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Europäische Aktienindizes schlossen im Minus: Inflation und EZB-Zinsen

Europäische Aktienindizes schlossen im Minus aufgrund von Ängsten vor steigender Inflation und Straffung der EZB-Politik. Stoxx 600 fiel um 0,57 %, und der spanische Erzeugerpreisindex erreichte 8,3 % – der höchste Stand seit Dezember 2022. Der Artikel analysiert strukturelle Risiken einer Stagflation, Auswirkungen auf einzelne Sektoren und liefert eine 30- und 90-Tage-Prognose.

Warum fielen die europäischen Indizes? Inflation, EZB und Zinsen
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Europäische Aktienindizes schließen aufgrund von Inflationsängsten im Minus

Der Stoxx Europe 600 fiel um 0,57 %, da die Optimismus über eine Einigung zwischen den USA und dem Iran nachlässt. Anleger befürchten, dass steigende Ölpreise die Inflation anheizen und die Zentralbanken zu einer Straffung der Geldpolitik zwingen. Der spanische Erzeugerpreisindex (PPI) verzeichnete den größten Anstieg seit Dezember 2022.


Europa verliert doppelt: Inflation kehrt zurück, Zinsen steigen bei fallendem Markt

Sie haben die Schlagzeilen gesehen: Der Stoxx Europe 600 fiel um 0,57 %, der spanische PPI stieg auf 8,3 % – der höchste Stand seit Dezember 2022. Die Medien schreiben über „Inflationsängste aufgrund von Öl“. Das stimmt, ist aber nur ein Teil der Geschichte. Europas eigentliches Problem ist eine strukturelle Falle ohne einfachen Ausweg, und sie hat sich in den letzten 48 Stunden verschlimmert.

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[Der Kern]: Was wirklich passiert

Eine nicht offensichtliche Erkenntnis, die in den Nachrichten fehlt: Die europäischen Märkte fallen nicht wegen der Inflation selbst, sondern weil die Europäische Zentralbank (EZB) in die Enge getrieben ist und gezwungen sein wird, die Zinsen in einer sich verlangsamenden Wirtschaft zu erhöhen – ein klassisches Stagflationsszenario, das Anleger seit den 1970er Jahren vergessen hatten.

Am 26. Mai veröffentlichte BNP Paribas eine Prognose: Die EZB wird die Zinsen im Jahr 2026 zweimal um jeweils 25 Basispunkte erhöhen und den Einlagensatz von derzeit 2,0 % auf 2,50 % anheben. Die Rendite deutscher 10-jähriger Anleihen (Bunds) wird bis Jahresende auf 3,35 % steigen – 30 Basispunkte über dem aktuellen Niveau. Und am 20. Mai senkte die Europäische Kommission ihre EU-BIP-Wachstumsprognose auf 1,1 % (von 1,4 %) und erhöhte ihre Inflationsprognose auf 3,1 % (von 2,1 %).

Also: Die Inflation steigt, die Wirtschaft verlangsamt sich, und die EZB bereitet sich auf eine Straffung der Geldpolitik vor. Das ist der schlechteste Cocktail für Aktien. Und der Markt beginnt erst jetzt, dies zu realisieren.

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Zeitplan und Kontext

7. Mai – EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel warnt, dass ein Energieschock eine geldpolitische Straffung erforderlich machen könnte, da Haushalte und Unternehmen ihre Inflationserwartungen anheben.

14. Mai – Die Europäische Kommission veröffentlicht ihre Frühjahrsprognose: EU-Wachstum auf 1,1 % gesenkt, Inflation auf 3,1 % gestiegen.

15. Mai – Analysten sind gespalten: Die Hälfte erwartet zwei EZB-Zinserhöhungen bis Jahresende.

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21. Mai – Optimismus über eine Einigung zwischen den USA und dem Iran drückt den Ölpreis, die europäischen Märkte steigen.

24.-25. Mai – Die USA greifen iranische Boote an, Gespräche werden eingefroren, Öl steigt wieder.

26. Mai – Der spanische PPI für April liegt bei 8,3 % – das ist kein Tippfehler. Im März lag er bei 3,1 %. Der Anstieg ist ausschließlich auf Mineralölerzeugnisse und Grundchemikalien zurückzuführen.

26. Mai, Handel – Stoxx 600 fällt um 0,57 % auf 628,01 Punkte. DAX -0,8 %, CAC 40 -1,0 %, FTSE MIB -0,6 %, IBEX 35 -0,5 %. Ausnahme: Der britische FTSE 100 (+0,2 %) holt den Feiertag vom Montag auf.

Wer gewinnt und wer verliert

Gewinner Nr. 1 – TotalEnergies. Der französische Ölkonzern stieg in einem fallenden Markt um 0,7 %. Grund: Der Nettogewinn im ersten Quartal wuchs um 29 % auf 5,4 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen verdoppelte seinen Aktienrückkauf im zweiten Quartal auf 1,5 Milliarden US-Dollar. Im Gegensatz zu BP, dessen Vorsitzender aufgrund von Verstößen gegen die Unternehmensführung seinen Posten verlor (BP-Aktien fielen um 4 %), hält sich TotalEnergies.

Gewinner Nr. 2 – Londoner Bergbauunternehmen. Antofagasta +3,7 %, Glencore +2,9 %, Anglo American +2 %, Rio Tinto +0,3 %. Steigende Metallpreise bei Inflationserwartungen kommen den Bergbauunternehmen direkt zugute. Der FTSE 100 liegt genau aufgrund seiner Rohstoffausrichtung im positiven Bereich.

