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Riss im Golf: Saudi-Arabien und Katar verweigerten den VAE den Krieg gegen den Iran

Bloomberg berichtete über die Weigerung Saudi-Arabiens und Katars, der Militärkoalition gegen den Iran auf Anfrage der VAE und der USA beizutreten. Diese Entscheidung markierte den faktischen Zusammenbruch des Verteidigungsbündnisses des Golf-Kooperationsrates und eine grundlegende Erosion des Einflusses Washingtons. Der Artikel analysiert die wirtschaftlichen und politischen Folgen des Risses, einschließlich des Austritts der VAE aus der OPEC und der Neubewertung der Investitionen der Golf-Staatsfonds in US-Vermögenswerte.

Zusammenbruch des Golf-Kooperationsrates: Warum Saudi-Arabien und Katar nicht in den Krieg gegen den Iran eintraten
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Bloomberg: Saudi-Arabien und Katar lehnen Krieg gegen Iran auf Ersuchen der VAE ab

Angesichts iranischer Raketenangriffe auf Ziele im Persischen Golf versuchte der Präsident der VAE, Saudi-Arabien und Katar zum Beitritt zu einer militärischen Reaktion zu bewegen, doch die Golf-Führer lehnten ab und bezeichneten diesen Konflikt als nicht ihren Krieg.


Die Weigerung Saudi-Arabiens und Katars, sich einer koordinierten Militärkoalition gegen den Iran anzuschließen, ist nicht nur eine diplomatische Demarche. Sie markiert den endgültigen Zusammenbruch der Sicherheitsarchitektur am Persischen Golf, die die USA vor einem halben Jahrhundert aufgebaut haben. Der Golf-Kooperationsrat (GCC), 1981 genau als Reaktion auf die Bedrohung durch die Islamische Revolution gegründet, hat de facto aufgehört, als Verteidigungsbündnis zu funktionieren.

Der Kern: Was wirklich passiert

Formal berichtet Bloomberg, dass der Präsident der VAE, Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan (MBZ), nach US-amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar eine Reihe von Telefonaten mit Golf-Führern führte und auf eine kollektive militärische Reaktion bestand. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman und der Emir von Katar antworteten beide auf die gleiche Weise: „Das ist nicht unser Krieg.“

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Aber der eigentliche Hintergrund reicht viel tiefer. Die Golfstaaten, die jahrzehntelang unter dem US-Sicherheitsschirm lebten, stehen zum ersten Mal vor einer Situation, in der dieser Schirm nicht schützt, sondern Angriffe anzieht. Iranische Raketen und Drohnen trafen Häfen, Flughäfen, Wohngebiete und Energieinfrastruktur im gesamten Golf. Länder, die jahrelang versucht hatten, Beziehungen zu Teheran aufzubauen, um die Region zu stabilisieren und Investitionen anzuziehen, fanden sich plötzlich im Epizentrum eines Krieges wieder, den sie nicht wollten und zu verhindern versucht hatten.

Wichtiger Punkt: Die Ablehnung aus Riad und Doha richtete sich nicht nur an Abu Dhabi, sondern auch an Washington. Eine Quelle erklärte direkt, dass die Trump-Administration wollte, dass Saudi-Arabien und Katar sich den Angriffen der VAE anschließen. Somit war die Weigerung zweifach: gegenüber einem GCC-Verbündeten und gegenüber dem übergeordneten Sicherheitspartner.

Zeitlicher Ablauf und Kontext

Die Ereigniskette entwickelte sich schnell. Am 28. Februar griffen die USA und Israel den Iran an. MBZ erklärte sofort seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Washington und Jerusalem. Anfang März und April führten die VAE eigenständig begrenzte Angriffe auf iranisches Territorium durch.

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Saudi-Arabien griff den Iran ebenfalls im März an, änderte dann aber abrupt seinen Kurs – es wandte sich an Pakistan, um als Vermittler im Dialog zwischen den USA und dem Iran zu fungieren. Katar, dessen Flüssigerdgas-Anlage Ras Laffan Mitte März durch einen iranischen Angriff beschädigt wurde, erwog Vergeltungsmaßnahmen, entschied sich jedoch für eine Deeskalation.

