IRGC droht mit Eröffnung 'neuer Fronten' wegen Israels Handlungen im Libanon
Quds-Force-Kommandeur Ismail Qaani warnte die USA und Israel vor der Möglichkeit, neue Fronten zu eröffnen. Er erklärte, der Schiffsverkehr in der Bab-el-Mandeb-Straße könnte die Lage in der Straße von Hormus widerspiegeln, die faktisch geschlossen sei.
Bedrohung der Bab-el-Mandeb-Straße: Warum Iran in die Offensive geht, während die Märkte das Ausmaß noch nicht erfasst haben
[Der Kern]: Was wirklich passiert
Die Drohung des Quds-Force-Kommandeurs Ismail Qaani, die Bab-el-Mandeb-Straße zu schließen, ist keine bloße rhetorische Eskalation. Es handelt sich um einen strategischen Schachzug, der in den letzten drei Monaten vorbereitet und nun mit der vollständigen Schließung der Straße von Hormus synchronisiert wurde. Die Märkte sahen die Nachricht als weitere Schlagzeile und trieben den Ölpreis innerhalb eines Tages um 4–7 % nach oben. Doch das wahre Bild ist weitaus gefährlicher als „nur eine weitere bedrohte Meerenge“.
Der entscheidende Aspekt, den 99 % der Analysten übersehen: Die Bab-el-Mandeb-Straße ist nicht bloß eine Alternative zur Straße von Hormus. Sie ist die einzige Seeroute für saudische Ölexporte nach Europa und Amerika, falls Hormus gesperrt wird. Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, kann physisch kein Rohöl mehr an westliche Abnehmer liefern, ohne diese Meerenge. Täglich passieren 4–6 Millionen Barrel saudischen Öls die Bab-el-Mandeb-Straße. Sollte Qaani sein Vorhaben umsetzen, stünde Riad trotz offizieller Neutralität vor einer wirtschaftlichen Blockade.
Die zentrale Erkenntnis, über die niemand spricht: Iran plant nicht, die Meerenge mit der eigenen Marine zu schließen. Das soll über die jemenitischen Huthis geschehen, die bereits 2023–2025 Erfahrung mit Angriffen auf Schiffe im Roten Meer gesammelt haben. Die Huthis haben laut CNN auf dem Höhepunkt ihrer Angriffe jährlich etwa 20 Milliarden Dollar Schaden am Welthandel verursacht. Nun haben sie von Teheran grünes Licht und vermutlich modernere Anti-Schiff-Raketen erhalten. Huthi-Vize-Informationsminister Mohammed Mansour erklärte im März 2026, die Schließung der Bab-el-Mandeb-Straße sei „eine realistische Option, und die Folgen träfen die amerikanischen und israelischen Aggressoren“.
Warum spielt das jetzt eine Rolle? Weil die USA und das Vereinigte Königreich, die 2024–2025 die Operation Prosperity Guardian zum Schutz der Schifffahrt im Roten Meer durchführten, ihre Hauptkampfverbände inzwischen in die Straße von Hormus und den Persischen Golf verlegt haben. Die Flugzeugträgerkampfgruppe USS Gerald R. Ford liegt vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate und schützt amerikanische Stützpunkte vor iranischen Raketen. In der Bab-el-Mandeb-Straße verbleiben nur symbolische Kräfte. Iran und die Huthis kennen diese Lage und schlagen dort zu, wo die Verteidigung am schwächsten ist.
Zeitlicher Ablauf und Kontext
Der 31. Mai 2026 markierte einen Wendepunkt. An diesem Tag veröffentlichte die iranische Nachrichtenagentur Tasnim Qaanis Erklärung – die erste offizielle Verknüpfung der Lage in der Bab-el-Mandeb-Straße mit Israels Vorgehen im Libanon und im Gazastreifen. Teheran erklärte damit faktisch, dass jeder IDF-Angriff auf Beirut oder Hisbollah-Ziele mit Störungen der Schifffahrt im Roten Meer beantwortet werde.
Am selben Tag kündigte der Libanon an, Hisbollah sei zu einem sofortigen Waffenstillstand auf der von den USA vorgeschlagenen Grundlage bereit. Das ist kein Widerspruch, sondern Teil des Plans. Während Hisbollah diplomatische Offenheit signalisiert, übt Iran über die Huthis weiter Druck auf Washington aus. Arbeitsteilung: Ein Stellvertreter spielt den „Guten“, der andere den „Bösen“.