Verlierer Nr. 1 – Luxusgüterhersteller. Hermès -3,3 %, Kering -3,1 %, LVMH -1,8 %, Pernod Ricard -1,9 %. Werden wohlhabende Käufer inflationssensibel? Nein. Das Problem ist China: Die Luxusindustrie ist kritisch von chinesischen Verbrauchern abhängig, und die chinesische Wirtschaft verlangsamt sich, zudem belasten geopolitische Risiken die Stimmung.

Verlierer Nr. 2 – Ferrari. Die Aktien stürzten um 8,4 % ab – der größte Tagesverlust seit Oktober 2025. Die Enthüllung des ersten Elektroautos, des Luce, enttäuschte die Anleger. Im Kontext von Inflation und hohen Zinsen sind teure Elektroautos das Letzte, was Käufer wollen.

Verlierer Nr. 3 – Jeder Inhaber langlaufender Anleihen. BNP Paribas prognostiziert Bund-Renditen von 3,35 % bis Jahresende. Bei aktuellen Renditen von rund 3,0 % bedeutet dies, dass die Anleihekurse in den kommenden Monaten um 2-3 % fallen werden. Und wenn die Inflation anzieht, werden die Verluste größer sein.

Was die Medien nicht sagen

Die wichtigste Auslassung: Der Markt preist immer noch keine dritte Runde von EZB-Zinserhöhungen ein.

Schnabel sagte am 7. Mai unverblümt: Die Erinnerungen an die hohe Inflation in den Jahren 2021-2022 sind noch frisch, daher wird der Schock schneller übertragen. François Villeroy de Galhau, Chef der Bank von Frankreich, sagte am 26. Mai: Die Regulierungsbehörde werde „ohne Zögern handeln, um die Inflation einzudämmen“.

Die aktuellen Marktpreise implizieren zwei Erhöhungen bis Jahresende. Aber wenn der spanische PPI (8,3 %!) keine Anomalie, sondern ein Vorbote ist, könnte die EZB drei Schritte gehen. Ein Einlagensatz von 2,75 % bis Dezember 2026 ist ein Szenario, das die europäischen Aktien im dritten Quartal um weitere 5-7 % fallen lassen würde.

Und das Zweite, was nicht diskutiert wird: Italiens FTSE MIB auf Rekordhöhen ist kein Zeichen wirtschaftlicher Stärke, sondern eine Schieflage hin zu Energie und Verteidigung. Am 6. Mai erreichte der Index ein 26-Jahres-Hoch und durchbrach die 50.000-Punkte-Marke. Aber die Rallye wurde von nur drei Unternehmen angetrieben: Eni (Öl), Leonardo (Verteidigung) und Enel (Versorger). Der Rest des Marktes stagniert. Dies ist kein diversifiziertes Wachstum – es sind drei Rettungsboote auf einem sinkenden Schiff.

Prognose: nächste 30 Tage und 90 Tage

30 Tage (bis 27. Juni). Schlüsseldatum: EZB-Sitzung am 4. Juni. Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2,25 % wird erwartet. Der Stoxx 600 wird um weitere 2-3 % auf 610 Punkte fallen. Die Renditen deutscher 10-jähriger Anleihen (Bunds) werden auf 3,15-3,20 % steigen. TotalEnergies und italienische Energieaktien werden sich weiterhin besser entwickeln. Luxusgüter – LVMH, Hermès – werden aufgrund von Befürchtungen einer Verlangsamung in China um weitere 5-7 % fallen. Hauptrisiko: Wenn die EZB um 25 Punkte erhöht, aber ein dovish Signal gibt, könnte der Markt um 1-2 % zulegen.

90 Tage (bis 27. August). Basisszenario (60 % Wahrscheinlichkeit): EZB erhöht im Juni und September um jeweils 25 Punkte, Einlagensatz bei 2,50 %. Die Inflation in der Eurozone stabilisiert sich bei 2,8-3,0 %. Stoxx 600 bei 590-600 Punkten (5-6 % unter dem aktuellen Niveau). Bunds bei 3,30-3,35 %. Italiens FTSE MIB korrigiert um 8-10 %, da Anleger Gewinne bei Eni und Leonardo mitnehmen.

Alternativszenario (25 % Wahrscheinlichkeit): Brent-Öl bleibt über 100 US-Dollar, der spanische PPI steigt auf 10 %, die EZB erhöht dreimal (Juni, September, Dezember). Zinssatz bei 2,75 %. Stoxx 600 bei 560 Punkten. Bunds bei 3,50 %+.


Redaktionelle Prognose

Anlage: Deutsche 10-jährige Staatsanleihen (Bunds). Richtung: Steigende Renditen (fallende Kurse) in den nächsten 24-72 Stunden auf 3,12-3,15 % (von derzeit ~3,0 %). Schlüsselniveaus: Renditeunterstützung bei 2,95 %, Widerstand bei 3,18 %. Vertrauensniveau: hoch (70 %). Hauptrisiko: Wenn am 28.-29. Mai konkrete Details zu erneuten US-Iran-Gesprächen bekannt werden, könnte der Ölpreis stark fallen, die Inflationserwartungen nachlassen und die Bund-Renditen auf 2,90 % zurückgehen, was den Trend brechen würde. Achten Sie auf Nachrichten aus Oman. Dies ist eine redaktionelle Meinung, keine Anlageberatung.

— Editorial Team

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