Das Ergebnis der Weigerung war eine starke Verschlechterung der ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den VAE und Saudi-Arabien. Es folgte ein demonstrativer Schritt: Ab dem 1. Mai verließen die VAE offiziell die OPEC. Diese Entscheidung war nicht nur wirtschaftlich motiviert, sondern auch durch offene Verstimmung – Abu Dhabi fühlte sich von seinen Kartellpartnern in einem kritischen Moment im Stich gelassen.

Wer gewinnt und wer verliert

Der Iran wird zum wichtigsten strategischen Nutznießer der Spaltung. Teheran hat jahrzehntelang versucht, einen Keil zwischen die Golf-Monarchien zu treiben, und nun wurde dieses Ziel ohne einen einzigen Schuss auf diplomatischer Front erreicht. Ein zersplitterter GCC ist nicht in der Lage, eine einheitliche Abschreckungsfront zu bilden – genau das, was Teheran wollte.

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Kurzfristig haben die VAE die militärische Zusammenarbeit mit Israel verstärkt: Informationsaustausch, gemeinsame Erkennung und Abfang iranischer Angriffe sowie Koordination bei Zielen auf iranischem Territorium. Strategisch gesehen ist Abu Dhabi jedoch unter seinen arabischen Nachbarn isoliert, was es anfälliger für zukünftige Angriffe macht.

Saudi-Arabien und Katar gewinnen kurzfristig, indem sie eine direkte Beteiligung am Krieg vermeiden. Aber ihre Weigerung schafft einen gefährlichen Präzedenzfall: Wenn der GCC nicht kollektiv auf einen Angriff auf eines seiner Mitglieder reagiert, wird das Bündnis zur Fiktion. Jede weitere Krise wird diesen Präzedenzfall auf die Probe stellen.

Die kleineren Monarchien – Bahrain, Kuwait und Oman – verlieren. Bahrain und Kuwait, die sich normalerweise mit Saudi-Arabien abstimmen, blieben am Rande des Konflikts, sind aber sowohl des saudischen Schutzes als auch der Entschlossenheit der VAE beraubt. Oman, das traditionell wärmere Beziehungen zum Iran unterhält, wurde nicht einmal als Kandidat für eine Beteiligung an den Angriffen in Betracht gezogen.

Die USA verlieren, da ihre regionale Sicherheitsarchitektur im Moment der tatsächlichen Bedrohung wirkungslos war. Die Tatsache, dass die VAE – die pro-amerikanischste Golf-Monarchie – ihre Partner nicht zum Handeln bewegen konnten, zeugt von einer grundlegenden Erosion des amerikanischen Einflusses.

Was die Medien auslassen

Die erste nicht offensichtliche Erkenntnis betrifft die wahren Motive hinter der saudischen Weigerung. Öffentlich nennt Riad den Wunsch, eine Eskalation zu vermeiden, aber der wahre Grund liegt tiefer. Saudi-Arabien hat erhebliche diplomatische Anstrengungen in die Normalisierung der Beziehungen zum Iran durch chinesische Vermittlung in den Jahren 2023-2025 investiert, und ein umfassender Krieg hätte diese Investitionen zunichte gemacht. Aber es gibt auch eine finanzielle Dimension: Laut MSCI fielen die Aktien von Immobilienunternehmen am Golf in den ersten drei Wochen des Konflikts um 22 %, und die Unternehmensanleihen-Spreads der VAE weiteten sich um 55 % aus. Saudi-Arabien, dessen Programm Vision 2030 entscheidend von ausländischen Investitionen und Tourismus abhängt, kann sich einen langwierigen Krieg schlichtweg nicht leisten – die wirtschaftlichen Folgen wären katastrophal.

