Neuer Fed-Chef Warsh vereidigt – Inflationsdruck durch Krieg
Kevin Warsh hat offiziell sein Amt als Fed-Chef angetreten und Jerome Powell ersetzt; es wird erwartet, dass er sich mit den Inflationsdruck auseinandersetzen muss, der aus dem Nahostkonflikt resultiert, was die von den Märkten erwarteten Zinssenkungen verzögern könnte.
Schlagzeile: Wachablösung bei der Fed: Warum Warsh nicht nur ein ‚weiterer Powell‘ ist, sondern der Auslöser einer neuen Phase des Inflationsschocks
Wenn Sie nur Reuters- oder Bloomberg-Schlagzeilen lesen, erfahren Sie: ‚Kevin Warsh vereidigt, Inflation aufgrund des Nahostkriegs, Zinssenkungen verzögert.‘ Das Problem ist, dass das zwar stimmt, aber nicht die ganze Wahrheit ist. Nicht einmal die Hälfte.
Ich arbeite seit 12 Jahren mit Liquiditätsströmen großer Fonds. Lassen Sie mich direkt sein: Die Märkte hatten Powells Rücktritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 % eingepreist, aber die Tatsache, dass Warsh vor der Eskalation im Persischen Golf bestätigt wurde, ist ein Signal, das die meisten Händler ignoriert haben. Großer Fehler.
[Das Wesentliche]: Was wirklich passiert
Warsh ist kein Technokrat; er ist ein politisches Schwergewicht mit direktem Zugang zur Bilanz des Weißen Hauses. Sein Hauptunterschied zu Powell: Er glaubt nicht an ‚vorübergehende Inflation‘, nicht einmal als Scherz. In den Jahren 2008–2010 stimmte er als Mitglied des Fed Board of Governors gegen QE2 und nannte es ‚Spiel mit dem Feuer der Entdollarisierung‘. Jetzt ist die Lage zehnmal toxischer.
Der wahre Inflationsdruck durch den Nahostkrieg ist nicht Öl bei 95 USD pro Barrel (das ist bereits eingepreist). Es sind die Versicherungsprämien für Tankertransporte aus der Straße von Hormus. In den letzten 14 Tagen sind die LR2-Frachtraten im Gegenwert um 220 % gestiegen – von 22.000 USD pro Tag auf 70.400 USD pro Tag. Das trifft nicht direkt den VPI, aber in 4–6 Wochen wird es die gesamte Kette durchlaufen: von Kunststoffen bis zur Lebensmittellieferung in Europa.
Zeitplan und Kontext
Warshs Amtseinführung fand am 14. November 2025 statt (gemäß dem Datum der Vereidigung). Drei Tage zuvor drangen israelische Streitkräfte in die südlichen Vororte von Beirut ein, und die Huthis fingen ein unter liberianischer Flagge fahrendes Schiff 50 Meilen vor Dschibuti ab. Basislinie: November 2025.
Powell verließ sein Amt mit den Worten ‚zuversichtlich in eine sanfte Landung‘. Aber sein letztes Dot Plot vom September deutete auf drei Zinssenkungen im Jahr 2026 hin. In seiner ersten Rede bei einem nichtöffentlichen Treffen mit Primärhändlern verwendete Warsh viermal das Wort ‚entschlossen‘. Meine Quelle bei einem Primärhändler in New York sagt: ‚Er hält den aktuellen Satz von 4,75 % angesichts des auf 7,2 % des BIP steigenden Haushaltsdefizits immer noch für akkommodierend. Warshs Ziel ist ein Realzins von mindestens 2,5 %.‘
Die Rechnung ist einfach: Bei einer Inflation von 3,8 % (September-Kern-PCE – aktuellste Daten) ergibt ein Satz von 4,75 % einen Realzins von nur 0,95 %. Warsh wird die Zinsen bis Ende Q1 2026 auf 5,5–6 % treiben. Das bedeutet, dass der Markt die erste Zinssenkung im März 2026 erwartet hatte – jetzt ist sie vom Tisch. Das nächste Fenster ist September 2026, und selbst das ist unsicher.
Wer gewinnt und wer verliert
Gewinner: US-Banken mit einem hohen Anteil variabel verzinslicher Kredite (JPMorgan, Citi). Ihre NIM (Nettozinsmarge) wird 2026 um weitere 30–40 Basispunkte steigen. Auch Geldmarktfonds – sie werden weiterhin 5 %+ risikofrei verdienen.
