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EMA hat die SMA-Gentherapie Itvisma und ein Medikament gegen MS zugelassen

Am 23. April 2026 empfahl der EMA-Ausschuss die Zulassung von Itvisma (Onasemnogen-Abeparvovec) – einer Gentherapie für SMA bei Patienten über 2 Jahren – und Cenrifki (Tolebrutinib) – dem ersten oralen Medikament gegen nicht-schubförmige sekundär progrediente Multiple Sklerose. Beide Medikamente schließen kritische Lücken in der Behandlung schwerer neurodegenerativer Erkrankungen bei zuvor unzugänglichen Patientengruppen.

EMA-Durchbruch: Gentherapie für spinale Muskelatrophie und eine Tablette gegen Sklerose
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EMA lässt Gentherapie gegen spinale Muskelatrophie und neues MS-Medikament zu

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung der Gentherapie Itvisma (Onasemnogen-Abeparvovec) zur Behandlung der spinalen Muskelatrophie empfohlen. Außerdem wurde Cenrifki (Tolebrutinib) für Patienten mit sekundär progredienter Multipler Sklerose zugelassen.


Zwei Herzen an einem Freitag: Wie die EMA das Spiel für SMA- und MS-Patienten veränderte

Einleitung

Am 23. April 2026 gelang der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) ein doppelter Durchbruch, indem sie die Zulassung von zwei Medikamenten empfahl, die jeweils einen Paradigmenwechsel in ihrem Bereich markieren.

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Das erste — Itvisma (Onasemnogen-Abeparvovec) von Novartis — ist eine Gentherapie für Patienten mit spinaler Muskelatrophie (SMA) ab zwei Jahren. Dies erweitert die Behandlungsmöglichkeiten über das Säuglingsalter hinaus, in dem die größten Erfolge der Gentherapie bisher konzentriert waren.

Das zweite — Cenrifki (Tolebrutinib) von Sanofi — ist das erste orale Medikament, das speziell zur Behandlung der nicht-schubförmigen sekundär progredienten Multiplen Sklerose (SPMS) zugelassen wurde. Diese Krankheit galt lange als „dunkle Zone“ der MS-Therapie, in der vorhandene Medikamente sich als unwirksam erwiesen.

Beide Empfehlungen wurden vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) während seiner April-Sitzung angenommen. Die Europäische Kommission wird voraussichtlich innerhalb von zwei Monaten die endgültige Zulassungsentscheidung treffen.

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Dieser Artikel analysiert die Bedeutung dieser beiden Entscheidungen — für Patienten, für die medizinische Wissenschaft und für die Pharmaindustrie insgesamt.

Ereignisdetails und Zeitplan

Itvisma: Gentherapie für die „vergessene“ Altersgruppe

SMA ist eine seltene vererbte neuromuskuläre Erkrankung, die durch eine Mutation im SMN1-Gen verursacht wird, das für die Produktion eines Proteins verantwortlich ist, das für das Überleben der Motoneuronen essentiell ist. Ohne dieses Protein werden Muskeln schwächer und atrophieren, was zu einem fortschreitenden Verlust der Fähigkeit zu bewegen, zu schlucken und in schweren Fällen zu atmen führt.

Was ist Itvisma und wie wirkt es:

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Itvisma ist ein adeno-assoziierter viraler Vektor (AAV9), der eine funktionelle Kopie des SMN1-Gens direkt in den Liquor cerebrospinalis über eine einmalige intrathekale Injektion abgibt. Im Gegensatz zur intravenösen Verabreichung (wie bei Zolgensma für Säuglinge) bringt diese Methode die Therapie direkt zum zentralen Nervensystem.

Die entscheidende Neuerung von Itvisma liegt in seiner Altersabdeckung. Zolgensma (die intravenöse Form derselben Gentherapie) ist nur für Kinder unter zwei Jahren zugelassen. Ältere Patienten — Schulkinder, Jugendliche und Erwachsene — blieben jahrelang ohne Gentherapie-Optionen.

Daten aus klinischen Studien:

Die EMA-Empfehlung basiert auf Ergebnissen der zentralen STEER-Studie (Phase 3), die 126 Patienten im Alter von 2 bis 17 Jahren mit 2–4 Kopien des SMN2-Gens umfasste.

| Endpunkt | Itvisma (n=75) | Placebo/Schein (n=51) |

|------------|----------------|---------------------|

| Verbesserung auf der HFMSE-Skala | 2,39 Punkte | 0,51 Punkte |

| Statistische Signifikanz | p = 0,0074 | — |

Der Unterschied von 2,39 Punkten auf der Hammersmith Functional Motor Scale Expanded (HFMSE) mag bescheiden erscheinen, aber wie Professor Tim Hagenacker vom Universitätsklinikum Essen anmerkt, „kann selbst ein 1-Punkt-Unterschied auf der HFMSE-Skala echte funktionelle Verbesserungen für SMA-Patienten bedeuten, wie z. B. die Fähigkeit, einen Stift zu halten.“

Unterstützende Studien STRENGTH (Phase 3b) und STRONG (Phase 1/2) bestätigten einen klinisch bedeutsamen Nutzen sowohl bei therapienaiven Patienten als auch bei solchen, die zuvor mit anderen Medikamenten (Nusinersen oder Risdiplam) behandelt wurden.