Am 1. Juni reagierten die Märkte sofort. Brent-Rohöl stieg auf 97,79 Dollar pro Barrel, ein Plus von 4,24 % an einem Tag. WTI erreichte 93,03 Dollar und legte 6,5 % zu. Händler erinnerten sich an 2023, als Huthi-Angriffe Containerlinien zwangen, um Afrika herumzufahren – mit 10–14 Tagen Verzögerung und verdreifachten Frachtkosten. Damals ging es um Container; jetzt steht die Energieversorgung Europas auf dem Spiel.
Am Abend des 1. Juni gaben die Preise leicht nach. Grund: Trump postete auf Truth Social und dementierte Gerüchte über abgebrochene Gespräche mit Iran; der Dialog gehe weiter. Dennoch schlossen Händler, die auf die „Gespräche gescheitert“-These gesetzt hatten (der eigentliche Treiber des ersten Anstiegs), ihre Short-Positionen mit hohen Verlusten. Das Volumen von Call-Optionen auf Brent mit Fälligkeit im Juli stieg an einem einzigen Tag um 45 %. Das ist „smart money“, das auf eine anhaltende Krise setzt.
Ein wichtiger, selten erwähnter Kontext: OPEC+ trifft sich am 7. Juni, um eine Fördersteigerung um 188.000 Barrel pro Tag zu besprechen. Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts eines prognostizierten täglichen Fehlbetrags von 2,6 Millionen Barrel. Der Schritt der Allianz ist symbolisch und soll zeigen, dass man „alles Mögliche tut“. In Wirklichkeit kann sie weder den Ausfall iranischen Öls (rund 1,5 Millionen Barrel täglich) noch saudisches Öl bei einer Schließung der Bab-el-Mandeb-Straße ausgleichen. Der Markt versteht das und preist Öl bereits über 100 Dollar für Mitte Juni ein.
Gewinner und Verlierer
Hauptprofiteur: US-Ölproduzenten und LNG-Exporteure. Bei Bedrohung beider Meerengen erreichen die US-Rohölexporte Rekordwerte. Im Mai 2026 exportierten die USA 5,6 Millionen Barrel pro Tag – ein historisches Hoch. Asiatische und europäische Raffinerien zahlen jeden Preis, um Rohstoffe zu sichern. Die WTI-Brent-Spread erreichte im März 20,69 Dollar pro Barrel und machte amerikanisches Rohöl hoch wettbewerbsfähig.
Zweitprofiteur: China – mit Einschränkung. China kauft weiterhin iranisches Öl über die Schattenflotte mit einem Abschlag von 25–30 Dollar pro Barrel. Sollte die Bab-el-Mandeb-Straße geschlossen werden, säßen chinesische Tanker auf dem Weg von Iran nach Shanghai fest und müssten um Afrika herumfahren – plus 15–20 Tage. Chinas Ölimporte sind bereits im April gegenüber Februar um 66 % gesunken. Pekings strategische Reserven schwinden in Rekordgeschwindigkeit.
Größter Verlierer: Europa. Europas LNG-Importe aus Katar passieren die Straße von Hormus. Europas Ölimporte aus Saudi-Arabien passieren die Bab-el-Mandeb-Straße. Werden beide Meerengen blockiert, bliebe Europa mit begrenzten norwegischen Mengen, teurem amerikanischem LNG und instabiler libyscher Versorgung zurück. Deutsche Strompreise sind bereits innerhalb einer Woche um 18 % gestiegen, und Industriegiganten wie BASF und Siemens Energy drosseln die Produktion.
Japan steht als katastrophaler Verlierer allein da. Seine Ölimporte brachen im April um 66 % ein. Die strategischen Reserven erreichten historische Tiefstände. Japan erhielt iranische „Garantien“ für sichere Passage durch die Straße von Hormus – doch diese Garantien sind wertlos. Die IRGC kontrolliert nicht jeden Raketenboot-Kapitän. Die Tokioter Börse hat seit Anfang März 12 % verloren, und jede neue Eskalation drückt den Nikkei um weitere 2–3 %.
Was die Medien verschweigen
Die größte nicht berichtete Geschichte ist die bereits laufende Panik bei Versicherern und Rückversicherern in London und Bermuda. Lloyd’s of London hat die Kriegsrisikoprämien für Schiffe, die das Rote Meer und die Bab-el-Mandeb-Straße befahren, letzte Woche einseitig um 400 % erhöht. Einige Rückversicherer verweigern inzwischen jeglichen Schutz.
Das bedeutet nicht nur „teurer, ein Schiff zu versichern“. Viele Betreiber erhalten überhaupt keinen Versicherungsschutz mehr – und ohne ihn nimmt kein Hafen das Schiff auf. Folge: Die Frachtraten für Tanker vom Persischen Golf nach Europa sind binnen zwei Wochen von 3 auf 9 Millionen Dollar pro Reise gestiegen. Diese Kosten werden an Verbraucher weitergegeben – an der Zapfsäule und bei den Heizkosten.
