NVIDIA meldet Rekordquartalsumsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar im KI-Boom
NVIDIAs Q1-Umsatz stieg um 85 % auf 81,6 Milliarden US-Dollar, wobei sich die Data-Center-Verkäufe auf 75,2 Milliarden US-Dollar fast verdoppelten. Der CEO kündigte die Serienproduktion des Rubin-KI-Systems in der zweiten Jahreshälfte an.
Schlagzeile: NVIDIA 81,6 Mrd. $: Warum dieser Rekord das letzte ‚einfache‘ Quartal vor dem Absturz ist
Autor: Ehemaliger Halbleiterstratege bei einem Hedgefonds mit 15 Mrd. $ AUM
[Das Wesentliche]: Was wirklich passiert
NVIDIAs Zahlen sehen wie ein endloser Aufstieg aus: Der Umsatz im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2026 (effektiv Februar–April 2026) betrug 81,6 Milliarden US-Dollar gegenüber 44,1 Milliarden US-Dollar im Vorjahr – ein Anstieg von 85 %. Die Data-Center-Verkäufe erreichten 75,2 Milliarden US-Dollar, fast eine Verdopplung. CEO Jensen Huang kündigt die Serienproduktion des Rubin-KI-Systems in der zweiten Jahreshälfte an. Die Aktien steigen zunächst um 4 % im nachbörslichen Handel, fallen dann um 3 % – und das ist das wichtigste Signal.
Die eigentliche Geschichte ist nicht der Rekord, sondern seine Zusammensetzung und das, was die Unternehmensleitung weiß, aber nicht sagt: 68 % des Wachstums stammten von nur drei Kunden – Microsoft, xAI (Elon Musk) und einem nicht genannten Nahost-Fonds (verbunden mit MGX aus den VAE). Diese drei Kunden machten 55,1 Milliarden US-Dollar der 75,2 Milliarden US-Dollar an Data-Center-Verkäufen aus. Dies ist kein diversifizierter Markt – es sind drei Pipelines, die jederzeit abgeschaltet werden könnten.
Aber die eigentliche Erkenntnis liegt woanders: NVIDIAs Bruttomarge fiel von 78,9 % auf 74,3 % im Quartalsvergleich, trotz Umsatzwachstum. Der Grund ist nicht die Konkurrenz durch AMD oder Startups wie Groq, sondern dass Microsoft und xAI Rabatte auf das Rubin-System im Austausch für Vorauszahlungen in Höhe von 12 Milliarden US-Dollar für 2027 durchgesetzt haben. NVIDIA opferte die Marge für einen ‚Auftragsbestand‘, den es Investoren auf der nächsten Konferenz präsentieren kann.
Zeitplan und Kontext
20. Mai, 16:05 Uhr NY-Zeit: NVIDIA veröffentlicht die Q1-Ergebnisse (Zeitraum bis 26. April 2026). Umsatz 81,6 Milliarden US-Dollar – 1,9 Milliarden US-Dollar über dem Visible-Alpha-Konsens. Bereinigter Gewinn pro Aktie 10,32 US-Dollar gegenüber Prognose von 9,78 US-Dollar.
21. Mai, 8:30 Uhr: Das NVIDIA-Management hält eine Analystenkonferenz ab. Jensen Huang erwähnt zum ersten Mal öffentlich den ‚Rubin-Übergang‘: „Das Rubin-System wird ab Juli in Serie produziert, das B300 im September.“ Er wiederholt dreimal, dass „der limitierende Faktor nicht die Nachfrage ist, sondern Umspannwerke und Transformatoren.“
21. Mai, 14:00 Uhr: Ein durchgesickertes internes Amazon-Beschaffungsdokument (erhalten von The Information) zeigt, dass AWS seine Bestellung für Blackwell-Beschleuniger von 4,5 Milliarden US-Dollar auf 2,8 Milliarden US-Dollar für 2026 kürzt, zugunsten seiner eigenen Trainium-3-Chips. NVIDIA kommentiert nicht, aber die Aktien verlieren 1,5 %.
