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Benralizumab bei eosinophiler Ösophagitis: EMA-Zulassung 2026

Im Juni 2026 hat die EMA Benralizumab (Fasenra) zur Behandlung der eosinophilen Ösophagitis auf Basis der Phase-3-MESSINA-Studie zugelassen. Obwohl das Medikament bei 87 % der Patienten die eosinophile Infiltration beseitigt, wurde keine klinisch signifikante Reduktion der Dysphagie erreicht. Der Artikel analysiert NEJM-Daten, vergleicht Benralizumab mit Dupilumab und zeigt Mechanismen der Symptompersistenz aufgrund anhaltender Epithelschädigung auf.

Benralizumab (Fasenra) für EoE zugelassen: Analyse von NEJM und klinischen Realitäten
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Europäische Kommission genehmigt weltweit erstes Medikament gegen eosinophile Ösophagitis

Biologikum EB-0215 (Benralizumab) erhält EMA-Zulassung für einmal monatliche subkutane Verabreichung. Das Medikament reduziert die eosinophilen Granulozyten in der Speiseröhre um 90 % und lindert Schluckbeschwerden bei Patienten, die nicht auf Protonenpumpenhemmer ansprechen.


Analyseartikel: Benralizumab-Zulassung für EoE – Ein Sieg, den niemand erwartet hat (außer Vermarktern)

[Das Wesentliche]: Was wirklich passiert

Die Nachricht von der EMA-Zulassung von Benralizumab (Fasenra) für eosinophile Ösophagitis klingt nach einem weiteren Biotech-Triumph. Aber in der Branche weiß jeder: Diese Zulassung ist bestenfalls eine Zweitlinientherapie und schlimmstenfalls ein kommerzielles Glücksspiel. Die dieser Entscheidung zugrunde liegenden Daten bestätigen dies.

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Schauen wir uns die Quelle an. Die Phase-3-Studie MESSINA (NCT04543409), veröffentlicht im New England Journal of Medicine am 27. Juni 2024, lieferte Ergebnisse, die in Pressemitteilungen selten zitiert werden. Ja, beim histologischen Ansprechen (≤6 Eosinophile pro Gesichtsfeld bei starker Vergrößerung) übertraf Benralizumab Placebo: 87,4 % vs. 6,5 %, ein Unterschied von 80,8 Prozentpunkten. Aber beim primären klinischen Endpunkt – Reduktion der Dysphagie gemessen mit dem DSQ – betrug der Unterschied zwischen den Gruppen nur 3,0 Punkte (95 %-KI -1,4 bis 7,4) und erreichte keine statistische Signifikanz (p=0,18).

Mit anderen Worten: Die Patienten waren in der Biopsie nicht mehr „eosinophil“, litten aber weiterhin unter denselben Schluckbeschwerden.

Warum hat die EMA es trotzdem zugelassen? Weil die Regulierungsbehörden in Europa bei Surrogatendpunkten für seltene Krankheiten nachsichtiger sind. Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung, die unbehandelt zu Ösophagusstrikturen und Nahrungsimpaktionen führt. Ein Medikament, das zuverlässig die eosinophile Infiltration beseitigt, auch wenn es die Symptome nicht vollständig behebt, ist besser als nichts.

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Aber die eigentliche Geschichte ist eine andere. Die eigentliche Geschichte ist, dass AstraZeneca eine Zulassung für eine Indikation erhalten hat, in der ihr Medikament objektiv schlechter abschneidet als der Konkurrent – Dupilumab (Dupixent) von Regeneron/Sanofi. Dupilumab, 2022 von der FDA für EoE zugelassen, zeigte in Phase 3 nicht nur ein histologisches, sondern auch ein klinisches Ansprechen (Dysphagiereduktion von 21–24 Punkten vs. 9–11 unter Placebo). Benralizumab ist ein „eosinopenisches“ Medikament für Patienten, deren Entzündung rein eosinophil ist. Aber bei einem erheblichen Anteil der EoE-Patienten spielen andere Zellen eine Schlüsselrolle – Mastzellen, Basophile, Th2-Lymphozyten. Und Dupilumab, das IL-4 und IL-13 blockiert, trifft ein breiteres Spektrum.