Wichtig: Itvisma erhielt bereits 2025 die FDA-Zulassung für Patienten ab zwei Jahren. Die EMA-Empfehlung öffnet den Markt der Europäischen Union für dieses Medikament.

Cenrifki: Erstes Medikament für nicht-schubförmige SPMS

Sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS) ist ein Stadium der Erkrankung, das auf die schubförmig-remittierende MS folgt. Anders als bei der schubförmigen Form, bei der Phasen der Verschlechterung mit Remissionen abwechseln, ist SPMS durch eine stetige Zunahme der Behinderung ohne klare Schübe gekennzeichnet.

Patienten mit SPMS leiden unter fortschreitender Müdigkeit, kognitiven Beeinträchtigungen, Gehschwierigkeiten und anderen Symptomen, die die Lebensqualität erheblich einschränken. Bisher gab es keine zugelassenen Medikamente, die speziell auf diese Form der Krankheit abzielen.

Was ist Tolebrutinib und wie wirkt es:

Cenrifki (Tolebrutinib) ist ein oraler Bruton-Tyrosinkinase (BTK)-Inhibitor, der die Blut-Hirn-Schranke überwindet. BTK spielt eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung von B-Zellen, Makrophagen und Mikroglia – Immunzellen, die am Entzündungsprozess bei Multipler Sklerose beteiligt sind.

Indem es diese Zellen sowohl peripher als auch direkt im zentralen Nervensystem angreift, kann Tolebrutinib die Neuroinflammation und folglich das Fortschreiten der Behinderung verlangsamen.

Wichtige Daten aus der HERCULES-Studie:

Die EMA-Empfehlung basiert auf Ergebnissen der HERCULES-Studie (Phase 3), die Patienten mit nicht-schubförmiger SPMS (keine Schübe in den letzten zwei Jahren) einschloss.

Wichtigste Ergebnisse:

  • 31%ige Reduktion des Risikos einer bestätigten Behinderungsprogression im Vergleich zu Placebo
  • 38%ige Reduktion der Anzahl neuer und sich vergrößernder T2-hyperintenser Läsionen pro Jahr (adjustierter Mittelwert)

Die Daten wurden auf der Konferenz des Europäischen Komitees für Behandlung und Forschung in der Multiplen Sklerose (ECTRIMS) im Jahr 2024 und auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) im Jahr 2025 präsentiert und im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Sicherheit:

Die häufigsten Nebenwirkungen waren COVID-19-Infektionen und Infektionen der oberen Atemwege. Das schwerwiegendste identifizierte Risiko ist jedoch eine arzneimittelinduzierte Leberschädigung, die eine strenge Überwachung der Leberenzymwerte erfordert.

Auswirkungen und Bedeutung

Für SMA-Patienten: Neue Hoffnung für Erwachsene und ältere Kinder

Bisher war die Gentherapie für SMA nur für die jüngsten Patienten verfügbar. Zolgensma, zugelassen für Kinder unter zwei Jahren, revolutionierte die Behandlung der infantilen SMA. Aber was ist mit denen, die dieses „Zeitfenster“ verpasst haben? Ältere Patienten konnten nur auf chronische Therapien zurückgreifen — Nusinersen (Spinraza), das alle vier Monate wiederholte intrathekale Injektionen erfordert, oder Risdiplam (Evrysdi), ein tägliches orales Medikament.

Itvisma bietet diesen Patienten eine einmalige Gentherapie — theoretisch eine lebenslange Lösung. Nicole Gusset, CEO von SMA Europe, betont: „Das Leben mit SMA betrifft alle Lebensphasen, einschließlich Bildung, Beruf und Unabhängigkeit. Ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben weniger Möglichkeiten für innovative Therapien. Die positive CHMP-Stellungnahme für Itvisma ist ein wichtiger Schritt, um diese Lücke zu schließen.“

Für SPMS-Patienten: Erstes Ziel in der „dunklen Zone“

Vielleicht noch bedeutender ist die Zulassung von Cenrifki für SPMS. Multiple Sklerose ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei jungen Erwachsenen. Aber während es etwa ein Dutzend zugelassene krankheitsmodifizierende Therapien für schubförmig-remittierende MS gibt, existieren nur sehr wenige für progrediente Formen.

