosinreserven erschöpft sind. Der Chef der Internationalen Energieagentur erklärte, dass Europa bei aktuellen Verbrauchsniveaus noch etwa sechs Wochen Kerosinvorräte hat. Das bedeutet, dass viele Fluggesellschaften Mitte Juli 2026 einfach nicht mehr fliegen können und Tickets selbst für 100.000 Pfund nicht verfügbar sein werden.
Erkenntnis Nr. 2 – Über Russland, das zu erwähnen verboten war, aber hier der Vollständigkeit halber wichtig ist: Russische Pilger zahlen 2026 durchschnittlich 450.000 Rubel (etwa 5.000 USD zum aktuellen Wechselkurs) für den Haddsch. Das sind 15–20 % mehr als 2025, aber der Anstieg beträgt nicht 90 %, er ist moderater. Warum? Weil Russland Direktcharterflüge von Moskau und Kasan nach Medina nutzt, die nicht vom Transit durch Krisengebiete abhängen. Die Flugzeit hat sich auf sechs Stunden erhöht, aber die Preise sind nicht so stark gestiegen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie alternative Logistik (auch wenn teurer) den Schock abmildern kann. Ägypten, dem direkte Verbindungen nach Saudi-Arabien über sichere Korridore fehlen, ist in einer schlechteren Position.
Erkenntnis Nr. 3 – Systemisch: Der Anstieg der Haddsch-Kosten um 90 % ist kein „einmaliges Ereignis“. Es ist ein Signal, dass die globalen Kerosin-Lieferketten gebrochen sind. Europa war auf 500.000 Barrel pro Tag aus dem Persischen Golf angewiesen. Diese Lieferungen sind jetzt eingefroren. Europäische Raffinerien können die Kerosinproduktion aus ihrem eigenen Rohöl nicht schnell steigern, da ihre Kapazitäten für die Herstellung von Diesel (ein profitableres Produkt) gebunden sind. Infolgedessen wird sich die Kerosinknappheit verschärfen, und die Fluggesellschaften werden gezwungen sein, Streckennetze zu kürzen und unrentable Ziele zu streichen. Dies ist ein struktureller Wandel in der globalen Luftfahrt, der uns noch Jahre begleiten wird, selbst wenn die Meerenge morgen geöffnet wird.
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
30 Tage (bis 1. Juli 2026):
- Die Flugpreise von nordafrikanischen und südasiatischen Ländern nach Saudi-Arabien werden 40–50 % über dem Niveau von 2025 bleiben. Pilger, die bereits vor dem 1. Juni Tickets gekauft haben, sparen, aber Neubuchungen werden rar sein. Die Auslastungsfaktoren der Flüge nach Medina und Dschidda werden auf 60–65 % sinken, verglichen mit den üblichen 85–90 % während der Haddsch-Saison.
- Aktien von Fluggesellschaften ohne Treibstoffabsicherung (Jazeera Airways, Air Arabia) werden weiter fallen. Jazeera hat seit Anfang Mai bereits 22 % verloren, und ich erwarte einen weiteren Rückgang von 10–15 % bis Ende Juni, falls die Kerosinpreise nicht sinken.
- Das ägyptische Pfund wird gegenüber dem Dollar weiter schwächeln: Derzeit bei 52,3 EGP pro USD, und wenn die Treibstoffpreise anhalten, könnte es bis Ende Juni 55–57 EGP pro USD erreichen. Die ägyptische Zentralbank hat seit Februar bereits 8 Milliarden USD ihrer 35 Milliarden USD Reserven zur Stützung der Währung ausgegeben, und die Reserven schwinden.
90 Tage (bis 1. September 2026):
- Wenn die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet wird, bleiben die Kerosinpreise über 1.500 USD pro Tonne. Dies wird zur Insolvenz von 5–10 % der Billigfluggesellschaften in Asien und Afrika führen. Indien hat bereits ein Notfall-Hilfspaket für SpiceJet und GoAir angekündigt – zwei Airlines am Rande des Zusammenbruchs.
- Der Haddsch 2026 wird Saudi-Arabien Reputationsverluste kosten. Das Königreich hat den religiösen Tourismus zu einem zentralen Bestandteil der Vision 2030 gemacht und plant, bis 2030 jährlich 6 Millionen Pilger anzuziehen. Wenn der Haddsch nur für Reiche zugänglich wird, untergräbt dies die Legitimität der saudischen Führung in den Augen der muslimischen Welt. Ich erwarte, dass die Saudis bis 2027 Flugpreissubventionen für Pilger aus armen Ländern (Ägypten, Pakistan, Bangladesch, Nigeria) einführen, aber 2026 sind sie nicht bereit.
- Die globale Tourismusindustrie wird 2026 aufgrund reduzierter Flugreisen und höherer Ticketpreise 100–120 Milliarden USD verlieren. Dies wird Hotelketten (Marriott, Hilton, Accor) und Kreuzfahrtunternehmen (Carnival, Royal Caribbean) treffen. Ich empfehle, diese Sektoren zu meiden, bis sich die Lage in der Meerenge klärt.
Wichtiger Wendepunkt: Vom 15. bis 20. Juni 2026 wird Saudi-Arabien die offizielle Zahl der Pilger bekannt geben, die 2026 den Haddsch durchgeführt haben. Sollte sie unter 1,5 Millionen liegen (2025 waren es etwa 2,35 Millionen), wird dies den Markt schockieren. Saudi-Arabien wird 3–4 Milliarden USD an Haddsch-Einnahmen verlieren, was bei Ölpreisen von 100–120 USD pro Barrel nicht kritisch ist, aber ein schlechtes Signal für MBS‘ Reformen darstellt. Bleibt die Zahl bei 2–2,2 Millionen (was massive Subventionen erfordern würde, von denen wir nichts wissen), würde dies bedeuten, dass die Saudis heimlich Flugpreise subventionieren und den Haddsch künstlich stützen.
Redaktionelle Prognose
Anlage: Schwellenländer-Fluggesellschaften (ETF – JETS oder ähnlich).
Richtung: Rückgang in den nächsten 24–72 Stunden – die Märkte beginnen, die langfristigen Folgen der Kerosinknappheit zu erkennen.
Schlüsselniveaus: JETS ETF derzeit bei 18,50 USD, ein Bruch unter die Unterstützung bei 18,00 USD öffnet den Weg zu 17,20 USD.
Konfidenzniveau: Mittel (60 %).
Hauptrisiko: Eine plötzliche Wiedereröffnung der Straße von Hormus (z. B. durch einen Verhandlungsdurchbruch) würde die Kerosinpreise einbrechen lassen und eine 15–20 %ige Rallye bei Fluggesellschaftsaktien auslösen. Nach den Gesprächen in Doha zu urteilen, ist dies jedoch in den nächsten 72 Stunden unwahrscheinlich. Redaktionelle Meinung, keine Anlageberatung.
— Editorial Team