Zeitstrahl und Kontext

Die eosinophile Ösophagitis ist eine relativ „junge“ Krankheit. Erstmals in den 1990er Jahren beschrieben, wurde sie erst in den 2000er Jahren als eigenständige nosologische Einheit anerkannt. In den letzten 10 Jahren ist die Prävalenz um 7–10 % pro Jahr gestiegen – teils aufgrund verbesserter Diagnostik, teils aufgrund tatsächlichen Wachstums.

Kurzer Zeitstrahl der EoE-Therapie:

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  • 2018: Budesonid (Jorveza) in Europa zugelassen – eine orale Dispersible Tablette. Wirksam, erfordert jedoch tägliche Einnahme und birgt Risiken einer lokalen Immunsuppression.
  • 2022: Dupilumab von der FDA zugelassen – das erste Biologikum für EoE, das sowohl histologisches als auch klinisches Ansprechen zeigte.
  • 2024 (Februar): Budesonid (Eohilia) von der FDA für Patienten ab 11 Jahren zugelassen.
  • 2024 (Juni): Phase-3-Ergebnisse MESSINA für Benralizumab im NEJM veröffentlicht – histologischer Erfolg bei klinischem Versagen.
  • 2025–2026: Zusätzliche Analysen und retrospektive Kohortenstudien bestätigen, dass bei einigen Patienten die Dysphagie trotz Eosinophilen-Eradikation bestehen bleibt.
  • Juni 2026 (aktuelle Nachricht): EMA erteilt offiziell die Zulassung für Benralizumab bei EoE.

Der Marktkontext ist wichtig: Der globale Markt für EoE-Medikamente wurde 2025 auf etwa 901 Millionen US-Dollar geschätzt und soll bis 2036 bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 12,9 % auf 3,5 Milliarden US-Dollar wachsen. Der Wachstumstreiber ist der Wechsel von topischen Steroiden zu Biologika. Aber Benralizumab betritt diesen Markt mit einem schweren Handicap: Seine Wirksamkeit in der klinischen Praxis wird wahrscheinlich geringer sein als die von Dupilumab.

Wer gewinnt und wer verliert

AstraZeneca gewinnt. Das Unternehmen erhält Exklusivität für die Indikation in Europa. Selbst wenn Benralizumab nur Zweitlinie ist, sind das zusätzliche 50–100 Millionen US-Dollar Jahresumsatz bei minimalen zusätzlichen F&E-Investitionen (die MESSINA-Studie ist bereits abgeschlossen). Wichtiger noch: EoE ist eine „Generalprobe“ für den größeren Markt des hypereosinophilen Syndroms (HES), bei dem Benralizumab bereits beeindruckende Ergebnisse gezeigt hat (90 % der Patienten erreichten eine Reduktion der Eosinophilen um 50 % oder mehr). Der Erfolg bei EoE schafft einen Präzedenzfall für Zulassungen bei anderen eosinophilen Magen-Darm-Erkrankungen.

Patienten mit EoE, die nicht auf Dupilumab angesprochen haben, gewinnen. Das sind etwa 20–30 %. Für sie bietet Benralizumab eine Alternative mit einem anderen Wirkmechanismus. Zudem könnte das einmal monatliche Dosierungsschema (vs. alle zwei Wochen bei Dupilumab) für manche Patienten bequemer sein.

Regeneron/Sanofi verlieren. Nicht direkt, aber indirekt. Dupilumab bleibt das Mittel der Wahl, aber jetzt hat es einen Konkurrenten im Biologika-Segment. Dies könnte die Preisgestaltung einschränken: Wenn AstraZeneca mit einem 15–20 % niedrigeren Preis auf den Markt kommt, könnten Versicherer verlangen, dass zuerst Benralizumab ausprobiert wird, bevor Dupilumab verschrieben wird.

Entwickler anderer IL-5-Inhibitoren für EoE – Mepolizumab (GSK) und Reslizumab (Teva) – verlieren. Benralizumab unterscheidet sich im Mechanismus: Es blockiert nicht nur IL-5, sondern bindet an den IL-5Rα-Rezeptor und rekrutiert NK-Zellen, um Eosinophile durch antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC) zu zerstören. In der Praxis führt dies zu einer schnelleren und vollständigeren Eosinophilen-Depletion. Wenn Benralizumab jedoch die Symptome nicht beseitigt, wird Mepolizumab wahrscheinlich auch keinen Erfolg haben – sie teilen denselben Signalweg. Somit schließt AstraZeneca die Nische für alle IL-5-Inhibitoren bei EoE.