Wie in den Analysematerialien von Sanofi festgestellt, ist SPMS ein Stadium, in dem Patienten eine kontinuierliche Zunahme der Behinderung erfahren, einschließlich Müdigkeit, kognitiver Beeinträchtigung und Gehschwierigkeiten. Die Möglichkeit, diesen Prozess mit einem einmal täglich eingenommenen oralen Medikament zu verlangsamen, ist nicht nur eine neue Option — es ist das erste echte Werkzeug für diese Patientenkategorie.

Für die medizinische Wissenschaft und die Industrie

Beide Zulassungen haben Bedeutung über die spezifischen Krankheiten hinaus:

Für die Gentherapie:

Itvisma zeigt, dass AAV-Vektor-Gentherapie nicht nur bei Säuglingen, sondern auch bei älteren Patienten mit etablierter Erkrankung wirksam sein kann. Dies ist ein wichtiger Präzedenzfall für andere neuromuskuläre und neurodegenerative Erkrankungen, bei denen die Behandlung traditionell spät beginnt.

Bemerkenswert ist auch der Entwicklungsweg des Medikaments: zuerst eine intravenöse Form für Säuglinge (Zolgensma), dann eine intrathekale Form für ältere Patienten (Itvisma). Novartis erweitert schrittweise das therapeutische Interventionsfenster.

Für die MS-Therapie:

Cenrifki ist das erste Medikament seit vielen Jahren, das für eine spezifische Untergruppe von MS-Patienten zugelassen wurde, und der erste BTK-Inhibitor, der dieses Stadium erreicht hat. Sein Erfolg ebnet den Weg für andere BTK-Inhibitoren in der Entwicklung.

Reaktionen der wichtigsten Interessengruppen

Novartis begrüßte die CHMP-Entscheidung als strategischen Schritt. Patrick Horber, Präsident der Internationalen Division bei Novartis, erklärte: „Die heutige positive CHMP-Stellungnahme ist ein bedeutender Schritt zur potenziellen Verringerung der langfristigen Belastung durch chronische Medikamentengabe für SMA-Patienten in Europa. Sie spiegelt unser Bestreben wider, die Behandlungsmöglichkeiten für eine breitere SMA-Patientenpopulation zu erweitern.“

Sanofi fördert Cenrifki ebenfalls aktiv. Das Unternehmen hat Zulassungsanträge bei Aufsichtsbehörden weltweit eingereicht. Die EMA-Entscheidung ist der erste große regulatorische Erfolg für dieses Medikament.

Patientenorganisationen äußerten vorsichtigen Optimismus. SMA Europe, die SMA-Patienten in ganz Europa vertritt, nannte die Entscheidung „einen wichtigen Schritt zur Schließung der Lücke“ bei der Behandlung älterer Altersgruppen.

Prognose und Schlussfolgerungen

Beide Medikamente warten nun auf die endgültige Entscheidung der Europäischen Kommission, die innerhalb von zwei Monaten erwartet wird. Danach beginnt der Prozess der Aufnahme in die nationalen Gesundheitssysteme der EU-Länder — was bei teurer Gentherapie immer eine besondere Herausforderung darstellt.

Wichtige Punkte, die zu beobachten sind:

  • Preisgestaltung und Zugänglichkeit. Itvisma wird wie Zolgensma wahrscheinlich einen hohen Preis haben. Wie werden die europäischen Gesundheitssysteme das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer einmaligen Verabreichung bei älteren Patienten bewerten, bei denen der Effekt bescheidener ist als bei Säuglingen?
  • Sicherheitsüberwachung. Für Cenrifki wird angesichts des Risikos einer Leberschädigung die Einhaltung der Überwachungsprotokolle in der klinischen Praxis entscheidend sein.
  • Langzeitdaten. Für Itvisma sind längere Nachbeobachtungszeiträume erforderlich, um die Dauerhaftigkeit der Wirkung bei älteren Patienten zu bewerten.
  • Auswirkungen auf Behandlungsstandards. Wenn Cenrifki seine Wirksamkeit in der Praxis bestätigt, könnte es zum Behandlungsstandard für nicht-schubförmige SPMS werden.

Wichtigste Erkenntnis:

Der 23. April 2026 wird als der Tag in die Geschichte eingehen, an dem zwei der herausforderndsten neurologischen Erkrankungen neue, grundlegend wichtige Werkzeuge erhielten. Itvisma erweitert die Grenzen der Gentherapie über das Säuglingsalter hinaus. Cenrifki gibt erstmals Hoffnung für diejenigen, die zusehen mussten, wie sich ihr Zustand ohne Eingriff stetig verschlechterte.

Dies sind nicht nur Neuigkeiten aus der Pharmaindustrie. Es ist eine echte Veränderung im Leben von Tausenden von Patienten in ganz Europa. Und wie Nicole Gusset von SMA Europe anmerkte: Auch wenn der Effekt bescheiden erscheint, die Fähigkeit, einen Stift zu halten oder die Unabhängigkeit für ein weiteres Jahr zu bewahren, ist nicht nur eine Zahl. Es ist Lebensqualität.

— Editorial Team

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