Ein zweiter nicht berichteter Aspekt ist Ägyptens verborgene Rolle. Der Suezkanal, der über die Bab-el-Mandeb-Straße mit dem Roten Meer verbunden ist, verliert bei jeder Schließung 13–15 Millionen Dollar pro Tag. Für ein bereits am Rande des Staatsbankrotts stehendes Ägypten wäre das katastrophal. Kairo hat über omanische Mittelsmänner geheime Botschaften nach Teheran gesandt und bietet Nichtangriffsgarantien gegenüber iranischen Interessen im Austausch für offene Schifffahrt an. Ägypten ist bereit, Irans Einflusssphäre im Roten Meer de facto anzuerkennen – nur um den Kanal am Laufen zu halten.
Ein dritter übersehener Faktor ist die Verwundbarkeit amerikanischer Militärstützpunkte in Dschibuti. Camp Lemonnier beherbergt etwa 4.000 US-Soldaten sowie Drohnen und Aufklärungsflugzeuge – nur 30 Kilometer von der Bab-el-Mandeb-Straße entfernt. Erhalten die Huthis von Iran weitreichendere Raketen, wäre die gesamte US-Präsenz in Dschibuti direkt bedroht. Das Pentagon erstellt bereits Evakuierungspläne, während es öffentlich jede Sorge dementiert.
Ausblick: Die nächsten 30 und 90 Tage
30 Tage (Juni 2026). Das gefährlichste Zeitfenster liegt zwischen dem 7. und 15. Juni. Nach dem OPEC+-Treffen am 7. Juni, das die Märkte voraussichtlich enttäuschen wird, und vor den Gesprächen am 15. Juni in Maskat werden die Huthis wahrscheinlich innerhalb der nächsten 7–10 Tage einen symbolischen Angriff auf ein Handelsschiff in der Bab-el-Mandeb-Straße durchführen, um die Drohung zu untermauern. Ziel ist nicht, ein Schiff zu versenken, sondern eines zu beschädigen und einen Präzedenzfall zu schaffen. Marktreaktion: Brent könnte 105–107 Dollar, WTI 100 Dollar erreichen. Wiederholte Angriffe würden die Preise Richtung 110 Dollar treiben.
90 Tage (Juli–September 2026). Die USA werden auf Huthi-Angriffe voraussichtlich mit Schlägen gegen den Jemen reagieren – und die Lage damit verschärfen. Die „Achse des Widerstands“ wird dies als Bestätigung sehen. Bis August könnten die weltweiten kommerziellen Ölvorräte auf kritische 1,2 Milliarden Barrel fallen – 400 Millionen unter dem Fünfjahresdurchschnitt. US-Benzinpreise könnten 5,50 Dollar pro Gallone überschreiten und Trump vor den Zwischenwahlen politisch unter Druck setzen. Bis September wird Brent zwischen 110 und 125 Dollar erwartet; selbst ein hypothetisches Abkommen mit Iran würde die Preise nicht schnell senken, da die Wiederherstellung der Logistik zwei bis drei Monate dauern würde.
Redaktionelle Prognose
Anlage und Richtung: Brent-Rohöl – feste Gewinne in den nächsten 48–72 Stunden.
Wichtige Marken: Aktueller Bereich 97,50–99,00 Dollar. Ein Ausbruch über 99,50 Dollar zielt auf 103,00–105,00 Dollar. Unterstützung liegt bei 94,00 Dollar (vorheriges lokales Hoch). Ein Schlusskurs über 100 Dollar würde die neue Handelsspanne psychologisch festigen.
Vertrauensniveau: Hoch. Die Bedrohung der Bab-el-Mandeb-Straße erweitert die Geografie des Konflikts, statt ihn nur zu eskalieren. Die Märkte haben das Risiko einer gleichzeitigen Schließung beider Meerengen noch nicht vollständig eingepreist. Rekord-US-Exporte und der Abbau japanischer und chinesischer strategischer Reserven sorgen für strukturelle Knappheit.
Hauptrisiko: Ein plötzlicher diplomatischer Durchbruch zwischen den USA und Iran (etwa ein am 15. Juni in Maskat unterzeichnetes Memorandum) könnte einen Kursrutsch von 10–15 Dollar in einer einzigen Sitzung auslösen. Selbst dann würde die Wiedereröffnung der Meerengen Wochen und die Rückgewinnung des Marktvertrauens Monate dauern.
Redaktionelle Meinung, keine Anlageberatung.
— Editorial Team