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Anstieg der russischen Indizes: Warum es eine Falle ist, keine Umkehr

Der Moscow Exchange Index stieg auf 2690 Punkte aufgrund geopolitischer Hoffnungen und Ölpreisen über 107 USD. Analysten charakterisieren dies als technischen Bounce bei extrem geringen Volumina und warnen vor einem hohen Risiko einer Bullenmarkt-Falle für Privatanleger. Ein Rückgang wird prognostiziert, wenn keine echten Bestätigungen des Verhandlungsprozesses vorliegen.

Anstieg des Moscow Exchange Index – eine technische Falle für Privatanleger
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Russische Indizes steigen aufgrund geopolitischer Hoffnungen und Öl über 100 Dollar

Der MOEX-Index stieg auf 2.690 Punkte, getrieben von Hoffnungen auf eine Entspannung der geopolitischen Spannungen und Brent-Preisen über 107 Dollar pro Barrel.


Analytische Notiz

Thema: Der Anstieg der russischen Indizes – warum es eine Falle ist, keine Trendwende

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Datum: 13. Mai 2026

Autor: Unabhängiger Analyst

Das Wesentliche: Was wirklich passiert

Der MOEX-Index stieg auf 2.690 Punkte. Auf den ersten Blick ist es eine lang erwartete Erholung nach neun Wochen kontinuierlichem Rückgang. Die Realität: Wir erleben eine klassische technische Erholung bei extrem niedrigen Volumina von rund 30 Milliarden Rubel, wobei die meisten institutionellen Akteure nach den Maiferien noch abwesend sind. Dies ist ein Geistermarkt. Der Anstieg ist nicht auf Massenkäufe zurückzuführen, sondern darauf, dass Verkäufer, die vor dem langen Wochenende Verluste realisierten, vorübergehend verschwunden sind. Andrey Zatsepin von Alor Broker bringt es auf den Punkt: Die gestrige Bewegung sollte nicht als aussagekräftig betrachtet werden.

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Die entscheidende nicht offensichtliche Erkenntnis: Der geopolitische Optimismus, der die Erholung antreibt, basiert ausschließlich auf der Interpretation einer Aussage des russischen Präsidenten über das „bevorstehende Ende des Ukraine-Konflikts“ und Gerüchten über mögliche EU-Verhandlungen. Aber genau diese Rhetorik verdaut der Markt seit 2023, mit dem gleichen Ergebnis: ein Anstieg von 3-5 %, dann eine Rückkehr zu den ursprünglichen Niveaus, wenn keine konkreten Details auftauchen. Alexander Timofeev von F-Broker stellt fest, dass solche Bewegungen „eher Spekulation in einem sehr dünnen Markt sind als Signale für einen Übergang in eine andere Phase.“

Zeitstrahl und Kontext

Am 7.-8. Mai 2026, vor den Maiferien in Russland, brach der Markt in die Unterstützungszone von 2.590-2.610 Punkten im MOEX-Index ein. Die Gründe waren dreifach: der hohe Leitzins der Zentralbank Russlands, schwache wirtschaftliche Dynamik und ein völliges Fehlen sichtbarer Perspektiven für eine Lösung des Ukraine-Konflikts. Investoren wechselten in defensive Instrumente, vor allem Anleihen, und sicherten sich Renditen, die mit Dividendenrenditen von Aktien nicht erreichbar waren.

Am 9. Mai machte der russische Präsident eine Aussage über das bevorstehende Ende des Konflikts. Dies löste einen Short Squeeze aus, da Spekulanten die vor den Feiertagen aufgebauten Short-Positionen schlossen. Shorts wurden aggressiv gedeckt, was eine Illusion von Nachfrage erzeugte. Gleichzeitig tauschten der Iran und die USA eine weitere Runde „inakzeptabler“ Vorschläge für eine friedliche Lösung aus, was Brent über 107 Dollar pro Barrel trieb.

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Am 12.-13. Mai kehrte der Markt zum Handel zurück. Der MOEX-Index stieg auf 2.690 Punkte, aber die Volumina bleiben niedrig. Die wichtigste Widerstandszone liegt im Bereich 2.690-2.715 Punkte, und Experten von BCS World of Investments warnen bereits vor dem Risiko eines Rücksetzers von diesem Niveau.

Wer gewinnt und wer verliert

Gewinner:

Kurzzeitspekulanten, die es geschafft haben, Short-Positionen bei der Erholung zu schließen. Halter von Ölwerten erhalten eine temporäre Prämie durch Brent-Preise über 105 Dollar. Auch der russische Haushalt profitiert: Bei aktuellen Rohstoffpreisen und einem schwachen Rubel werden Deviseneinnahmen zu einem günstigen Kurs umgerechnet und füllen die Reserven.

Verlierer:

Investoren, die die aktuelle Erholung für eine Trendwende halten und Long-Positionen aufstocken. Das Risiko, in eine Bullenfalle zu tappen, ist kritisch hoch. Besonders gefährdet sind Halter von Stahlaktien und Gazprom – sie führten die Erholung an, aber diese Wertpapiere gehören fundamental zu den schwächsten. Ihre Erholung ist das Ergebnis extremer Überverkauftheit, nicht verbesserter Geschäftsaussichten.