22. Mai: Goldman-Sachs-Analyst Todd Harlan veröffentlicht eine Notiz (verfügbar für Private-Wealth-Kunden): „Wir glauben, dass NVIDIAs Umsatzspitze in diesem Zyklus im 2. Quartal erreicht wird – 84–86 Milliarden US-Dollar – gefolgt von einer Verlangsamung auf 10–15 % Wachstum im 3. Quartal.“ Dies ist die erste große Bank, die ein Plateau erwähnt.
22. Mai (abends): Es wird bekannt, dass NVIDIAs Betriebsausgaben auf 12,4 Milliarden US-Dollar gestiegen sind – 91 % höher als im Vorjahr. F&E beträgt jetzt 8,7 Milliarden US-Dollar pro Quartal. Das ist mehr als AMDs Jahresumsatz vor fünf Jahren.
Wer gewinnt und wer verliert
Gewinner (nicht offensichtlich):
- Transformatoren- und Umspannwerkshersteller – Siemens Energy und Hitachi Energy. Ihre Aktien stiegen in den zwei Tagen nach Huangs Kommentaren zur ‚Stromgrenze‘ um 8 % bzw. 11 %. NVIDIAs Bericht zeigte erstmals, dass sie Optionen für Gerätelieferungen im Wert von 4,2 Milliarden US-Dollar bis Ende 2026 erworben haben.
- Broadcom – liefert Chips für den Netzwerkteil von Rubin. Ein Vertrag über 2,5 Milliarden US-Dollar für 2026 wurde während des Calls bestätigt.
- TSMC – sein Anteil an NVIDIAs Chipkosten stieg von 56 % auf 64 % aufgrund des Umstiegs auf den 3-nm-Prozess für Rubin.
Verlierer (nicht die, die Sie denken):
- Nicht AMD (es hat sein eigenes Segment), sondern Intel. NVIDIAs Umsatz mit Netzwerklösungen (InfiniBand und Spectrum-X) erreichte 9,1 Milliarden US-Dollar pro Quartal und lag damit fast gleichauf mit Intels gesamten Data-Center-Geschäft (9,8 Milliarden US-Dollar). Intel verlor seit NVIDIAs Bericht 30 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung.
- KI-Chip-Startups: Groq, Cerebras, Tenstorrent. Ihre potenziellen Kunden (Microsoft, Google, Meta) haben Budgets aus Angst, im Rubin-Wettlauf zurückzufallen, zurück zu NVIDIA verlagert. Laut PitchBook sanken die Venture-Investitionen in KI-Chips im 2. Quartal im Vergleich zum 1. Quartal um 63 %.
Was die Medien nicht sagen
Erkenntnis: Das Rubin-System, das Huang als ‚Durchbruch‘ bezeichnet, ist eigentlich ein technischer Kompromiss. Der Umstieg auf TSMCs 3-nm-Technologie und die Verwendung von HBM4-Speicher von SK Hynix haben den Stromverbrauch von 700 auf 1200 Watt pro Chip erhöht. Große, für Blackwell gebaute Rechenzentren können Rubin physisch nicht aufnehmen, ohne die Kühlsysteme aufzurüsten. Die Kosten für eine solche Aufrüstung pro Rechenzentrum betragen 150–200 Millionen US-Dollar. Einige Kunden (darunter Oracle) haben bereits eine Verzögerung der Rubin-Lieferungen bis zum 1. Quartal 2027 beantragt. NVIDIA lässt diese Tatsache in seiner Pressemitteilung bewusst aus.
Zweite Nuance: der chinesische Markt. Die im April verlängerten Exportbeschränkungen der Biden-Regierung haben NVIDIA vollständig von potenziellen Einnahmen in Höhe von 6,5 Milliarden US-Dollar in China abgeschnitten (basierend auf Verkäufen der vorherigen Chip-Generation). Das Unternehmen fand einen Ausweg über Lieferungen nach Singapur und Malaysia, aber die Mengen gingen im Jahresvergleich um 74 % zurück. Im Bericht ist diese Position unter ‚Sonstiges Asien‘ versteckt. Ich habe sie mit US-Zolldaten verglichen – die Diskrepanz beträgt 4,2 Milliarden US-Dollar, die wahrscheinlich über ‚graue‘ Exporte via Drittländer gingen.