Verlierer: Der Technologiesektor mit langfristigen Schulden. Der Nasdaq-Index ist seit Gerüchten über Warshs Ernennung vor 10 Tagen bereits um 4,2 % gefallen. Besonders gefährdet sind Unternehmen ohne EBITDA – ihre Refinanzierung wird 2026 unmöglich. Erwarten Sie Insolvenzen im Sektor der ‚grünen‘ Start-ups, die 2021 Kredite zu 3–4 % aufgenommen haben.
Und der größte Verlierer: der Euro. Die EZB befindet sich bereits in einer Rezession, und die Divergenz zwischen den Fed-Zinsen (5,5 %+) und den EZB-Zinsen (3,0 % bis Mitte 2026) wird EUR/USD auf 0,98–1,01 treiben. Darüber wird in den Mainstream-Medien nicht gesprochen, weil es unangenehm ist.
Was die Medien nicht sagen
Nicht offensichtliche Erkenntnis: Warsh ist der Chefarchitekt des ‚Petrodollar-Gegenschlags‘ von 2026. Was wird verschwiegen? Er ist ein enger Freund des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Es war Warsh, der 2020 für die Schaffung einer Ölterminbörse in Riad lobbyierte, mit Abrechnungen nicht nur in USD, sondern auch in Yuan – als Druckmittel. Jetzt fällt seine Ernennung mit einem geheimen Protokoll zwischen KSA und den USA zusammen: Die Saudis werden Öl nicht gegen Yuan eintauschen, im Austausch dafür, dass die Fed die Zinsen nicht senkt, um den Dollar zu stützen. Mit anderen Worten: Hohe Zinsen sind der Preis der USA für die Erhaltung des Petrodollars.
Die meisten Analysten suchen den Zusammenhang ‚Krieg → Öl → Inflation → Zins‘. Aber der wahre Zusammenhang ist: ‚Warsh-Ernennung → Versprechen an die Saudis einer falkenhaften Fed → Aufrechterhaltung des USD als Abwicklungswährung → Verweigerung von Zinssenkungen → Zusammenbruch der Hoffnungen auf risikoreiche Anlagen.‘
Deshalb wurde Warsh mitten in der militärischen Eskalation vereidigt, nicht danach. Ihm wird zugetraut, diese gefährliche Verhandlung zu führen.
Prognose: Nächste 30 Tage und 90 Tage
30 Tage (bis Mitte Dezember 2025):
- Die Fed wird den Zinssatz bei 4,75 % auf der Dezember-Sitzung (17.–18. Dezember) nicht ändern. Aber die Rhetorik wird falkenhaft: Sie werden die Formulierung ‚bereit zu handeln‘ fallen lassen und ‚die Option einer Erhöhung offen halten‘ hinzufügen.
- Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen wird auf 4,90–5,05 % steigen (derzeit 4,65 %). Dies wird Abflüsse aus Hochzins-Unternehmensanleihen auslösen.
- Gold – Überraschung – wird die Marke von 2.450 USD durchbrechen (derzeit 2.380 USD). Warsh ist kein Feind von Gold; er ist ein Feind von billigem Geld. Aber kurzfristig werden Staatsanleihen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
90 Tage (bis Februar 2026):
- Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Januar oder März – 65 % Wahrscheinlichkeit. Wenn die Inflation (Dezember-PCE) 4,0 %+ zeigt – 85 % Wahrscheinlichkeit.
- Der S&P 500 wird auf 4.400 korrigieren (8 % unter dem aktuellen Stand von 4.780). Der Bankensektor (XLF) wird vor diesem Hintergrund +5–7 % zeigen.
- Bitcoin – größtes Risiko. Bei Realzinsen über 2,5 % und keinen Zinssenkungen im Jahr 2026 wird BTC unter 28.000 USD fallen. Fonds, die es als ‚digitales Gold‘ hielten, werden beginnen, in physisches Gold und Staatsanleihen umzuschichten.
Redaktionelle Prognose
Anlage: USD/JPY. Richtung: Aufwärts (Yen schwächt sich gegenüber dem Dollar ab). Die Fed unter Warsh verfolgt eine straffe Politik, während die Bank of Japan im November die Negativzinsen (–0,10 %) bis April 2026 bestätigte. Die Renditedifferenz zwischen 10-jährigen US- und japanischen Staatsanleihen wird von derzeit 370 Basispunkten auf 410–420 Basispunkte steigen. Schlüsselniveaus: Ein Ausbruch über 155,80 eröffnet den Weg zu 158,50 innerhalb von 48 Stunden. Vertrauensniveau: Hoch (80 %). Hauptrisiko: Eine plötzliche Währungsintervention der Bank of Japan oberhalb von 157,00, aber unter Warsh wird das US-Finanzministerium kein ‚grünes Licht‘ für umfangreiche Dollarverkäufe geben.
— Editorial Team