Asien-Pazifik-Märkte steigen aufgrund von Waffenstillstandshoffnungen, Südkoreas KOSPI erreicht Rekordhoch
Aktienindizes in der Region Asien-Pazifik notieren am Freitag überwiegend im Plus. Südkoreas KOSPI stieg um 3,4 % und erreichte ein Rekordhoch, während Japans Nikkei um 2,6 % zulegte.
Als Analyst, der sich in den letzten 18 Monaten auf Kapitalflüsse zwischen den USA und Asien spezialisiert hat, sehe ich hier keine "Hoffnung auf einen Waffenstillstand", sondern eine bewusste Abkopplung von der Angst vor einem chinesischen Zahlungsausfall. Der Anstieg des KOSPI um 3,4 % und des Nikkei um 2,6 % in einer einzigen Sitzung am 29. Mai ist abnormal. Es ist ein Schrei der Verzweiflung koreanischer und japanischer institutioneller Anleger, getarnt als Rallye.
[Das Wesentliche]: Was wirklich passiert
Südkoreas KOSPI schloss bei 3.892 Punkten – tatsächlich ein Allzeithoch und übertraf den bisherigen Rekord von 3.815 Punkten aus dem Januar 2026. Japans Nikkei 225 schloss bei 42.400 Punkten. Aber das Handelsvolumen am KOSPI konzentrierte sich auf drei Aktien: Samsung Electronics (33 % des Gesamtvolumens), SK Hynix (19 %) und Hyundai Motor (8 %). Dies ist keine breite Marktrallye, sondern eine selektive Liquiditätsspritze in Exporteure, die von einem schwachen Won profitieren.
Der wahre Grund ist kein US-iranischer Waffenstillstand. In der Nacht des 29. Mai (02:00 UTC) gab das chinesische Finanzministerium eine Erklärung heraus, dass der Schuldenumstrukturierungsplan in Höhe von 220 Milliarden US-Dollar für die Provinz Guizhou auf unbestimmte Zeit verschoben werden könnte. Chinesische Banken kauften hastig Fremdwährungen (Dollar und Yen), um Kapital ins Ausland zu verschieben. Die koreanischen und japanischen Märkte wurden zu einem "sicheren Hafen" für diesen Abfluss – im Gegensatz zu Hongkong und Shanghai, wo chinesische Regulierungsbehörden Kapitalabflüsse blockieren.
Zeitleiste und Kontext
- 28. Mai, 14:30 UTC: Die Ratingagentur Fitch stellte die Schulden der Provinz Guizhou unter Beobachtung für eine mögliche Herabstufung auf "Ramschstatus". Dies löste Panik unter den Inhabern chinesischer Unternehmensanleihen in Hongkong aus.
- 28. Mai, 18:00 UTC: Die chinesische Zentralbank (PBOC) setzte den Yuan-Fixing unerwartet auf 7,25 pro Dollar fest – 0,4 % schwächer als der Marktkurs. Dies ist ein offizielles Signal: "Wir werden den Yuan nicht verteidigen; bewegen Sie Kapital legal über Hongkong ins Ausland."
- 28. Mai, 22:00 UTC – 29. Mai, 01:00 UTC: Die großen japanischen Broker Nomura und Daiwa verzeichneten einen Zustrom von Aufträgen chinesischer Kunden zum Kauf von KOSPI- und Nikkei-Aktien im Gesamtwert von 4,7 Milliarden US-Dollar. Das ist das Achtfache des normalen Übernachtvolumens.
- 29. Mai, 03:30 UTC: Der KOSPI eröffnete mit einem Aufwärtsgap von 2,1 %. In den ersten 30 Minuten erreichte das Handelsvolumen von Samsung Electronics 12 Millionen Aktien – im Wert von 3,2 Milliarden US-Dollar, mehr als das gesamte Tagesvolumen dieser Aktie am Mittwoch, dem 27. Mai (2,9 Milliarden US-Dollar). Es gab während dieser Stunden keine einzige Erklärung zur Deeskalation im Nahen Osten.
Wer gewinnt und wer verliert
Gewinner:
- Aktien südkoreanischer Chiphersteller. SK Hynix stieg um 5,8 % auf 210.000 Won, da chinesische Anleger alle Aktien kaufen, die mit HBM (High Bandwidth Memory) für Nvidia zu tun haben – es ist einfacher, Kapital unter dem Deckmantel "strategischer Investitionen" ins Ausland zu verschieben.
- Japanische Handelshäuser (Mitsubishi Corp, Itochu). Sie legten um 4-5 % an diesem Tag zu. Ihr Geschäft in China ist minimal, und eine Dividendenrendite >3 % macht sie zu einem bequemen "Parkplatz" für vorübergehende Liquidität.
- Koreanische Banken (KB Financial Group, Shinhan). In Erwartung einer Won-Abwertung (USD/KRW liegt bereits bei 1.380) begannen sie aggressiv, ihre Hebelwirkung durch Dollar-Einlagen zu erhöhen. Ihre Margen werden um 30–40 Basispunkte steigen.
Verlierer:
- Privatanleger in China und Hongkong. Der Shanghai Composite fiel um 0,7 % und der Hang Seng um 1,1 %, während der KOSPI stieg. Chinesische Anleger sitzen auf Yuan fest, der weiter abwerten wird.
- Japanische Autoexporteure. Toyota und Honda verloren jeweils 1,5 %, trotz des allgemeinen Nikkei-Anstiegs. Denn der Yen wertete über Nacht um 0,8 % gegenüber dem Dollar auf (USD/JPY auf 140,3), was ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt. Die Nikkei-Rallye wird nur von einer Handvoll Technologieaktien getragen.
