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Rostelecom Gewinn: Warum 10% Wachstum eine Illusion ist

Der Artikel enthüllt die ambivalenten Ergebnisse der Berichterstattung von Rostelecom für das erste Quartal 2026. Trotz des angekündigten 10%igen Anstiegs des Nettogewinns weist das Unternehmen einen negativen freien Cashflow, eine 35%ige Reduzierung der Investitionen und eine kritische Schuldenlast von 712 Milliarden Rubel auf. Der Autor argumentiert, dass die positive Dynamik im Bericht eine 'Fassade' ist, die strukturelle Geschäftsprobleme und hohe Risiken für Minderheitsaktionäre verschleiert.

Rostelecom: 10% Gewinnwachstum ist eine Fassade der Bargeldkrise
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Rostelecom meldet 10% Nettogewinnwachstum im ersten Quartal

Der Nettogewinn von Rostelecom nach IFRS stieg im ersten Quartal im Jahresvergleich um 10% auf 7,44 Milliarden RUB. Der Umsatz stieg ebenfalls um 10% auf 210 Milliarden RUB, hauptsächlich getrieben durch einen Anstieg der Einnahmen aus digitalen Diensten um 24%.


Die digitale Fassade: Warum Rostelecoms 10% Gewinnwachstum eine Illusion ist, die eine Liquiditätskrise verschleiert

Die wahre Geschichte

Rostelecom meldete für das erste Quartal 2026 einen Anstieg des Nettogewinns um 10% auf 7,44 Milliarden RUB. In den Foren wird bereits von einer "Wende" und "Dividenden" gesprochen. Aber als jemand, der hinter die Pressemitteilungen des Unternehmens blickt und sich auf die Cashflow-Zahlen konzentriert, sehe ich das genaue Gegenteil. Was als Erfolg präsentiert wird, ist in Wirklichkeit ein Zeichen struktureller Schwäche, getarnt als positive Nachricht. Das Gewinnwachstum wurde durch aggressive Kürzungen des Investitionsprogramms (CAPEX um 35% im Jahresvergleich) erzielt, nicht durch operative Effizienz. Es ist, als würde ein Bauer eine Rekordernte melden, aber verschweigen, dass er die Hälfte seiner Felder nicht bestellt und den Traktor verkauft hat.

Zeitplan und Kontext: Warum 10% Wachstum keine Leistung ist

Um das Drama zu verstehen, müssen wir ins Jahr 2025 zurückgehen. In jenem Jahr, bei einem Umsatz von 872,79 Milliarden RUB, brach der Nettogewinn von Rostelecom um 22% auf 18,715 Milliarden RUB ein. Das staatlich kontrollierte Unternehmen saß in der Zinsfalle. Nun zeigt das erste Quartal 2026 einen Gewinnanstieg von 10% im Jahresvergleich. Das klingt nach einer Erholung. Aber die Vergleichsbasis ist ein desaströses erstes Quartal 2025. Eine Erholung vom Tiefpunkt ist kein Wachstum. Das mittlere Analystenziel für die Aktien liegt weiterhin bei etwa 70 RUB, und selbst optimistische Analysten behalten ein "Kaufen"-Rating mit einem Ein-Jahres-Horizont bei. Aber wenn man tiefer gräbt: Das Unternehmen erwirtschaftete einen negativen freien Cashflow (FCF) von 5,6 Milliarden RUB. Ja, das ist besser als die negativen 20,8 Milliarden RUB vor einem Jahr, aber es ist immer noch negativ. Das Geschäft verbrennt mehr Bargeld, als es verdient. Ein Anstieg des OIBDA um 14% auf 83,87 Milliarden RUB sieht beeindruckend aus, bis man die Zinsaufwendungen betrachtet.

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Gewinner und Verlierer

Der Hauptgewinner ist der Staat als Kunde. Rostelecom wurde zum alleinigen Auftragnehmer für den Internetanschluss von Schulen in den Jahren 2026–2027 ernannt. Die Einnahmen aus digitalen Diensten stiegen um 24% auf 43,4 Milliarden RUB, vor allem dank staatlicher Aufträge und der Gosuslugi-Plattform. Das Umsatzwachstum von 10% ist also kein Erfolg in einem wettbewerbsintensiven Markt, sondern das Ergebnis administrativer Hebelwirkung.

Der Hauptverlierer ist der Minderheitsaktionär. Hier ist eine Einsicht, die an der Oberfläche nicht offensichtlich ist. Die Schulden des Unternehmens belaufen sich auf 712,3 Milliarden RUB – eine gewaltige Summe. Die vierteljährlichen Zinsaufwendungen betragen 30,1 Milliarden RUB, fast so viel wie vor einem Jahr (29,9 Milliarden RUB). Der Leitzins ist bereits um 7,5 Prozentpunkte gesunken, aber Rostelecom hat es nicht gespürt. Warum? Weil die Schulden langfristig und teuer sind, mit begrenzten Refinanzierungsmöglichkeiten. Der operative Gewinn des Unternehmens beträgt etwa 138 Milliarden RUB jährlich, wovon fast 122 Milliarden RUB für den Schuldendienst aufgewendet werden. Das ist eine massive Hebelwirkung, die jeden Gewinn auffrisst. Ein Nettogewinn von 7,4 Milliarden RUB pro Quartal ist ein statistischer Fehler angesichts des Schulden- und Umsatzvolumens.

