Berkshire Hathaways Bargeldberg erreicht Rekord von 380 Milliarden Dollar
Warren Buffetts Unternehmen meldete nach aggressiven Aktienverkäufen, darunter Apple-Aktien, einen Rekord-Bargeldbestand, aber der Gewinn im ersten Quartal blieb hinter den Prognosen zurück.
Rekord von 380 Milliarden Dollar: Was hinter Berkshires 'Bargeldberg' steckt
Einleitung
Als Warren Buffett Anfang 2026 die CEO-Rolle an Greg Abel übergab, hielt die Investmentwelt den Atem an – würde Berkshire Hathaway seine legendäre Philosophie bewahren oder beginnen, die angesammelten Reserven auszugeben? Der erste Quartalsbericht unter neuer Führung gab eine klare Antwort: Der Bargeldpolster des Konglomerats erreichte mit 380 Milliarden Dollar ein Allzeithoch, während die Aktienverkäufe im vierzehnten Quartal in Folge fortgesetzt wurden. Diese Zahl steht nicht für Passivität, sondern für diszipliniertes Warten auf den 'perfekten Sturm' an den Märkten.
Ereignisdetails und Zeitplan
Laut dem am 2. Mai 2026 veröffentlichten Finanzbericht beliefen sich Berkshires Bargeld und Treasury-Verbindlichkeiten Ende März auf 397 Milliarden Dollar, wobei der Netto-Bargeldbestand (ohne Verbindlichkeiten aus Treasury-Käufen) 380 Milliarden Dollar erreichte. Innerhalb von drei Jahren hat sich diese Kennzahl von 130 Milliarden Dollar Ende 2022 fast verdreifacht.
Zwei Faktoren trieben das Wachstum der Reserven an. Erstens blieb Berkshire ein Nettoverkäufer von Aktien und erzielte 24,1 Milliarden Dollar aus Verkäufen bei Käufen von nur 15,9 Milliarden Dollar – ein Nettoabfluss aus Aktien von 8,1 Milliarden Dollar. Die wichtigste Position, die abgebaut wird, bleiben Apple-Aktien: Einst über 185 Milliarden Dollar wert, wurde der Anteil in den letzten zwei Jahren um mehr als 70% reduziert.
Zweitens stieg das operative Ergebnis des Konglomerats um 18% auf 11,35 Milliarden Dollar. Die Haupttreiber waren das Versicherungsgeschäft (Gewinnanstieg um 28% auf 1,7 Milliarden Dollar), die Eisenbahngesellschaft BNSF (plus 13% auf 1,38 Milliarden Dollar) und die Energiesparte. Gleichzeitig hat sich der Nettogewinn einschließlich unrealisierter Gewinne aus Aktien von 4,6 Milliarden Dollar auf 10,1 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt.
Auswirkungen und Bedeutung
Für Berkshire. Die Summe von 380 Milliarden Dollar übersteigt die aktuelle Marktkapitalisierung von Giganten wie Netflix, Chevron und Bank of America. Dies ist nicht nur ein 'Sicherheitspolster' – es ist eine strategische Waffe, die es dem Konglomerat ermöglicht, in Zeiten von Marktturbulenzen als Kreditgeber der letzten Instanz zu agieren. Analyst Tom Russo, dessen Fonds einen Anteil von 1,7 Milliarden Dollar an Berkshire hält, nannte die Reserve 'ein Vermögenswert, der speziell für die heutige Unsicherheit konzipiert wurde.'
Für den Markt. Die Unfähigkeit von Buffett und seinem Nachfolger, attraktive Vermögenswerte für große Übernahmen zu finden, spricht lauter als jede makroökonomische Prognose über eine Marktüberbewertung. Greg Abel erklärte auf der Hauptversammlung: 'Es wird Verwerfungen an den Märkten geben, die es uns ermöglichen, zu handeln.' Mit anderen Worten: Berkshire baut bewusst trockenes Pulver für eine Zeit auf, in der die Vermögenspreise wieder auf ein vernünftiges Niveau fallen.
Für Aktionäre. Abel nahm Aktienrückkäufe wieder auf und kaufte Aktien im Wert von 234 Millionen Dollar zurück – zum ersten Mal seit Mai 2024. Dies signalisiert, dass das Management die eigenen Aktien als fair bewertet und das Umfeld für große Deals als ungünstig ansieht.
Reaktionen der Hauptakteure
Warren Buffett, der als Vorstandsvorsitzender an der Hauptversammlung teilnahm, unterstützte seinen Nachfolger voll und ganz: 'Greg macht alles, was ich gemacht habe, und mehr, und macht es in jedem Fall besser.' In typischer Buffett-Manier erschien er auf der Bühne und bat den scheidenden Apple-CEO Tim Cook, 'aufzustehen und sich zu verbeugen', und nannte seine Arbeit 'eines der Wunder des amerikanischen Managements.'
Die Investmentgemeinschaft reagierte ambivalent. Einerseits behielt Morningstar sein 'Vier-Sterne'-Rating für Berkshire-Aktien bei und hält sie für 'moderat unterbewertet' mit einem fairen Preis von 765.000 Dollar pro Aktie der Klasse A. Andererseits hat Berkshire den S&P 500 bisher im Jahresverlauf um etwa 6% unterperformt, was die Bedenken der Anleger über das passive Management enormer Bargeldbestände widerspiegelt.
Berkshires disziplinierte Zurückhaltung, im aktuellen Umfeld hoher Zinsen und geopolitischer Instabilität (einschließlich der Energiekrise um die Straße von Hormus) eine Prämie zu zahlen, findet bei Marktveteranen Anklang. Russo erinnerte daran, wie Buffett während der Finanzkrise 2008 Goldman Sachs und Bank of America rettete und den Emittenten strenge Bedingungen diktierte: 'Wenn ein Marktcrash kommt, wird es wieder nur einen Ort geben, an den man sich wenden kann, und die Bedingungen werden sehr hart sein.'
Prognose und Schlussfolgerungen
Die Hauptfrage für Berkshire heute ist nicht 'warum arbeitet das Geld nicht?', sondern 'wann wird es anfangen zu arbeiten?' Angesichts von Buffetts Erfolgsbilanz ist dieser Bargeldberg ein klassisches Beispiel für Geduld. Inmitten globaler geopolitischer Turbulenzen und rekordverdächtiger Aktienbewertungen nach der Erholung des Technologiesektors im April steigen die Chancen auf eine Korrektur. Berkshire, mit 380 Milliarden Dollar in der Tasche, wird als der oberste Jäger nach billigen Vermögenswerten positioniert sein.
Greg Abel steht jedoch vor einer nicht trivialen Herausforderung: In einer Krise entschlossen zu handeln, ohne Berkshires Ruf als 'der vertrauenswürdigste Käufer' zu beschädigen. Jeder große Deal wird einen Präzedenzfall schaffen. Wenn er erfolgreich ist, wird Abel beweisen, dass das Konglomerat ohne Buffetts tägliche Beteiligung gedeiht. Wenn nicht, wird der Markt sich fragen, ob die Ära der 'Wunder aus Omaha' mit der Übergabe endete.
Vorerst ist die Lektion für alle Anleger einfach: Wenn einer der größten Jäger nach Schnäppchen der Geschichte Staatsanleihen neuen Käufen vorzieht, ist Bargeld vielleicht das beste Asset des Jahres 2026.
— Editorial Team