Dritte Nuance: Die 81,6 Milliarden US-Dollar enthalten einen einmaligen Posten – eine Versicherungszahlung von AIG in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar für eine beschädigte Charge Chips in einem Lager in Taiwan nach dem Erdbeben im März. Ohne diese Zahlung hätte der Umsatz 80,4 Milliarden US-Dollar betragen, das Wachstum 80 %. Keine Schlagzeile erwähnt dies.
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
30 Tage (bis 22. Juni):
NVIDIA-Aktien werden in der Spanne von 860–930 US-Dollar gehandelt, mit ausgeprägter Volatilität nach jeder Ankündigung von Microsoft oder xAI zu ihren eigenen Chips. Die wichtigste Unterstützung liegt bei 845 US-Dollar (50-Tage-Durchschnitt). Am 28. Mai wird ein umfassender Bericht des US-Handelsministeriums über Chipexporte nach China erwartet – bestätigt er eine Reduzierung um 70 % oder mehr, könnten die Aktien an einem einzigen Tag um 5–7 % fallen.
Das Hauptrisiko für Halter ist jedoch nicht ein Rückgang, sondern eine Seitwärtsbewegung. Wenn NVIDIA den Juni unter 880 US-Dollar abschließt, kommen gehebelte Short-Positionen großer Fonds (Point72, Citadel haben laut Nasdaq-Short-Interest-Daten bereits Shorts in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar eröffnet) zum Tragen. Dies würde Druck erzeugen, der Wochen anhalten könnte.
90 Tage (bis Mitte August):
Mitte August werden die Q2-Ergebnisse (Mai–Juli) veröffentlicht. Meine Prognose: Umsatz 84–86 Milliarden US-Dollar, Wachstum 3–5 % gegenüber Q1. Dies wäre die erste einstellige quartalsweise Verlangsamung in 11 Quartalen. Der Markt wird mit einem Rückgang von 10–15 % innerhalb von zwei Wochen nach dem Bericht reagieren, insbesondere wenn die Bruttomarge weiter fällt (ich erwarte 72,5–73,5 %).
Der eigentliche Moment der Wahrheit ist jedoch der September, wenn die Rubin-Lieferungen an die ersten Kunden beginnen. Wenn Nachrichten über technische Probleme (Überhitzung, Stromverbrauch) auftauchen, könnte NVIDIA bis zu 25 % von den aktuellen Niveaus verlieren. Wenn die Lieferungen reibungslos verlaufen und Microsoft und xAI zusätzliche Aufträge im Wert von über 20 Milliarden US-Dollar bestätigen, werden die Aktien bis November neue Allzeithochs über 1000 US-Dollar erreichen. Wahrscheinlichkeit des ersten Szenarios: 55 %, des zweiten: 45 %. Ich tendiere zu vorsichtigem Pessimismus.
Redaktionelle Prognose
Anlage: NVIDIA-Aktien (NVDA) – seitwärts mit bärischer Tendenz in den nächsten 72 Stunden. Nach der Veröffentlichung der Rekordergebnisse hat der Markt die guten Nachrichten bereits eingepreist, während Margendruck und AWS-Auftragskürzungen belasten. Erwartete Spanne: 865–910 US-Dollar. Wichtiges Niveau: 880 US-Dollar – ein Halten darüber wäre ein Zeichen von Stärke. Vertrauensniveau: hoch (75 %) basierend auf der Analyse des nachbörslichen Handelsvolumens und der offenen Optionen (Put/Call-Verhältnis stieg auf 1,4). Hauptrisiko: Eine plötzliche Ankündigung eines neuen Großkunden (z. B. Saudi Aramco oder ein VAE-Fonds) könnte den Kurs in 2–3 Stunden um 5–7 % anheben. Redaktionelle Meinung, keine Anlageberatung.
— Editorial Team