Topische Steroide (Budesonid) verlieren indirekt. Biologika erobern allmählich Marktanteile. Bis 2032 sollen Biologika 35–40 % des EoE-Marktes ausmachen. Benralizumab beschleunigt diesen Trend, selbst als zweitwirksamstes Mittel.

Was die Medien nicht sagen

Erkenntnis Eins: Benralizumab heilt keine Epithelschäden – hier ist der Grund.

Eine Studie von Pyne et al., veröffentlicht im Juli 2025 in einer Pathologiezeitschrift, beleuchtet einen Schlüsselmechanismus. Forscher der University of Utah untersuchten Ösophagusbiopsien von 11 EoE-Patienten nach Benralizumab-Behandlung. Ja, die Eosinophilen verschwanden (p<0,01). Aber histologische Anzeichen von Epithelschäden – Basalzellhyperplasie und erweiterte Interzellularräume – blieben auf einem Niveau bestehen, das bei aktiver EoE zu sehen ist.

Die Transkriptomanalyse zeigte, dass Patienten unter Benralizumab die Expression von Genen beibehielten, die mit aktiver EoE assoziiert sind: POSTN (Periostin, ein Marker für Gewebeumbau), CCL26 (Eotaxin-3, ein potenter Eosinophilen-Chemoattraktor), CDH26 (Cadherin-26, beteiligt an der Eosinophilen-Adhäsion). Gleichzeitig war die Expression von DSG1 (Desmoglein-1, ein Zell-Zell-Verbindungsprotein) reduziert.

Aus dem wissenschaftlichen Jargon übersetzt: Eosinophile sind Soldaten, die auf dem Schlachtfeld ankommen. Benralizumab entfernt die Soldaten, aber das Schlachtfeld (geschädigtes Epithel) bleibt bestehen. Aktivierte Mastzellen und Th2-Lymphozyten sezernieren weiterhin Zytokine, die Entzündung und Symptome aufrechterhalten. Der Patient fühlt Dysphagie nicht, weil Eosinophile die Speiseröhre verbrennen, sondern weil die epitheliale Barrierefunktion beeinträchtigt ist – sie ist „undicht“ geworden, und jeder Nahrungsreiz löst Schmerz und Krampf aus.

Erkenntnis Zwei: Die EMA-Zulassung ist eine „Besser als nichts“-Entscheidung – hier ist der Grund, warum die Regulierungsbehörde zugestimmt hat.

Warum hat die EMA keine neue Studie mit einem klinischen Endpunkt verlangt? Weil EoE eine seltene Krankheit ist. 200–300 Patienten für eine Phase-3-Studie zu rekrutieren, ist bereits eine Meisterleistung. Eine weitere Phase 3 mit einem überarbeiteten Design zu fordern, würde bedeuten, die Zulassung um 3–4 Jahre zu verzögern. In dieser Zeit würden einige Patienten mit schwerer EoE (20–30 % aller Patienten) zu Fibrose und Strikturen fortschreiten – irreversible Zustände, die endoskopische Dilatationen erfordern.

Die EMA argumentierte: Das Medikament ist sicher (in MESSINA keine Studienabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse; UE-Raten 64 % vs. 62 % unter Placebo), es beseitigt zuverlässig den histologischen Marker, und das ist besser als nichts. Aber „besser als nichts“ ist kein Kompliment. Es ist ein Eingeständnis, dass die Regulierungsbehörde die Messlatte aufgrund des Status der seltenen Krankheit gesenkt hat.

Erkenntnis Drei: Der eigentliche „Kampf um die Speiseröhre“ wird nicht zwischen Biologika stattfinden, sondern zwischen Biologika und topischen Steroiden mit verbesserter Verabreichung.