Der zweite Punkt ist eine tektonische Verschiebung des Kräfteverhältnisses. Die Golfstaaten halten über ihre Staatsfonds etwa 2 Billionen US-Dollar in US-Vermögenswerten. Die Weigerung, der Militärkoalition beizutreten, bedeutet, dass diese Länder beginnen, die grundlegende Annahme zu überdenken, die dem Petrodollar-System seit 1974 zugrunde liegt: US-Militärschutz im Austausch für die Rückführung von Petrodollars in US-Staatsanleihen. Wenn Riad und Doha den US-Sicherheitsgarantien nicht mehr vertrauen, warum sollten sie weiterhin die US-Schulden finanzieren? Ein Golfbeamter erklärte bereits im März, dass drei der vier größten GCC-Volkswirtschaften die Positionen ihrer Staatsfonds überprüfen.

Die dritte Erkenntnis betrifft den Austritt der VAE aus der OPEC. Die Medien präsentieren dies als wirtschaftliche Entscheidung, aber Bloomberg-Quellen bringen es direkt mit der Verstimmung Abu Dhabis gegenüber seinen Golf-Partnern in Verbindung. Dies ist das erste Mal in der Geschichte des Kartells, dass eine geopolitische Spaltung zum Austritt eines großen Produzenten geführt hat. Die Folgen für den Ölmarkt sind grundlegend: Die OPEC verliert nicht nur 3 Millionen Barrel pro Tag an Quote, sondern auch ihren Status als monolithisches Kartell. Die nächsten 12 Monate werden zeigen, ob jemand anderes dem Beispiel der Emirate folgt – Irak, Kuwait oder Saudi-Arabien selbst.

Prognose: Nächste 30 und 90 Tage

Nächste 30 Tage (bis 16. Juni). Der GCC wird die formelle Einheit wahren, aber die internen Risse werden sich vertiefen. Die VAE werden in Abstimmung mit Israel eigenständige begrenzte Angriffe auf iranische Ziele fortsetzen, jedoch ohne saudische Unterstützung. Saudi-Arabien wird seine Vermittlungsbemühungen über Pakistan und möglicherweise China intensivieren. Katar wird versuchen, die Rolle eines neutralen Vermittlers zu spielen und dabei seine Verbindungen zu Teheran nutzen. Brent bleibt in der Spanne von 105-112 US-Dollar, da die GCC-Spaltung durch anhaltende iranische Angriffe und die Schließung der Straße von Hormus ausgeglichen wird.

Nächste 90 Tage (bis 16. August). Basisszenario (55 % Wahrscheinlichkeit): Der GCC spaltet sich de facto in zwei Lager – „Falken“ unter Führung der VAE, die mit Israel koordinieren, und „Tauben“ unter Führung Saudi-Arabiens, die einen Waffenstillstand durch Vermittler anstreben. Dies wird kein formaler Bruch sein, aber gemeinsame Militäroperationen werden unmöglich. Die Ölmärkte werden eine dauerhafte Golf-Fragmentierungsprämie von 15-20 US-Dollar pro Barrel einpreisen.

Negativszenario (30 %): Die VAE verlassen den GCC oder setzen ihre Mitgliedschaft aus. Abu Dhabi hat bereits gezeigt, dass es bereit ist, drastische Schritte zu unternehmen, indem es die OPEC verlassen hat. Wenn die iranischen Angriffe auf die Emirate anhalten und die Golf-Partner keine Unterstützung leisten, könnte die Spaltung formal werden. Dies wäre ein geopolitisches Erdbeben in der Größenordnung des diplomatischen Bruchs mit Katar von 2017.

Katastrophenszenario (15 %): Saudi-Arabien tritt als Reaktion auf iranische Angriffe dennoch in den Krieg ein, aber nicht in Koalition mit den VAE – sondern eigenständig. Dies würde zu einem chaotischen Konflikt ohne Koordination führen, bei dem jeder Akteur seine eigenen Ziele verfolgt, was die Dauer des Krieges und den Schaden für alle Seiten erhöht. Brent würde in diesem Szenario auf 125-130 US-Dollar steigen. Die über ein halbes Jahrhundert aufgebaute regionale Sicherheitsarchitektur würde endgültig der Vergangenheit angehören.

— Editorial Team

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