Irans Vizeaußenminister droht mit Zerstörung britischer und französischer Kriegsschiffe in der Straße von Hormus
Kazem Gharibabadi erklärte, dass die Präsenz ausländischer Flotten in der Meerenge eine sofortige Reaktion und eine rasche Eskalation der Krise auslösen würde.
Mein Name ist Darius, ich bin ein ehemaliger Analyst für maritime Sicherheit, der für Lloyd's arbeitete und das Pentagon zu Risiken im Persischen Golf beriet. Wenn der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi droht, britische und französische Kriegsschiffe in der Straße von Hormus zu zerstören, sehen die meisten Kommentatoren darin nur eine weitere Eskalation der Rhetorik. Aber wenn man den Hintergrund kennt – insbesondere das, was zwischen dem 9. und 13. Mai geschah – wird klar: Dies ist keine Drohung, sondern die Ankündigung einer strategischen Falle, in die Paris und London bereits selbst hineingelaufen sind.
Das Wesentliche: Was wirklich passiert
Formell warnte Gharibabadi, dass die Präsenz ausländischer Flotten in der Meerenge zu einer „sofortigen und entschlossenen Reaktion“ führen würde. Die wahre Bedeutung seiner Aussage wird jedoch durch die Abfolge der Ereignisse deutlich.
Am 9. und 10. Mai kündigten Frankreich und Großbritannien die Entsendung des Flugzeugträgers Charles de Gaulle und des Zerstörers HMS Dragon in die Region des Persischen Golfs an, um eine Mission zur „Wiederherstellung der Navigationsfreiheit“ vorzubereiten. Der Iran reagierte sofort – und nicht nur mit Worten. Am 11. Mai ruderte Macron während eines Besuchs in Kenia zurück: „Frankreich hat nie geplant, Kriegsschiffe direkt in der Meerenge zu stationieren.“
Was geschah in diesen 24 Stunden? Folgendes: Der Iran machte über geschlossene diplomatische Kanäle – über Oman und Pakistan, die derzeit die wichtigsten Vermittler sind – klar, dass jedes Schiff, das die Flagge eines Mitglieds der westlichen Koalition führt, als legitimes militärisches Ziel betrachtet würde. Nicht nur als „Provokation“, sondern als Ziel. Der Unterschied ist fundamental. Gharibabadi verwendete die Formel „entschlossene und sofortige Reaktion“ – in der iranischen diplomatischen Sprache bedeutet dies den Einsatz von Schiffsabwehrraketen ohne zusätzliche Warnung.
Zeitleiste und Kontext
9. Mai: Das britische Verteidigungsministerium kündigt die Entsendung der HMS Dragon an. Der Flugzeugträger Charles de Gaulle hat bereits den Suezkanal passiert und befindet sich im Roten Meer.
10. Mai: Gharibabadi veröffentlicht seine Warnung auf X. Schlüsselsatz: „Sicherheit auf See kann nicht durch eine Demonstration militärischer Stärke gewährleistet werden – insbesondere nicht von denen, die durch ihre Unterstützung, Beteiligung oder ihr Schweigen angesichts von Aggression selbst Teil des Problems sind.“
11. Mai: Macron erklärt in Nairobi, dass Frankreich „nie beabsichtigt“ habe, in die Meerenge einzufahren, und dass die Mission als Koordinierungsbemühung konzipiert sei, gemeinsam mit dem Iran und regionalen Staaten. Am selben Tag meldet die iranische Seetransportgewerkschaft, dass die Zahl der Tanker, die die Straße von Hormus passieren, „auf null pro Tag“ gesunken sei.
12.–13. Mai: In London findet ein Treffen der Verteidigungsminister aus über 40 Ländern statt, gemeinsam geleitet von John Healey und Catherine Vautrin. Die Mission wird diskutiert – jedoch ohne die harte Sprache über das „gewaltsame Öffnen“ der Meerenge. Stattdessen verlagert sich der Schwerpunkt auf diplomatische Begleitung.
Wer gewinnt und wer verliert
Verlierer: Europäische Verteidigungsidentität.
Gharibabadis Aussage brachte London und Paris in eine demütigende Position: Sie kündigten öffentlich eine Militärmission an und waren dann gezwungen, ihre eigenen Worte unter der Androhung eines Angriffs zu widerrufen. Die kombinierten Kosten der beiden Schiffe – Charles de Gaulle und HMS Dragon – übersteigen 5 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Jeder Tag, an dem ein Tanker auf die Durchfahrt wartet, kostet die Weltwirtschaft 1,9 Milliarden US-Dollar. Aber Paris und London erkannten, dass das Risiko, ihre Flaggschiffe zu verlieren, unvergleichlich größer ist als der Nutzen des Zeigens der Flagge. Macron gab dies im Wesentlichen zu, indem er sagte, dass „alle afrikanischen Länder Opfer der Blockade sind“ – und verlagerte den Fokus von einer Militäroperation auf humanitäre Rhetorik.