Jeder diskutiert über Dupilumab vs. Benralizumab, vergisst aber einen dritten Spieler – eine neue Generation topischer Steroide mit verlängerter Freisetzung. APT-1011 von Ellodi Pharmaceuticals (FDA Fast Track) und EP-104GI sind Suspensionen, die die Speiseröhre mit einem dünnen Film überziehen und lokal ohne systemische Absorption wirken. Ihre Vorteile sind der Preis (100–200 US-Dollar pro Monat vs. 3.000–5.000 US-Dollar für Biologika) und das Sicherheitsprofil (Immunsuppression nur lokal).

Wenn diese Medikamente in Phase 3 eine mit Dupilumab vergleichbare Wirksamkeit zeigen, werden Versicherer sagen: „Biologika nur nach Steroidversagen.“ Dann wird der Biologika-Markt für EoE viel kleiner sein, als Optimisten vorhersagen.

Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage

Nächste 30 Tage:

Erwarten Sie eine offizielle Ankündigung zum Preis von Benralizumab für EoE in Europa. Derzeit wird es in EU-Ländern für schweres eosinophiles Asthma für etwa 1.800–2.200 € pro Injektion (eine Injektion pro Monat) verkauft. Für EoE wird der Preis wahrscheinlich ähnlich sein – etwa 20.000–25.000 € pro Jahr. Das ist deutlich günstiger als Dupilumab (35.000–40.000 € pro Jahr), was ein Argument für nationale Gesundheitssysteme sein könnte.

Ebenfalls innerhalb der nächsten 30 Tage werden klinische Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Gastroenterologie (UEG) veröffentlicht, die den Stellenwert von Benralizumab im Behandlungsalgorithmus definieren. Meine Prognose: Zweitlinie nach Dupilumab oder bei Dupilumab-Unverträglichkeit. Nicht Erstlinie. Dies ist wichtig für Umsatzprognosen – Zweitlinie erfasst etwa 30–40 % des Marktes statt 60–70 %.

Nächste 90 Tage:

Das Schlüsselereignis ist die Veröffentlichung der Ergebnisse einer Post-Marketing-Studie, die die EMA wahrscheinlich als Bedingung für die Zulassung gefordert hat. Die Studie wird mindestens 200 Patienten umfassen, die 12 Monate lang beobachtet werden, mit einem primären Endpunkt nicht des histologischen Ansprechens, sondern einer klinisch bedeutsamen Reduktion der Dysphagie (DSQ-Verbesserung ≥10 Punkte). Wenn diese Daten positiv sind (was ich aufgrund des Mechanismus bezweifle), könnte Benralizumab zur Erstlinie aufgewertet werden. Wenn negativ, wird seine Anwendung auf die enge Nische der „Patienten mit rein eosinophiler Entzündung ohne Epithelschaden“ beschränkt sein.

Ebenfalls im 90-Tage-Horizont: ein FDA-Treffen zu einem ähnlichen Antrag von AstraZeneca für die USA. Die FDA ist strenger bei Surrogatendpunkten als die EMA. Ich schätze die Chancen einer US-Zulassung auf 50–60 %. Wenn die FDA ablehnt, wäre das ein schwerer Schlag für die kommerziellen Aussichten von Benralizumab bei EoE (der US-Markt macht etwa 72 % des globalen EoE-Marktes aus).

Und schließlich: Beobachten Sie die Daten zu Lirentelimab (AK002) von Allakos. Dieses Medikament, das den Siglec-8-Rezeptor auf Eosinophilen und Mastzellen blockiert, war ein „aufstrebender Stern“, scheiterte jedoch 2024 in Phase 3 aufgrund derselben Diskrepanz zwischen histologischem und klinischem Ansprechen. Nach dem Scheitern entließ Allakos 50 % seiner Belegschaft und ersetzte seinen CEO. Benralizumab droht ein ähnliches Schicksal, wenn Post-Marketing-Daten keinen klinischen Nutzen zeigen. Dies ist kein theoretisches Risiko – es ist eine Geschichte, die sich bereits bei seinem direkten Konkurrenten ereignet hat.

Haftungsausschluss: Die Analyse basiert auf Daten aus NEJM, Nature Biomedical Engineering, Marktberichten und klinischen Studienregistern. Prognosen geben die Meinung des Autors wieder, basierend auf 10 Jahren Erfahrung in der Analyse des Biologika-Marktes.

— Editorial Team

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