Zentralbank Russlands reicht Klage vor EU-Gericht gegen Rückzahlung der Ukraine-Schulden aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten ein
Die Bank von Russland hat vor dem Gerichtshof der Europäischen Union Klage eingereicht, um den Rechtsakt für rechtswidrig erklären zu lassen, der es der Ukraine erlaubt, ein europäisches Darlehen mit eingefrorenen russischen Vermögenswerten zurückzuzahlen.
„CBR-Klage vor EU-Gericht: Theater des Absurden oder Vorbereitung auf einen großen Tausch?“
„Das Wesentliche“: Was wirklich passiert
Formell hat die Bank von Russland am 22. Mai 2026 vor dem Gericht der Europäischen Union in Luxemburg Klage gegen die Verordnung Nr. 2026/467 des Europäischen Parlaments vom 24. Februar 2026 eingereicht. Angefochten wird der Mechanismus, durch den die Rückzahlung eines 90-Milliarden-Euro-Darlehens an die Ukraine mit eingefrorenen russischen Vermögenswerten erfolgen kann. Klingt das nach einem Akt der Verzweiflung? Nicht ganz.
Eine nicht offensichtliche Erkenntnis: Dies ist bereits die zweite Klage der CBR vor einem europäischen Gericht innerhalb von zwei Monaten. Die erste, im März eingereichte, richtete sich gegen das unbefristete Einfrieren von Vermögenswerten gemäß der EU-Ratsverordnung vom Dezember 2025. Diese Klage wurde von Anwälten als „offensichtlich zum Scheitern verurteilt“ bezeichnet und ist noch nicht geprüft worden. Nun geht die CBR in die zweite Runde. Warum? Die Antwort liegt in einem parallelen Verfahren: Am 15. Mai 2026 gab das Moskauer Schiedsgericht der Klage der CBR gegen Euroclear in Höhe von 200 Milliarden Euro statt. Die Entscheidung ist gefallen, aber in Europa nicht vollstreckbar. Dies ist die Vorbereitung auf einen zukünftigen Tausch.
Zeitplan und Kontext
Wichtige Daten, über die die Schlagzeilen schweigen:
- Dezember 2025 — Der EU-Rat beschließt, russische Staatsvermögen unbefristet einzufrieren. Die CBR reicht im März 2026 ihre erste Klage ein.
- 24. Februar 2026 — Die Verordnung Nr. 2026/467 wird verabschiedet, die einen Mechanismus für ein 90-Milliarden-Euro-Darlehen an die Ukraine mit einer „Garantie“ durch künftige Reparationen schafft.
- 15. Mai 2026 — Das Moskauer Schiedsgericht spricht der CBR 200 Milliarden Euro von Euroclear zu.
- 22. Mai 2026 — Die CBR reicht eine zweite Klage in Luxemburg ein, die sich speziell gegen die Februar-Verordnung richtet.
- Stand Ende März 2026 — Bei Euroclear sind 200 Milliarden Euro an russischen Vermögenswerten eingefroren.
Insgesamt hat der Westen etwa 590 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten Russlands und anderer Länder eingefroren, erklärte Schoigu am 14. Mai.
Wer gewinnt und wer verliert
Direkte Verlierer heute — Inhaber von Long-Positionen in russischen Eurobonds. Die Nachricht von der Klage rettete die Kurse nicht: Die Rendite der Russland-Anleihe 2043 (ISIN XS0194085566) stieg am 25. Mai am OTC-Markt um weitere 50 Basispunkte auf 24,3 %. Der Markt versteht: Der Rechtsstreit wird sich über Jahre hinziehen.
Versteckte Gewinner — Anwaltskanzleien. Die Klage der CBR wird gemäß Artikel 263 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU eingereicht. Die Bearbeitung eines solchen Falles in Luxemburg dauert im Durchschnitt 18 Monate allein für Verfahrensfragen. Die Rechnung für Rechtsdienstleistungen für die CBR hat bereits 15 Millionen US-Dollar überschritten – Geld, das europäische Anwälte aus denselben eingefrorenen Vermögenswerten erhalten werden. Ironie des Schicksals.
Auch Euroclear gewinnt kurzfristig. Das Moskauer Gericht sprach 200 Milliarden Euro gegen sie zu, aber diese Entscheidung ist nicht vollstreckbar. Die belgische Verwahrstelle bezeichnete die Entscheidung öffentlich als „unfair“ und überweist weiterhin ruhig Einkünfte aus eingefrorenen Vermögenswerten nach Kiew. Im ersten Quartal 2026 beliefen sich die Zinserträge auf 1,1 Milliarden Euro. Dieses Geld fließt tatsächlich ab.