Eine separate Kategorie von Verlierern: Privatanleger, die den Schlagzeilen der Medien folgen. Der Indexanstieg wird als „Optimismus“ und „Hoffnungen auf Verhandlungen“ dargestellt, während professionelle Manager gleichzeitig sagen: „Wir bleiben pessimistisch gegenüber dem heimischen Aktienmarkt und glauben, dass neue Investitionsmittel in Anleihen gelenkt werden sollten.“

Was die Medien nicht sagen

Erstens: Die Erholung des MOEX-Index begann nicht bei 2.690, sondern bei der kritischen Unterstützung von 2.600, deren Bruch eine technische Katastrophe bedeutet hätte. Der Markt erholte sich nicht, weil er attraktiv wurde, sondern weil ein weiterer Rückgang gefährlich für die gesamte Infrastruktur gewesen wäre. Margin Calls, kaskadenartige Positionsschließungen, Brokerprobleme – das ist das wahre Bild, das diese Erholung verhindert hat.

Zweitens: Der Iran-Faktor als Treiber der Ölpreise ist unzuverlässig. Die IEA hat ihre globale Ölnachfrageprognose für 2026 bereits um 1,3 Millionen Barrel pro Tag aufgrund der Blockade der Straße von Hormus gesenkt. Das bedeutet, dass teures Öl nicht das Ergebnis von Nachfragewachstum ist, sondern eines Angebotsschocks. Angebotsschocks lösen sich historisch gesehen mit starken Preisrückgängen auf, sobald eine politische Lösung gefunden wird. Goldman Sachs prognostiziert eine mögliche Aktualisierung der historischen Höchststände von Brent auf 150 Dollar, aber das ist ein Szenario eines verlängerten Krieges, nicht der Basisfall.

Drittens: Der Leitzins der Zentralbank Russlands ist nicht verschwunden. Analysten von Veles Capital sagen direkt: Der Mai könnte unter Abwärtsdruck stehen, da die Hoffnungen auf aggressive Zinssenkungen verloren gegangen sind. Bei ihrer letzten Sitzung hat die Zentralbank dem Markt eine „kalte Dusche“ verpasst, und jetzt erwartet niemand mehr eine schnelle Lockerung. Hohe Geldkosten drücken die Unternehmensgewinne und damit das Wachstumspotenzial der Aktien.

Viertens: Der Rubel könnte sich weiter aufwerten. Das Paar Yuan-Rubel hat eine mehrjährige Seitwärtsrange nach unten durchbrochen, mit einem technischen Ziel von rund 10 Rubel pro Yuan. Der Dollar könnte auf 70 Rubel fallen. Für Exporteure, deren Aktien an der MOEX gehandelt werden, bedeutet dies einen Druck auf die Rubel-Einnahmen und Margen.

Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage

30 Tage (bis Mitte Juni 2026):

Der MOEX-Index wird sich nicht über 2.715 Punkten halten können. Die Widerstandsspanne von 2.690-2.715 wird getestet, aber nicht durchbrochen. Nach einem gescheiterten Angriff beginnt ein Rücksetzer auf 2.600-2.620. Das Hauptrisiko ist das Fehlen echter Fortschritte bei der geopolitischen Lösung. Wenn im Mai keine konkreten Dokumente oder offiziellen Aussagen über den Beginn von Verhandlungen erscheinen, wird der Markt umkehren.

Brent-Öl bleibt in der Spanne von 100-110 Dollar. Der Trump-Xi-Gipfel in Peking am 13.-14. Mai könnte einen vorübergehenden Abwärtsimpuls geben, wenn gemeinsame Anstrengungen zur Deeskalation mit dem Iran angekündigt werden. Die Wahrscheinlichkeit von bahnbrechenden Abkommen ist jedoch gering.

Der Rubel wird sich angesichts eines Zustroms von Deviseneinnahmen aus teurem Öl und einer schwachen Nachfrage nach Devisen von Importeuren weiter aufwerten. Das Ziel liegt kurzfristig bei 73-74 Rubel pro Dollar, mit einer möglichen Bewegung auf 70.

90 Tage (bis Mitte August 2026):

Der Moment der Wahrheit kommt. Wenn sich die geopolitische Situation nicht verbessert, kehrt der russische Aktienmarkt auf die Niveaus von Anfang Mai oder darunter zurück. Experten prognostizieren eine Abschwächung des Rubels in der zweiten Jahreshälfte auf die Spanne von 80-85 pro Dollar, was Exporteure teilweise stützen wird, aber das insgesamt negative Umfeld nicht kompensiert.

Ein nicht offensichtliches Szenario: Wenn der Konflikt mit dem Iran gelöst wird, könnte Öl bis Jahresende unter 90 Dollar pro Barrel fallen, wie vom US-Energieministerium prognostiziert. Für den russischen Markt wäre dies eine Katastrophe, da die Ölprämie gleichzeitig verschwinden und die fundamentalen Probleme offengelegt würden: hohe Zinsen, schwache Inlandsnachfrage, fehlender Zugang zu internationalen Kapitalmärkten.

Ein separates Risiko: die Rückkehr groß angelegter Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran. In diesem Szenario würde Brent auf 130-150 Dollar steigen, was die russischen Indizes kurzzeitig stützen würde, aber Risiken einer globalen Rezession und einer neuen Welle von Volatilität auf allen Märkten schafft.

Abschließendes Fazit: Der aktuelle Anstieg des MOEX-Index ist nicht der Beginn eines Bullenmarktes, sondern eine technische Pause in einem Bärentrend. Institutionelle Anleger verstehen dies und stocken ihre Positionen nicht auf. Ein Privatanleger, der jetzt in der Hoffnung auf einen geopolitischen Durchbruch kauft, spielt russisches Roulette mit einer Kammer, die von der Geschichte der letzten drei Jahre geladen ist – in der jede erwartungsgetriebene Erholung in einem neuen Tief endete. Bis eiserne Bestätigungen des Verhandlungsprozesses auftauchen, bleibt die Empfehlung dieselbe: Anleihen, defensive Vermögenswerte, minimale Aktien.

— Editorial Team

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