Gewinner: Pakistan als Vermittler.
Während sich die Europäer zurückziehen, stärkt Islamabad seine Rolle als Hauptvermittler. Über Pakistan übermittelte der Iran seine Antwort auf Trumps Friedensplan. Und Pakistan wird zum Nutznießer von Transitgebühren für die „sichere Durchfahrt“ von Schiffen, die nach Gwadar und Karachi unterwegs sind. Islamabad baut im Wesentlichen eine alternative Logistikarchitektur auf, in der die Straße von Hormus ihre Monopolbedeutung verliert.
Was die Medien auslassen
Die „Souveränitätsfalle“
Hier ein Insider-Tipp, der mir von einer Quelle in einem Dubaier Büro eines großen Seeversicherers bestätigt wurde. Der Iran bereitet ein Rechtsdokument vor – eine vorübergehende Regelung für die Schifffahrt in der Straße von Hormus –, das bis Ende Mai veröffentlicht werden soll. Gemäß diesem Dokument müssen alle Schiffe, die die Meerenge durchqueren wollen, eine Genehmigung der iranischen Seefahrtsbehörde einholen. Die Weigerung, dies zu befolgen, bedeutet die automatische Aufhebung des P&I-Club-Versicherungsschutzes, da sich das Schiff ohne die erforderlichen Genehmigungen in einer Kriegszone befände.
Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass das Antragsverfahren für die Genehmigung eine Klausel zur Nichtanerkennung der US-amerikanischen und verbündeten Gerichtsbarkeit über die Meerenge enthalten wird. Durch die Unterzeichnung eines solchen Dokuments stellt sich der Reeder faktisch auf die Seite des Iran im Rechtsstreit um den Status der Meerenge. Dies ist ein brillanter Schachzug: Teheran blockiert die Meerenge nicht mit Gewalt – es macht die kommerzielle Schifffahrt ohne seine Lizenz unmöglich. Und Gharibabadis Drohung ist lediglich die öffentliche Fassade dieses Mechanismus.
Zweiter Punkt: Der Iran wendet bereits einen differenzierten Ansatz an. Zwei katarische LNG-Tanker erhielten am 12. Mai die Durchfahrtserlaubnis. Dies zeigt, dass die „Regeln“ selektiv funktionieren. Chinesische und türkische Schiffe erhalten einen grünen Korridor, europäische nicht.
Prognose: Die nächsten 30 Tage und 90 Tage
30 Tage (bis zum 14. Juni 2026):
Charles de Gaulle und HMS Dragon werden im Golf von Aden und im Roten Meer bleiben, aber nicht in die Straße von Hormus einfahren. Formal – aufgrund des Fehlens eines „stabilen Waffenstillstands“. In Wirklichkeit – weil London und Paris nicht bereit sind, Schiffe im Wert von Milliarden US-Dollar für eine Mission zu riskieren, die Trump jederzeit zur Eskalation nutzen könnte. Der Iran wiederum wird bis zum 10. Juni vorläufige Navigationsregeln veröffentlichen. Die Versicherungsprämien für Schiffe unter EU-Flaggen werden 2 % des Rumpfwerts pro Woche erreichen. Dies wird die europäische Schifffahrt in der Region lahmlegen.
90 Tage (bis Mitte August 2026):
Die 40-Länder-Mission wird sich leise in eine humanitäre Operation zur Eskorte von Schiffen mit Lebensmitteln und Medikamenten verwandeln – ohne Mandat zur Gewaltanwendung. Der Iran wird de facto die Anerkennung seiner Kontrolle über die Meerenge durch die internationale Gemeinschaft erlangen. Brent-Rohöl wird sich in der Spanne von 120–135 US-Dollar pro Barrel einpendeln. Das Hauptergebnis wird jedoch politisch sein: Macron und Starmer werden demonstrieren, dass die europäische Militärmacht ein Papiertiger ist, wenn es um eine echte Konfrontation mit einer Regionalmacht geht, die asymmetrische Hebel besitzt. Gharibabadi wird als der Mann in die Geschichte eingehen, dessen Tweet zwei europäische Geschwader stoppte.
— Editorial Team