Was die Medien nicht sagen
Die wichtigste unausgesprochene Tatsache: Das Luxemburger Gericht wird die Klage der CBR höchstwahrscheinlich bereits in einem frühen Stadium für unzulässig erklären. Es gibt bereits einen Präzedenzfall – frühere russische Klagen gegen EU-Sanktionen wurden aus Verfahrensgründen abgewiesen, da Russland kein EU-Mitglied ist. Die CBR ist sich dessen vollkommen bewusst. Die Klage ist also kein Versuch zu gewinnen; sie dient der Sicherung einer Verhandlungsposition.
Zweiter Punkt: Parallel zur Klage in Luxemburg bereitet die CBR den Boden für die Anerkennung russischer Gerichtsentscheidungen auf internationaler Ebene durch die Mechanismen des BIT (bilateraler Investitionsschutzvertrag zwischen der UdSSR und Belgien/Luxemburg von 1989) vor. Der belgische Premierminister Bart De Wever hat öffentlich eingeräumt, dass dieser Vertrag „finanzielle Risiken“ für sein Land schafft. Es ist dieser Riss, den die CBR nun erweitert.
Drittens: 200 Milliarden Euro bei Euroclear sind nur Staatsvermögen der CBR. In Verwahrstellen wie Clearstream und anderen europäischen Drehscheiben werden auch zig Milliarden an Vermögenswerten privater russischer Anleger gehalten. Sie sind formell nicht durch Immunität geschützt. Ihr Schicksal ist der stillste und schmerzhafteste Handlungsstrang, der totgeschwiegen wird.
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
30 Tage. Das Luxemburger Gericht wird im Juni eine Entscheidung über die Zulässigkeit der Klage verkünden. Die Wahrscheinlichkeit einer Annahme zur Prüfung liegt unter 10 %. Dies wird eine Welle von „Sell on the News“ bei russischen Eurobonds auslösen. Die Rendite der Russland-Anleihe 2043 könnte 27 % übersteigen. Parallel dazu wird Euroclear weiterhin Einkünfte an die Ukraine überweisen – die nächste Tranche wird Ende Juni erwartet, etwa 350 Millionen Euro. Als Vergeltungsmaßnahme wird die CBR die Liste der sanktionierten europäischen Verwahrstellen erweitern, die keine Gelder von russischen Vermögenswerten abziehen können (gemeint sind gesperrte Konten vom Typ „C“).
90 Tage. Bis September wird sich die Richtung des großen Tausches abzeichnen. Das hinter den Kulissen diskutierte Modell: Russland hebt das Verbot des Kapitalabflusses für europäische Investoren auf (derzeit sind etwa 25 Milliarden Euro ihrer Vermögenswerte auf Konten vom Typ „C“ eingefroren) im Austausch gegen die Freigabe von 50–60 Milliarden Euro russischer Staatsvermögen. Die verbleibenden 140–150 Milliarden Euro bleiben als Sicherheit für das Darlehen an die Ukraine – und werden faktisch abgeschrieben. Dies ist ein inoffizielles Eingeständnis des Verlustes. Aber niemand wird dies öffentlich sagen.
Redaktionelle Prognose
Anlage: Russische Eurobonds (Russland-2043, ISIN XS0194085566).
Richtung: Moderater Rückgang in den nächsten 24–72 Stunden nach Veröffentlichung der Gerichtsentscheidungen zur Zulässigkeit der Klage.
Schlüsselniveaus: Aktuelle Rendite von 24,3 % könnte bei negativer Verarbeitung auf 25,5–26 % steigen. Kursziel – 42–44 US-Dollar pro 100 US-Dollar Nennwert.
Vertrauensniveau: Mittel (45 % für Rückgang, 30 % für Seitwärtsbewegung, 25 % für leichte Erholung, wenn die Veröffentlichung der Entscheidung verzögert wird).
Hauptrisiko: Eine plötzliche Erklärung der Europäischen Kommission über die Bereitschaft zu Verhandlungen über eine teilweise Freigabe – in diesem Fall könnte die Rendite an einem Tag auf 21 % einbrechen und die Short-Prognose vollständig zunichtemachen.
— Editorial Team