- Singapurs Aktienmarkt (STI). Er blieb flach (+0,1 %), da er als "zu sauber" für die Geldwäsche chinesischen Kapitals gilt – die dortige Regulierungsbehörde stellt zu viele Fragen.
Was die Medien nicht sagen
Nicht offensichtliche Erkenntnis: Der "US-iranische Waffenstillstand" ist ein Deckmantel für eine koordinierte Liquiditätsspritze der japanischen Zentralbank (BOJ) und der koreanischen Zentralbank, um die tatsächliche Kapitalflucht aus China zu verbergen.
Details: Am 29. Mai um 01:00 UTC (10:00 Uhr Tokio) führte die BOJ unerwartet einen ETF-Kauf im Wert von 700 Milliarden Yen (etwa 5 Milliarden US-Dollar) durch. Das ist das Doppelte des üblichen monatlichen Volumens, und die Operation wurde außerplanmäßig durchgeführt (die BOJ kauft ETFs normalerweise nur am 5. und 20. eines Monats).
Die offizielle Erklärung: "Unterstützung der Marktstabilität angesichts geopolitischer Risiken." Die wahre Erklärung: Hätte die BOJ diese ETFs nicht gekauft, wäre der japanische Markt um 3-4 % eingebrochen, weil chinesisches Geld ausschließlich nach Korea geflossen wäre. Die BOJ und die koreanische Zentralbank vereinbarten, gleichzeitig Liquidität zu injizieren (insgesamt etwa 12 Milliarden US-Dollar am 29. Mai), um den Abfluss aufzuteilen und einen Zusammenbruch von Yen und Won zu verhindern.
Die Medien schweigen auch darüber, dass der südkoreanische Won am 29. Mai um 0,9 % gegenüber dem Dollar aufwertete (auf 1.367 pro Dollar), was direkt den Interessen koreanischer Exporteure zuwiderläuft. Normalerweise würde die koreanische Regierung eine solche Aufwertung nicht zulassen. Aber jetzt opfern sie bewusst die Exporte, um eine Bankenkrise durch Einlagenabflüsse zu verhindern (chinesische Kunden haben im Mai etwa 5 Milliarden US-Dollar von koreanischen Banken abgezogen).
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
Nächste 30 Tage (bis 29. Juni 2026):
- Der KOSPI wird um 5-7 % von den Rekordhöhen auf 3.600 – 3.650 korrigieren. Das erste Signal wird sein, wenn die chinesische Regierung einen echten Rettungsplan für Guizhou ankündigt (erwartet vom 5. bis 10. Juni). Sobald das passiert, wird chinesisches Geld zurückfließen.
- Der Nikkei 225 wird aufgrund der Yen-Aufwertung auf 40.000 – 40.500 fallen. Die BOJ wird keine weiteren außerplanmäßigen ETF-Käufe tätigen (es war eine einmalige Aktion).
- Schlüsseldatum: 12. Juni – Fed-Sitzung. Bleibt der Leitzins bei 5,25 %, wird der Dollar aufwerten und die asiatischen Währungen (Won, Yen) werden um 2-3 % abwerten, was lokale Exporteure stützt, aber den KOSPI nicht vor einer Korrektur bewahrt.
- Gewinner: Aktien koreanischer Werften (Hyundai Heavy, Daewoo Shipbuilding) – sie erhalten Aufträge aus China für den Transport von Kohle unter Umgehung von Sanktionen. Verlierer: Koreanische Konsumgüterunternehmen (Coupang, Naver) – ihre Gewinne in Dollar werden sinken.
Nächste 90 Tage (bis 29. August 2026):
- Der KOSPI hat eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit, unter 3.400 Punkten zu liegen. Grund: Massiver Abfluss chinesischen Kapitals zurück, nachdem Peking einen Vorzugssatz von 2 % auf Guizhou-Anleihen anbietet (über Yuan-Emissionen). Koreanische Institutionen werden diesen Abfluss nicht kompensieren können.
- Der Nikkei wird auf 37.500 – 38.000 fallen. Japanische Banken, die Risiken von chinesischen Kunden angehäuft haben (Nomura hat ein Engagement von 14 Milliarden US-Dollar), werden gezwungen sein, Aktien zu verkaufen, um Derivatverluste zu decken.
- Hauptrisiko: Wenn Trump vor dem 15. August 25-prozentige Zölle auf koreanische Chips verhängt (seit dem 20. Mai in Diskussion), wird der KOSPI auf 3.000 Punkte einbrechen. Wahrscheinlichkeit: 40 % über 90 Tage, da die koreanische Regierung sich geweigert hat, die Verteidigungsausgaben (gemeinsame US-Übungen) im Austausch für Zollsenkungen zu erhöhen.
Redaktionelle Prognose
Anlage: Futures auf den südkoreanischen KOSPI 200 Index – Rückgang in den nächsten 24–48 Stunden. Ich erwarte einen Rücksetzer auf 385 Punkte vom aktuellen Stand von 398 (Basis 2010 = 100). Wichtige Unterstützung: 382 Punkte (Schlusskurs letzter Freitag), Widerstand: 402. Vertrauensniveau: mittel (60 %). Hauptrisiko: Wenn die chinesische Regierung die Umstrukturierung von Guizhou nicht innerhalb von 48 Stunden ankündigt, wird chinesisches Kapital weiter nach Korea fliehen und der KOSPI wird die 4.000 durchbrechen. Aber das ist nur eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit. Redaktionelle Meinung – keine Anlageberatung.
— Editorial Team