Was die Medien auslassen: Die IPO-Karotte und Fallstricke

Die Mainstream-Medien sprechen von "digitalen Diensten" und "Stabilität". Sie lassen drei kritische Risikofaktoren aus.

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Erstens: Die CAPEX-Kürzung um 35% auf 28,6 Milliarden RUB ist eine Zeitbombe. Rostelecom spart an der Infrastruktur, um einen verbesserten Cashflow zu zeigen. Inmitten des KI-Booms und steigender Serverausrüstungskosten bedeutet Unterinvestition, in 2–3 Jahren an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Das jährliche CAPEX-Ziel liegt bei 20% des Umsatzes, aber im ersten Quartal waren es nur 13,7%. Das bedeutet, dass das Unternehmen die Investitionen in der zweiten Jahreshälfte stark erhöhen muss, was den freien Cashflow wieder tief in den negativen Bereich treiben wird.

Zweitens: Die "Karotte" eines Börsengangs von Tochtergesellschaften. Der Markt hofft, dass die Notierung von RTK-DC oder anderen "Töchtern" Bargeld bringt und die Schulden reduziert. Aber Analysten von BCS weisen darauf hin, dass die Leistung von RTK-DC im ersten Quartal schwach war – der Umsatz wuchs nicht und fiel sogar um 1%. Ein Unternehmen mit negativem Umsatzwachstum unter den aktuellen Bedingungen an die Börse zu bringen, ist nahezu unmöglich. Das bedeutet, dass der "Rettungs-IPO" auf unbestimmte Zeit verschoben werden könnte.

Drittens: Die Dividendenfalle. Der Staat als Mehrheitsaktionär verlangt die Ausschüttung von 50% des Nettogewinns. Nach einem desaströsen Jahr 2025 werden Dividenden von 5–6 RUB pro Aktie erwartet, was einer Rendite von 9–11% entspricht. MTS bietet bei ähnlichen Kennzahlen eine Rendite von 15–16%. Rostelecom-Aktien für Dividenden zu halten bedeutet, bewusst niedrigere Renditen bei höherem Schuldenrisiko zu wählen.

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Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage

Nächste 30 Tage (bis Mitte Juni 2026):

Spanne von 65–72 RUB pro Stammaktie. Ein kurzfristiger Anstieg ist möglich, wenn das Unternehmen bis Ende Mai Dividenden für 2025 ankündigt. Analysten haben bereits ein Kursziel von 70 RUB, und der Markt könnte versuchen, dies zu erreichen. Aber dies wird eine spekulative Welle sein, keine fundamentale Wende. Die Handelsvolumina werden niedrig bleiben, und institutionelle Anleger werden weiterhin auf Klarheit beim Cashflow warten.

Nächste 90 Tage (bis Mitte August 2026):

Turbulenzzone. Bis Mitte August werden die Ergebnisse des zweiten Quartals veröffentlicht. Ich erwarte, dass sich die CAPEX in Richtung des Ziels von 20% des Umsatzes bewegen, was den FCF wieder verschlechtern wird. Wenn die Zinsaufwendungen bei 30 Milliarden RUB pro Quartal bleiben, könnte der Nettogewinn auf Null oder sogar negativ sinken. Das Verhältnis Nettoverschuldung/OIBDA bleibt bei 2,1x – akzeptabel für ein Telekommunikationsunternehmen, aber nur, wenn die Zinsen weiter fallen. Eine Pause in der geldpolitischen Lockerung, wie von Analysten von Freedom Finance gewarnt, könnte eine Neubewertung des Risikos auslösen. Wenn der Börsengang von Tochtergesellschaften offiziell verschoben wird, könnten die Aktien unter 60 RUB fallen.

Zusammenfassung: Rostelecoms Nettogewinnwachstum von 10% ist eine Fassade. Dahinter verbirgt sich ein Unternehmen mit einer riesigen Schuldenlast von 712 Milliarden RUB, negativem Cashflow, gekürzten Investitionen und einer Phantomhoffnung auf einen Börsengang von Tochtergesellschaften. Dies ist keine Investition, sondern eine Wette darauf, dass der Staat weiterhin Geld in seinen Favoriten auf Kosten der Minderheitsaktionäre pumpt. Bis das Unternehmen nachhaltig positive freie Cashflows erwirtschaftet und seine teuren Schulden refinanziert, bleiben die Aktien ein spekulatives Instrument für Geduldige, kein Vermögenswert zum Geldverdienen.

— Editorial Team

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